Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.01.2011

07:00 Uhr

Irland

Künftige Regierung droht den Bankgläubigern

VonMichael Maisch

In Irland steht ein Machtwechsel an. Die traditionellen Fianna Fail droht nach dem Schuldendesaster und dem Kollaps der Regierung von den Wählern abgestraft zu werden. Die neue Regierungspartei will Anleihenbesitzer an den Verlusten der Banken beteiligen.

Nach dem Kollaps der Regierung von Premierminister Cowen droht in Irland ein Machtwechsel: Der Wahltag könnte auch díe Situation der maroden irischen Banken verschlechtern. DAPD

Nach dem Kollaps der Regierung von Premierminister Cowen droht in Irland ein Machtwechsel: Der Wahltag könnte auch díe Situation der maroden irischen Banken verschlechtern.

LONDON. Wenn es um die Namen ihrer Parteien geht, mögen es die Iren gerne pathetisch. Seit den 30er-Jahren dominieren die „Soldaten des Schicksals“, auf gälisch „Fianna Fail“, die Politik der Insel. Doch damit wird es nach der Parlamentswahl Ende Februar vorbei sein. Nach dem Schuldendesaster und dem Kollaps der Regierung von Premierminister Brian Cowen drohen Fianna Fail heftige Verluste.

Falls nicht noch ein Wunder geschieht, werden die „Soldaten des Schicksals“, von der „Familie der Iren“, der Fine-Gael-Partei, abgelöst, die aller Voraussicht nach gemeinsam mit ihrem traditionellen Koalitionspartner, der Labour-Partei, die Regierung stellen wird. Aber nicht nur der politischen Landschaft drohen dramatische Verwerfungen. Der Wahltag könnte auch die Situation der Gläubiger der maroden irischen Banken drastisch verschlechtern.

Die Drohung scheint mehr zu sein als Wahlkampfrhetorik

Führende Fine-Gael-Politiker haben bereits angekündigt, dass sie nicht nur die Zinslast für das 85 Milliarden Euro große Rettungspaket von EU und Internationalem Währungsfonds neu verhandeln werden, sondern dass sie auch die Investoren erstrangiger Bankanleihen in die Pflicht nehmen wollen. Das schließen die Bedingungen des Hilfsprogramms eigentlich aus.

Bisher mussten lediglich die Investoren nachrangiger Bankanleihen leiden. So konnte die Allied Irish Bank durchsetzen, dass die Investoren von zwei nachrangigen Bonds maximal 20 Prozent des Nennwerts der Anleihen zurückbekommen werden. In einem Interview mit der Zeitung „Financial Times“ kündigte der voraussichtliche künftige irische Finanzminister Michael Noonan an, dass eine Regierung unter Führung von Fine Gael auch Verhandlungen mit den erstrangigen Bankgläubigern aufnehmen werde. Dabei gehe es um Bonds, die nicht unter die Bankengarantie des Staates fielen. „Das sind rund 15 Milliarden Euro, für irische Verhältnisse ist das viel Geld“, sagte Noonan. Unterstützung bekommt der Fine-Gael-Finanzexperte vom prominenten Wirtschaftsforscher Nouriel Roubini, der ebenfalls eine Beteiligung der erstrangigen Bankgläubiger an den Verlusten fordert.

Analyst Jörg Birkmeyer von der DZ Bank hält Noonans Drohung für mehr als Wahlkampfrhetorik. Er glaubt allerdings, dass der Politiker mit seiner Ankündigung vor allem die EU unter Druck setzen will. Noonan fordert eine Erleichterung der Zinslast, die Irland für die Hilfe aus dem Euro-Schutzschirm bezahlen muss. Noonan beklagt sich bitter, dass Irland für die Notkredite sechs Prozent Zinsen nach Brüssel überweisen muss, die EU für den ersten Bond, den sie für die Refinanzierung des Rettungspakets ausgegeben hat, aber nur 2,9 Prozent bezahlte. „Wenn uns die EU eine solch teure Last zumutet, läuft sie Gefahr, dass wir sie trotz aller Anstrengungen nicht tragen können“, warnt Noonan. Willem Buiter, Chefvolkswirt der Citigroup bezeichnete die Zinslast für das Rettungspaket als „Schlag ins Gesicht“ für Irland.

Analyst Birkmeyer geht davon aus, dass die EU auf jeden Fall verhindern will, dass die neue Dubliner Regierung auch erstrangige Bankgläubiger belastet. Brüssel fürchte eine Zuspitzung der irischen Schuldenkrise und die mögliche Ansteckung anderer hochverschuldeter Euro-Staaten. Aber falls die EU Irland nicht entgegenkomme, traut Birkmeyer Noonan durchaus zu, dass er seine Drohung wahr macht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×