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10.08.2015

12:07 Uhr

IS-Drohung

Die Queen im Fadenkreuz

VonCarsten Herz

Elizabeth II. verkörpert wie keine andere Führungspersönlichkeit auf der Insel das unverwüstliche, weltoffene Großbritannien. Doch die jüngste Warnung britischer Dschihadisten dürfte auch die Queen nicht kalt lassen.

Detailliert berichtet die „Daily Mail“ über den angeblichen Anschlagsplan auf die Monarchin. Reuters

Queen Elizabeth II.

Detailliert berichtet die „Daily Mail“ über den angeblichen Anschlagsplan auf die Monarchin.

LondonElizabeth Alexandra Mary Windsor hat schon so einiges erlebt. Die 89-Jährige, besser bekannt als Elizabeth II., verkörpert wie keine andere Führungspersönlichkeit auf der Insel das unverwüstliche, weltoffene Großbritannien. Dennoch dürfte die jüngste Warnung die seit Februar 1952 als Staatsoberhaupt an der Spitze Großbritanniens stehende Queen nicht völlig unbeeindruckt lassen.

So sorgt die britische Zeitung „Daily Mail“ mit einem Bericht für Wirbel, wonach IS-Terroristen einen Anschlag auf die Queen planen. Demnach wollen britische Dschihadisten die Königin am kommenden Wochenende im Zuge der Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag der Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg mit einer selbst gebauten Bombe töten. Ein Horrorszenario, auf das die Polizei allerdings betont gelassen reagiert. „Es ist immer hilfreich, wenn Journalisten ihre Informationen über mögliche terroristische oder kriminelle Aktivitäten mit uns teilen“, sagte ein Polizeisprecher.

Fakten über die Queen

Auto fahren

Autofahren lernte sie 1945 beim Dienst in den Streitkräften.

E-Mail

Ihre erste E-Mail verschickte die Queen 1976 von einem Militärstützpunkt.

Kinder

Sie hat vier Kinder und acht Enkelkinder.

Apollo 11

Ihre Grüße an die Astronauten der Apollo-11-Mission wurden 1969 auf Mikrofilm gebannt und in einem Metall-Container auf dem Mond hinterlassen.

Goldene Schallplatte

Die Queen besitzt eine Goldene Schallplatte. Die CD „Party At The Palace“ (2002) mit Lieblingsstücken der Königin verkaufte sich in der ersten Woche mehr als 100.000 Mal.

Geburtstag

Die Queen feiert jährlich zwei Mal Geburtstag. Die erste Feier ist an ihrem tatsächlichen Geburtstag am 21. April, die zweite, offizielle Feier an einem Samstag im Juni - weil dann das Wetter schöner ist.

Die Queen im Fadenkreuz? Detailliert berichtet die „Daily Mail“ über den angeblichen Anschlagsplan. Unter Berufung auf nicht näher genannte Quellen und Geheimdienstberichte schreibt die Zeitung von einer „speziellen Bedrohung“, die von Anführern des Islamischen Staates in Syrien gesteuert werde. Polizei und Geheimdienst befänden sich derzeit in einem „Rennen gegen die Zeit“, um diese Pläne zu vereiteln. Die Sicherheitsvorkehrungen für die Veranstaltungen am nächsten Wochenende würden nun „eilig überprüft“.

Buckingham Palace und Scotland Yard wollten dazu nicht näher Stellung nehmen. „Die Polizei und ihre Partner bleiben wachsam gegenüber jeglichen terroristischen Bedrohungen aus dem In- oder Ausland gegen das Vereinigte Königreich“, erklärte ein Polizeisprecher lediglich.

Die Briten und Europa

Großbritannien wahrt Distanz

Die Beziehung zwischen Großbritannien und der Europäischen Union ist keine einfache. Premierminister David Cameron verstärkt das auch in seiner Rede zur Europapolitik. Schon bevor Cameron zuletzt wiederholt drohte, politische Befugnisse aus Brüssel zurück nach London zu holen, setzte die britische Regierung wiederholt Sonderregeln für die Insel durch – und steht somit immer wieder mit einem Fuß außerhalb der EU.

Der Briten-Rabatt

Da Großbritannien zwar viel in den EU-Haushalt einzahlte, aber kaum von den milliardenschweren Agrarhilfen profitierte, forderte die damalige britische Premierministerin Margaret Thatcher 1984: „I want my money back!“ - „Ich will mein Geld zurück.“

Die „Eiserne Lady“ setzte eine Rabatt-Regelung für ihr Land durch, nach der Großbritannien 66 Prozent seines Nettobeitrags an die EU zurückerhält. Der Rabatt besteht bis heute, obwohl er immer wieder den Unmut anderer EU-Länder erregt, da sie nun den britischen Anteil mittragen müssen. Doch abgeschafft werden kann die Regel nur, wenn auch London zustimmt.

Reisefreiheit

Wer von Deutschland nach Frankreich, Österreich oder in die Niederlande reist, muss dafür seinen Pass nicht vorzeigen. Großbritannien-Urlauber sollten den Ausweis jedoch dabei haben: Die Briten haben sich nicht dem Schengen-Abkommen angeschlossen, das den EU-Bürgern Reisefreiheit von Italien bis Norwegen und von Portugal bis Polen garantiert.

Fiskalpakt

In der Eurokrise ist die an ihrer Pfund-Währung festhaltende britische Insel ein gutes Stück weiter von der Kern-EU weggedriftet. Mit Sorge wurden in London die mühseligen Arbeiten an der Euro-Rettung beobachtet, zudem fürchtete die britische Regierung Folgen für den Finanzstandort London durch strengere Banken-Regulierung oder eine Finanztransaktionssteuer.

Doch wirklich für Empörung in der EU sorgte, dass sich Großbritannien vor rund einem Jahr dem Fiskalpakt für mehr Haushaltsdisziplin nicht anschloss.

Innen- und Justizzusammenarbeit

Seit der EU-Vertrag von Lissabon im Jahr 2009 in Kraft getreten ist, kann Großbritannien wählen, an welchen Gesetzen im Bereich Inneres und Justiz es sich beteiligt. Kürzlich hat die britische Regierung angekündigt, sich auch aus der gesamten Gesetzgebung des Politikfelds zu verabschieden, die bereits vor dem Lissabonvertrag verabschiedet wurde. Das betrifft rund 130 Gesetze.

Das Recht auf einen solchen „Opt Out“ genannten Ausstieg hatte sich London durch eine Sonderregelung gesichert. Im Anschluss will London für als wichtig und interessant erachtete Regelungen eine Beteiligung erneut verhandeln.

So diffus die Quellenlage, so ausführlich sind die Informationen des Boulevardblattes. So werden auf einer Doppelseite gleich mehrere mögliche Anschlagorte entlang der Umzugsroute von Buckingham Palace bis Westminster Abbey genannt. Am Samstag wird in der britischen Hauptstadt der so genannte VJ Day gefeiert, was „Victory in Japan“, also „Sieg in Japan“ heißt. Mit der Zeremonie soll dem Ende des Zweiten Weltkriegs gedacht werden. Doch nun legt sich ein langer Schatten über die Feierstunde.

Der Angriff solle „möglichst spektakulär“ werden, heißt es. Sofern erfolgreich, seien Hunderte Todesopfer zu befürchten. Dezidiert erwähnt wird in dem Bericht Prince Charles, der ebenfalls ein „mögliches Ziel“ sei. Der Umzug, an dem auch Premier David Cameron sowie rund 1000 Veteranen und deren Familien teilnehmen, wird von der BBC am Samstag live übertragen.

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