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11.07.2017

16:37 Uhr

IS-Anführer

Wieder einmal tot

VonMathias Brüggmann

Abu Bakr al-Baghdadi, der Chef der Terrororganisation Islamischer Staat, ist möglicherweise tot. Das wäre ein weiterer Rückschlag für die Dschihadisten-Miliz. Der Haken: Der Terrorboss wurde schon öfter für tot erklärt.

Der Anführer der IS-Terrormiliz Abu Bakr al-Baghdadi. Nach Darstellung der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte ist er getötet worden. dpa

Abu Bakr al-Baghdadi

Der Anführer der IS-Terrormiliz Abu Bakr al-Baghdadi. Nach Darstellung der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte ist er getötet worden.

BerlinDie An-Nuri-Moschee mit dem berühmten schiefen Minarett wurde vor kurzem in Mossul gesprengt, wenige Tage später wurde die Stadt von irakischen Truppen eingenommen. In eben jener Moschee hatte Abu Bakr im Juni 2014 einen großen Auftritt, als er ein Kalifat ausrief, das weite Teile des Iraks und Syriens umfasste. Die Dschihadisten-Miliz Islamischer Staat (IS) erhielt so ein großes, zusammenhängendes und von Abu Bakr al-Baghdadi befehligtes Territorium. Dieser bezeichnete sich selbst seither als „Kalif Ibrahim“ sowie „Amir al-Mu'minin“ (Führer der Gläubigen) und erklärte sich zum Nachfolger des Propheten Mohammed.

Nun ist der IS-Terrorboss tot. Das sagt zumindest die bisher als sehr seriös angesehene Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte unter Berufung auf „bestätigte Informationen“. Von London aus betreibt die Beobachtungsstelle ein großes Netzwerk von Informanten in Syrien. Es hat Hintergründe und Fakten zu vielen Anschlägen, Fassbombenattacken und Chemiewaffeneinsätzen des Regimes des syrischen Diktators Baschar al-Assad geliefert.

Die Terrorgruppe Islamischer Staat

Ziel

Die Organisation Islamischer Staat (IS), früher Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) genannt, gehört zu den radikalsten islamistischen Gruppen im Nahen Osten. Sie kämpft für einen sunnitischen Gottesstaat im arabischen Raum.

Ursprung

Der IS ging aus dem irakischen Widerstand der 2003 gegründeten Gruppe „Tawhid und Dschihad“ hervor, die sich gegen die US-Invasion im Irak wandte. Erster Anführer war der für seine Grausamkeit berüchtigte Jordanier Abu Mussab al-Sarkawi. Seit 2013 leitet der Iraker Abu Bakr al-Baghdadi den IS.

Aktivitäten

Die Gruppe griff Im Irak nicht nur US-Soldaten an, sondern verübte auch Selbstmordanschläge auf Schiiten und Christen im Land. Al-Sarkawi wurde 2006 von der US-Armee getötet. Seither führen Iraker die Organisation. Deren zweiter früherer Name „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ verdeutlicht den Anspruch, einen sunnitischen Großstaat zwischen Mittelmeer und Euphrat zu errichten.

Entwicklung

An Macht gewann der IS, als sie sich im Frühjahr 2013 in den syrischen Bürgerkrieg einmischte. Dort überwarf sie sich mit der aus syrischen Salafisten bestehenden Al-Nusra-Front, obwohl beide Gruppen damals dem Terrornetzwerk al-Qaida nahestanden.

Standorte

Vor allem im Nordosten Syriens greift der IS syrisch-kurdische Städte an und massakriert die Zivilbevölkerung. Im Irak profitiert die Miliz vom Streit der von Schiiten dominierten irakischen Regierung mit den sunnitischen Parteien des Landes. Am 29. Juni rief der IS das Kalifat in den von im kontrollierten Gebieten aus – mit al-Baghdadi als Kalif.

Finanzierung

Der IS finanzierte sich anfangs vor allem durch Spenden aus den Golfstaaten Katar und Saudi-Arabien, aber auch durch Wegzölle entlang der Grenzen zwischen Irak und Syrien. Mit den Landgewinnen nahmen die Gewinne aus illegalen Ölverkäufen der kontrollierten Felder zu.

Söldner

In den Reihen der Gruppe kämpfen internationale Brigaden, darunter Muslime aus Nordafrika und den arabischen Golfstaaten sowie Konvertiten aus Europa und Nordamerika.

Die jüngste Meldung hat jedoch einen Schönheitsfehler: Bereits Ende Mai will Russland den IS-Anführer per Luftschlag ausgelöscht haben. Der Angriff fand laut russischem Außenministerium in der Nacht auf den 28. Mai statt. Al-Baghdadi habe an jenem Abend andere Anführer des IS im syrischen Rakka getroffen. Sie sollen den Angaben zufolge Routen geplant haben, um die umkämpfte Stadt, in der der IS sein Hauptquartier in Syrien hat, zu verlassen.

Das russische Militär habe von dem Treffen Wind bekommen und Drohnen gestartet zur Beobachtung des Gebiets. Dann sei der Angriff mit Kampfjets geflogen worden. Neben Al-Baghdadi sollen demnach insgesamt 30 Mitglieder der mittleren Führungsebene des IS getötet worden sein. Zusätzlich seien etwa 300 IS-Kämpfer gestorben.

Doch auch an der jetzigen Todesmeldung gibt es bereits Zweifel: Ein Sprecher des US-Zentralkommandos in Tampa in Florida bestätigte den Bericht der Beobachtungsstelle vorerst nicht. „Wir haben keine operativen Berichte, die das bestätigen“, erklärte er. Er verwies zudem darauf, dass ein Foto, auf das sich die Meldungen stützten, fünf Jahre alt sei.

Im Internet kochen indes die Diskussionen hoch: Während viele den mutmaßlichen Tod des Terror-Bosses feiern, bezeichnen ihn einige gar als „unschuldig“. Oder sie zweifeln den Tod Al-Baghdadis an – wie Blogger Najam Sahibzada, der twitterte: „Sein Name sollte im Guinness-Buch der Weltrekorde stehen, weil er seit drei Jahren in jeder zweiten Woche stirbt.“

Ende des Terrorstaats

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Die jüngsten Berichte über den Tod Bagdadis fallen zusammen mit schweren Niederlagen des IS. Am Montag erklärte der irakische Ministerpräsident Haider al-Abadi den Sieg über die Miliz in Mossul. Allerdings lagen auch am Dienstag noch Meldungen über anhaltende Gefechte in und um der Metropole vor. So eroberten schwer bewaffnete IS-Kämpfer nach Armeeangaben südlich von Mossul den Großteil eines Dorfes. Auch die Gefechte um Rakka, der Hauptstadt des IS in Syrien, hielten an. Das Rebellenbündnis SDF, dem Kurden und Araber angehören, war im Juni mit US-Unterstützung in die Metropole vorgedrungen.

Kommentare (6)

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Herr Günther Heck

11.07.2017, 17:06 Uhr

Dann sollte man sich auf das Echo -auch hier in Deutschland- ggf. einstellen.

Herr Günther Heck

11.07.2017, 17:07 Uhr

Traurig aber es gehört zur Wahrheit. Jetzt und auch in Zukunft.

Und dafür zahlen wir Steuern.

Es ist nicht zu fassen.

Herr Toni Ebert

11.07.2017, 17:36 Uhr

Irgendwie merkt man, dass gerade im Nahen Osten alles besser wird, seitdem der Russe dort für Ordnung sorgt. Evtl. sollte wir die Russen hier auch einsetzten, wenn ein Roter Baron mal wieder so versagt, wie gerade der Chaos-Ob, Mr. Scolz vom Förderverein der Roten Flora.

Wenn aber der Krieg um den IS nan langsam beendet wird, darf man wohl davon ausgehen, dass entweder sich IRAN / Saudi-Arabien, oder die Türkei etwas mehr mit ihrem Untergang befassen darf.

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