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30.04.2016

15:00 Uhr

IS bekennt sich

Mindestens 24 Tote bei Anschlag nahe Bagdad

Wieder wird im Irak eine Autobombe gezündet. Die blutige Auseinandersetzung zwischen Sunniten und Schiiten fordert neue Opfer.

Irakische Polizisten überwachen am vergangen Mittwoch eine schiitische Demonstration auf dem Tahrir-Platz. Nahe der irakischen Hauptstadt wurde am Samstag eine Autobombe gezündet. dpa

Schiiten in Bagdad

Irakische Polizisten überwachen am vergangen Mittwoch eine schiitische Demonstration auf dem Tahrir-Platz. Nahe der irakischen Hauptstadt wurde am Samstag eine Autobombe gezündet.

BagdadBei einem Anschlag mit einer Autobombe nahe der irakischen Hauptstadt Bagdad sind mindestens 24 Menschen getötet wurden. Mindestens 33 Menschen wurden bei der Explosion in dem östlich von Bagdad gelegenen Ort Nahrawan verletzt, darunter drei Sicherheitskräfte, wie es am Samstag aus Sicherheitskreisen hieß.

Die sunnitische Terrormiliz Islamischer Staat (IS) übernahm in einer Interneterklärung die Verantwortung für das Attentat und erklärte, der Anschlag habe schiitischen „Ungläubigen“ gegolten. Das Bekenntnis ließ sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. Die irakische Nachrichtenseite Al-Mada berichtete, der Attentäter habe versucht, in eine Gruppe schiitischer Pilger zu fahren.

Die Spaltung der Schiiten und Sunniten

Frühe Spaltung

Nach dem Tod des Propheten Mohammed im Jahr 632 traten die Sunniten dafür ein, dass dessen Nachfolger als Anführer der Muslime durch die Gemeinschaft der Gläubigen gewählt wird. Die Schiiten dagegen beharrten darauf, dass nur Mohammeds Nachfahren zur Führung der Muslime berechtigt seien. Der Konflikt führte im Jahr 680 zur Schlacht bei Kerbela, in welcher der sunnitische Kalif Jasid den Propheten-Enkel Hussein und dessen Anhänger töten ließ. Seitdem gehört das Gefühl der Verfolgung zur Identität der Schiiten, die Verehrung der Märtyrer und ihrer Grabmäler ist ein fester Bestandteil ihrer Religion.

Religiöse Unterschiede

Viele Bräuche wie das fünfmalige Beten pro Tag und die Pilgerreise nach Mekka einmal im Leben werden von Sunniten und Schiiten befolgt. Für Schiiten gibt es allerdings noch mehrere weitere Wallfahrtsorte und zudem andere Feiertage, die der Verehrung von Nachfahren des Propheten gewidmet sind. Unterschiede gibt es auch bei Rechtsvorstellungen und der Rolle des Klerus, der bei den Schiiten eine strengere Hierarchie aufweist. Radikale Sunniten wie die Anhänger der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat betrachten die Schiiten als Ketzer und wollen deren Heiligtümer zerstören.

Zahlenmäßige Diskrepanz

Einer Studie des US-Instituts Pew aus dem vergangenen Jahr zufolge gibt es weltweit knapp 1,6 Milliarden Muslime, von denen etwa 90 Prozent den Sunniten und die übrigen zehn Prozent diversen schiitischen Strömungen zugerechnet werden. Im Nahen Osten und in der Golfregion driftet das Verhältnis jedoch weniger stark auseinander – im Iran, im Irak und in Bahrain stellen Schiiten die Mehrheit. Als sunnitisches Machtzentrum gilt Saudi-Arabien, wo sich die Pilgerorte Mekka und Medina befinden. Als oberste religiöse Instanz der Sunniten wird die Al-Ashar-Universität in Ägypten angesehen.

Die IS-Terrormiliz hatte sich in der Vergangenheit mehrfach zu Anschlägen gegen Schiiten in Bagdad und anderen irakischen Städten bekannt. Die Extremisten beherrschen auch nach Rückschlägen in den vergangenen Monaten große Teile im Norden und Westen des Landes.

Von

dpa

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