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21.08.2014

15:17 Uhr

IS-Extremisten töten James Foley

Geld oder Leben

VonMaike Freund

Die Terror-Miliz IS hatte Lösegeld für James Foley gefordert. Gezahlt wurde nicht – der Amerikaner starb. Die USA lassen sich nicht erpressen. Europäer verhalten sich anders. Was tun, wenn eigene Bürger entführt werden?

Die Kämpfer der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) verbreiten im Irak Furcht und Schrecken - ihre Sympathisanten könnten in Deutschland Anschläge verüben.

Die Kämpfer der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) verbreiten im Irak Furcht und Schrecken - ihre Sympathisanten könnten in Deutschland Anschläge verüben.

DüsseldorfVielleicht wäre alles anders gelaufen. Vielleicht wäre James Foley noch am Leben – wäre er kein Amerikaner gewesen. Am Mittwoch wurde ein Video veröffentlicht, wie der US-Journalist von IS-Terroristen grausam ermordet wurde. Geköpft, mit einem Messer. Seit 2012 galt Foley als vermisst, sein letzter bekannter Aufenthalt: Syrien. Dann verschwand er. Bis er in dem Mordvideo ein letztes Mal zu sehen ist. In den Händen der IS-Terroristen. Seine Eltern sollen eine Woche vorher informiert worden sein, dass ihr Sohn ermordet werde.

100 Millionen Euro hatte die Terroristengruppe Islamischer Staat (IS) als Lösegeld von den USA für Foley und weitere Geiseln gefordert, berichtet die „New York Times“. Erst von Foleys Eltern, dann von der Regierung. Doch darauf war Washington nicht eingegangen und hatte die Zahlung abgelehnt – so wie immer in solchen Situationen. Dahinter steht der Gedanke: Lösegeldzahlungen machen erpressbar. Und so gilt das unumstößliches Prinzip der USA: Kein Geld für Leben.

Gewaltsame Befreiung von Geiseln

Algerien, Januar 2013

Mit der Erstürmung des Gasfelds In Amenas beendet die algerische Armee eine Terroraktion islamistischer Terroristen. Mindestens 80 Menschen sterben während der Geiselnahme und der Befreiung. Rund 700 algerische Beschäftigte und mehr als 100 ausländische Mitarbeiter können sich während des mehrtägigen Dramas selbst retten oder werden befreit.

Somalia, Januar 2013

Bei der versuchten Befreiung eines seit 2009 von der Islamistenmiliz Al-Shabaab festgehaltenen französischen Geheimagenten sterben die Geisel und mindestens ein französischer Soldat. Bei dem Militäreinsatz nahe Mogadischu werden nach Angaben von Anwohnern auch fünf Zivilisten und mehrere Islamisten getötet.

Nigeria, März 2012

Bei einer missglückten Befreiungsaktion kommen eine britische und eine italienische Geisel ums Leben. Die Männer hatten für eine italienische Baufirma gearbeitet und waren seit zehn Monaten in der Gewalt nigerianischer Terroristen.

Irak, März 2011:

Extremisten überfallen das Provinzparlament in der Stadt Tikrit und nehmen dort tagende Abgeordnete als Geiseln. Irakische Sicherheitskräfte stürmen wenige Stunden später das Gebäude, um sie zu befreien. Insgesamt sterben 65 Menschen.

IRAK, Oktober 2010

Mitglieder des irakischen Al-Kaida-Ablegers besetzen eine katholische Kirche und verschanzen sich dort mit zahlreichen Geiseln. Als die irakische Polizei die Kirche stürmt, kommen mindestens 50 Geiseln und fünf Geiselnehmer ums Leben.

Kolumbien, Juli 2008

Die frühere kolumbianische Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt, drei US-Amerikaner und weitere Geiseln werden aus der Gewalt von Farc-Rebellen befreit. Soldaten hatten sich als Vertreter einer regierungsunabhängigen Organisation ausgegeben und waren in einem Hubschrauber zu einem vermeintlichen Treffen mit einer internationalen Kommission geflogen. In der Luft wurden mitfliegende Rebellen überwältigt und die Geiseln waren frei.

Afghanistan, August 2007

Eine in Kabul entführte deutsche Mitarbeiterin der Hilfsorganisation ora international wird von afghanischen Sicherheitskräften befreit.

Russland, September 2008

Mehr als 30 Bewaffnete überfallen eine Schule in Beslan in der russischen Kaukasusregion Nordossetien und nehmen über 1100 Kinder, Eltern und Lehrer 52 Stunden lang als Geiseln. Bei Erstürmung der durch russische Sicherheitskräfte werden 331 Menschen getötet. Unter den 318 getöteten Geiseln sind 186 Kinder.

Russland, Oktober 2002:

41 tschetschenische Terroristen überfallen ein Moskauer Musicaltheater und nehmen mehr als 800 Geiseln. Nach drei Tagen stürmt die Polizei das Gebäude. 129 Geiseln und alle Terroristen sterben, die meisten durch von Sicherheitskräften eingesetztes Gas.

Das hat auch seinen Grund. Denn Terrornetzwerke finanzieren sich zunehmend durch die Lösegeldzahlungen. Daran ist vor allem Europa Schuld, denn dort ist man nicht so strikt bei Lösegeldforderungen. Laut „New York Times“ finanziert sich das Terrornetzwerk Al-Kaida mittlerweile vor allem durch die Erpressung von Lösegeld für entführte Europäer. Seit dem Jahr 2008 habe die Organisation mindestens 125 Millionen Dollar (93 Millionen Euro) Lösegeld erpresst, das meiste von europäischen Staaten, heißt es in dem Bericht. Allein im vergangenen Jahr seien 66 Millionen Dollar gezahlt worden. Deshalb warnen Experten, es sein ein Fehler, so den Terrorismus zu finanzieren.

„Sicherheitspolitisch sind Lösegeldzahlungen an Terroristen ein großes Problem“, sagt Daniel Müller, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Hessischen Stiftung Friedens und Konfliktforschung (HSFK). Doch vor allem sei es ein moralisches Dilemma: „Soll man den Tod von Menschen jetzt in Kauf nehmen, um dafür als Land in Zukunft weniger angreifbar zu sein und um zu vermeiden, dass die eigenen Bürger zu vermeintlich lohnenden Entführungsopfern werden?“, fragt er. „Oder soll man heute Leben retten, dafür den Terror aber finanziell unterstützen und die eigenen Staatsbürger zu potentiellen Zielscheiben weiterer Entführungen machen?“ Beides sei eine furchtbare Abwägung.

Kommentare (10)

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Herr Renatus Isenberg

21.08.2014, 16:07 Uhr

Was versprechen sich die europäischen Mörder im IS? Solange sie für Kommunikation und Sprache fähig sind, sollen sie sicher nicht als Selbstmörder verheizt werden.
Was wollen die Europäer in Afrika in einem mit Arabern dominierten Gebilde, in dem sie eines Tages bei der kleinsten Anfeindung eines Konkurrenten gnadenlos erschossen werden? Ein grosser Teil der europäischen Islamisten ist sicher eine Anzahl dummer Leute, die nicht von A nch B denken können und persönliche emotionale Probleme haben. Sie brauchen eine ganz starke Hand wie eben die Hassprediger , die ungestört in GB und Deutschland ihrem kriminellen Tun nachgehen können, weil die Gesetze fehlen, sie zu stoppen und auszuweisen.

Immer wieder hübsch zu sehen, wie blöd Leute an der Spitze unserer Regierung sind, die es vorziehen kindische Sanktionsspiele zu machen und sich um die brennenden Probleme in unserer Realität drücken oder sie gar nicht erst wahr nehmen, Frau Merkel und Herr Gabriel.

Herr Mike Maier

21.08.2014, 16:52 Uhr

Diese Art der muslimischen Bereicherung wird auch bald Deutschland erreichen und mit "Einzelfall" verteidigt.

Herr Horst Hamacher

21.08.2014, 17:08 Uhr

Schlimmer! Diese Art der "Bereicherung" wird bereits heute von unserer Jurisdekadenz mit Verbotsirrtum geahndet - und entsprechende, lächerliche Bewährungsstrafen weisen darauf hin, dass unsere Exekutive völlig entartet ist!

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