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26.09.2014

08:08 Uhr

Irans Nuklearprogramm

Steinmeier warnt vor einer Ausdehnung des Atomkonflikts

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat mit dem iranischen Präsidenten Hassan Ruhani gesprochen. Dabei warnte er vor einem Spiel auf Zeit. Jetzt sei die Zeit den Atomkonflikt endlich zu beenden.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) spricht vor dem Gebäude der Vereinten Nationen in New York. „Es liegen viele Angebote und Vorschläge auf dem Tisch.“ dpa

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) spricht vor dem Gebäude der Vereinten Nationen in New York. „Es liegen viele Angebote und Vorschläge auf dem Tisch.“

New YorkIm Atomstreit mit dem Iran hat Außenminister Frank-Walter Steinmeier davor gewarnt, die Chancen für eine Lösung verstreichen zu lassen. Nach einem Treffen mit dem iranischen Präsidenten Hassan Ruhani am Donnerstagabend (Ortszeit) in New York sagte Steinmeier: „Es liegen viele Angebote und Vorschläge auf dem Tisch. Es ist jetzt die Zeit, den Konflikt endlich zu beenden.“

Der Iran steht im Verdacht, unter dem Deckmantel eines zivilen Nuklearprogramms an der Entwicklung eigener Atomwaffen zu arbeiten. Die Regierung in Teheran weist dies zurück.

Steinmeier betonte nach dem etwa 45-minütigen Treffen mit Ruhani, in den Verhandlungen der Staatengemeinschaft mit dem Iran habe es in den vergangenen Monaten durchaus Fortschritte gegeben. „Jetzt ist es an der Zeit, den Abschluss zu suchen.“ Zugleich dämpfte er Hoffnungen auf einen baldigen Durchbruch. „Der letzte Teil der Strecke, der jetzt noch vor uns liegt, ist vielleicht der schwerste. Es sind noch Hürden zu überwinden.“

Die iranischen Atomanlagen

Schwerwasserreaktor in Arak

Eine zentrale Rolle im Atomstreit spielt der geplante Schwerwasserreaktor in Arak, rund 250 Kilometer südwestlich von Teheran. Solche Reaktoren werden mit gewöhnlichem, nicht angereichertem Uran befeuert und mit sogenanntem schwerem Wasser, einer molekularen Variante, gekühlt. Schwerwasserreaktoren sondern als Nebenprodukt mehr Plutonium ab als Reaktoren, die mit gewöhnlichem Wasser gekühlt werden. Plutonium wiederum kann für die Herstellung von Atomwaffen eingesetzt werden.

Der Bau des Reaktors in Arak begann 2004 und ist fast fertig. Ein Datum für die Inbetriebnahme ist jedoch noch nicht bekannt. Der Iran gibt an, die Anlage für die Herstellung von Isotopen für medizinische und industrielle Zwecke nutzen zu wollen. Die UN-Inspektoren haben die Anlage bereits besichtigt. Vor knapp zwei Wochen sagte die Regierung ihnen überdies zu, weitere Kontrollen zu ermöglichen.

Urananreicherungsanlage in Natans

Der Iran betreibt zwei bedeutende Urananreicherungsanlagen. Die älteste und größte befindet sich in Natans, rund 260 Kilometer südwestlich von Teheran. Die Schutzmaßnahmen sind aufwendig: Die Zentrifugen stehen unter der Erde und die Anlage wird von mehreren Luftabwehrgeschützen verteidigt. Seit 2006 drehen sich die Zentrifugen und reichern Uran an. Insgesamt soll der Iran nach UN-Angaben 18.000 Zentrifugen besitzen

Urananreicherungsanlage in Fordo

Die zweite Anlage liegt in Fordo, im bergigen Süden der Hauptstadt Teheran. Die Regierung hielt die Urananreicherungsanlage lange geheim. Erst 2009 wurde ihre Existenz durch ausländische Geheimdienste bekannt. Das Gelände wird von den elitären Revolutionsgarden geschützt. Die UN-Inspektoren haben beide Anlagen in Natans und in Fordo bereits besucht und Systeme für eine Rund-um-die-Uhr-Überwachung eingerichtet. Der Iran will aber nach eigenen Angaben zehn weitere Anlagen zur Urananreicherung bauen. Details zu den Plänen sind jedoch noch nicht bekannt.

Reaktor Buschehr

Das Kraftwerk Buschehr befindet sich im Südwesten des Landes an der Küste des Persischen Golfs. Das Projekt hatte schon vor der islamischen Revolution 1979 mit deutscher Beteiligung begonnen, später wurde es mit russischer Unterstützung weiter betrieben. 2011 wurde Buschehr als erstes iranisches Atomkraftwerk ans Netz angeschlossen.

Reaktor Teheran

Der wichtigste Forschungsreaktor steht in der iranischen Hauptstadt. Dort werden vor allem Isotope für medizinische Zwecke produziert. Die UN-Experten haben Zugang zu der Anlage.

Reaktoren in Planung

In den kommenden 20 Jahren plant der Iran den Bau mehrerer neuer Reaktoren. Wenige Details sind bekannt. Der meistdiskutierte Vorschlag ist ein Reaktor zur Energiegewinnung in Darchowin in der südwestlichen Provinz Chusestan. Er soll ausschließlich mit iranischer Technologie konstruiert werden. Der Iran hat der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) versprochen, seine Pläne zu erläutern.

Uranmine Saghand

Die bedeutendste Uranmine des Landes liegt in Saghand in der zentralen Provinz Jasd. Dort lagern die größten iranischen Vorkommen. Die Inspektoren dürfen die Mine betreten.

Uranmine Gachin

Eine kleinere Uranmine liegt am Persischen Golf. Ganz in der Nähe gibt es eine Raffinerie in Bandar Abbas. Seit 2006 wurden hier kleine Mengen von sogenanntem Yellowcake hergestellt. Dabei handelt es sich um ein gelbes, pulverförmiges Material aus Uranverbindungen, aus dem Brennstäbe hergestellt werden.

Uranmine Ardakan

Rund 500 Kilometer südlich von Teheran ist eine Raffinerie zur Produktion von Yellowcake geplant. Sie ist noch nicht in Betrieb.

Militäranlage Parchin

In Parchin südöstlich von Teheran befindet sich ein Militärgelände, auf dem konventionelle Waffen getestet werden. Die IAEA vermutet, dass dort eine unterirdische Anlage existiert, in der Zünder für Atomsprengköpfe getestet worden sein sollen. Der Iran weist die Vorwürfe zurück. Zwar konnten die Inspektoren den Stützpunkt 2005 besuchen, seither verlangt die IAEA aber erneut Zugang, den sie aber bislang nicht bekam.

Das Treffen mit Ruhani fand im Hotel der iranischen Delegation in unmittelbarer Nähe der UN-Zentrale statt. Steinmeier und der iranische Präsident zogen sich nach dem Auftakt für ein Vier-Augen-Gespräch zurück.

An den Atomgesprächen mit dem Iran sind die fünf Ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrates - USA, China, Russland, Großbritannien und Frankreich - sowie Deutschland beteiligt. Auch am Rande der Vollversammlung wurde miteinander verhandelt. Die Gespräche sollen eigentlich bis 24. November beendet sein. Die Frist wurde bereits verlängert.

Steinmeier lobte den Iran ausdrücklich für dessen Bemühungen, ein weiteres Erstarken von „islamistisch-terroristischen Gruppierungen“ zu verhindern. Er fügte hinzu: „Ich hoffe, dass der Iran weiß und spürt, dass uns jetzt ein Scheitern der Verhandlungen in dieser Zeit nicht erlaubt ist.“

Zuvor hatte Ruhani vor der UN-Vollversammlung gesprochen. Dabei warf der als gemäßigt geltende Präsident dem Westen vor, für das Erstarken des Terrorismus in der Welt mitverantwortlich zu sein. Die Sanktionen gegen sein Land wegen des Atomprogramms nannte er „einen strategischen Fehler gegen eine moderate und unabhängige Nation“.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Herr Woifi Fischer

26.09.2014, 09:01 Uhr

Nach Gesprächen mit Ruhani, Steinmeier lobt und tadelt den Iran!

Ich frage mich, welches Land und deren Bürger vertritt Herr Steinmeier noch?
Sind dies nur noch die Mitglieder der SPD oder auch Parteilose Bürger dieses Landes BRD?
Er reist von Konferenz zu Konvergenz, überall meint er muß er etwas zu Problemen sagen?

Was aber hat er am Ende des Tages für die Menschen und den Weltfrieden erreicht?
Ich würde mir wünschen, er würde mehr die Interessen der Bürger der BRD und deren Wirtschaft im Auge behalten, und weniger SPD-Utopien nachjagen.

Herr Peter Spiegel

26.09.2014, 12:27 Uhr

Den Oberwarner Steinmeier nimmt doch niemand mehr für voll.
Der Herr hat diese Woche noch nicht gewarnt, deshalb noch schnell am Wochende sein Sprüchlein für die Zeitung.

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