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20.02.2014

07:18 Uhr

Irans Atomprogramm

Verhandlungen gehen vorerst zu Ende

Quelle:Handelsblatt Online

Nach drei Tagen wird Bilanz gezogen: Was hat das erste Folgetreffen nach dem historischen Durchbruch von Genf gebracht? Zumindest soll man sich auf weitere Gespräche im März geeinigt haben, ließ Teheran verkünden.

Gute Laune bei der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton und dem iranischen Außenminister Mohammed Dschawad Sarif in Wien: Von allen Seiten war immer wieder die positive Atmosphäre während der Verhandlungen hervorgehoben worden. dpa

Gute Laune bei der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton und dem iranischen Außenminister Mohammed Dschawad Sarif in Wien: Von allen Seiten war immer wieder die positive Atmosphäre während der Verhandlungen hervorgehoben worden.

WienDie Verhandlungen in Wien über das umstrittene iranische Atomprogramm werden am Donnerstag beendet. Am Vormittag wollen die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton und der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif über das Ergebnis informieren.

Irans Vizeaußenminister Abbas Araghchi sagte laut iranischer Nachrichtenagentur Irna, die Gesprächspartner hätten sich auf einen Fahrplan für die weiteren Verhandlungen über ein umfassendes Abkommen geeinigt. Die nächste Runde finde vom 17. bis 20. März in Wien statt, sagte Araghchi nach Angaben des iranischen Senders Press TV. Ein westlicher Delegierter sagte der Nachrichtenagentur dpa, die Äußerungen Araghchis seien „nicht falsch“.

Der stellvertretende russische Außenminister Sergej Rjabkow gab sich sehr optimistisch über die Erfolgsaussichten. Nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Itar-Tass geht er davon aus, dass ein Abkommen vor dem 20. Juli unterschrieben werden könnte.

Seit Dienstag hatten die fünf UN-Vetomächte (USA, China, Russland, Frankreich und Großbritannien) sowie Deutschland (5+1-Gruppe) mit dem Iran weitere Schritte zur Lösung des Atomstreits beraten.

Irans umstrittene Atomanlagen

Natans

In der unterirdischen Fabrik südöstlich von Teheran wird schwach angereichertes Uran produziert. Es wird für die Stromgewinnung, aber in hoch angereicherter Form auch für Atomwaffen benötigt. Für den Bau einer Atombombe müsste Uran auf 80 Prozent und mehr angereichert werden.

Ghom

2009 gab Teheran die Existenz einer weiteren, lange geheim gehaltenen Anreicherungsanlage südlich von Teheran zu, die noch nicht in Betrieb ist. Die Fabrik in einem Tunnelsystem auf einem früheren Militärgelände nahe der Schiiten-Hochburg Ghom bietet Platz für 3000 Zentrifugen zur Urananreicherung.

Buschehr

Nach der islamischen Revolution von 1979 zog sich die deutsche Kraftwerk Union (KWU) aus dem Projekt zurück. Später stiegen die Russen in Buschehr ein. In den beiden Atomreaktoren im Südwesten des Landes wurden im Oktober 2010 die ersten aus Russland gelieferten Brennelemente geladen - 35 Jahre nach Baubeginn. Im September 2011 ging Irans erstes Atomkraftwerk offiziell in Betrieb.

Isfahan

Im Zentrum der iranischen Kernforschung gibt es eine Anlage zur Produktion von Kernbrennstäben. Auch das in Zentrifugen zur Urananreicherung benötigte Hexafluoridgas wird südlich von Teheran hergestellt.

Arak

Den USA ist seit 2002 die Existenz des unfertigen Schwerwasserreaktors im Westen des Landes bekannt. Hier fällt Plutonium an, das für die Bombenproduktion verwendet werden könnte.

Teheran

Der kleine Leichtwasserreaktor in der Hauptstadt wurde noch zu Zeiten des 1979 gestürzten Schahs mit US-Hilfe gebaut. Er soll Material für medizinische Zwecke produzieren. Dazu benötigt er angereichertes Uran.

Karadsch

Seit den 1990er Jahren arbeitet nahe der Hauptstadt ein Nuklearforschungszentrum, das vor allem medizinischen Zwecken dienen soll.

Von allen Seiten war immer wieder die positive Atmosphäre während der Verhandlungen hervorgehoben worden. Nach bisherigen Planungen sollte der jahrelange Streit innerhalb von sechs Monaten mit einer „umfassenden Lösung“ beigelegt werden. Die Wiener Gespräche waren das erste Folgetreffen der Verhandlungen in Genf, wo im November 2013 das Tauwetter zwischen dem Iran und den UN-Vetomächten zu einem Zwischenabkommen geführt hatte.

Der Westen verdächtigt Teheran, unter dem Deckmantel eines zivilen Programms heimlich Kernwaffen zu entwickeln. Iran bestreitet das.

Ashton, die an der Spitze der 5+1-Gruppe verhandelt hatte, muss am Donnerstag zu einer Sondersitzung der EU-Außenminister wegen der Krise in der Ukraine nach Brüssel fliegen. Vorher wird sie voraussichtlich zunächst eine weitere Gesprächsrunde in Wien leiten.

Zu den Problemen zählt der Schwerwasserreaktor in Arak, dessen Plutonium auch für den Bau einer Atombombe geeignet wäre. Außerdem gibt es Differenzen bei der Deckelung der Urananreicherung auf fünf Prozent. Während der Iran bis zu dieser Grenze auch mit modernsten Zentrifugen arbeiten will, sieht die 5+1-Gruppe das als unerwünschten technologischen Fortschritt, der die Fähigkeit des Landes zum Bau einer Atombombe begünstige. Schließlich möchten die UN-Vetomächte, dass der Iran das Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet, um intensive Inspektionen der Atomanlagen abzusichern.

Von

dpa

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