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23.09.2016

09:29 Uhr

IS-Hochburg Mossul im Irak

Warten auf die große Schlacht

Syrien und Russland haben das Bombardement auf Aleppo fortgesetzt. Doch die Schlacht um die irakische IS-Hochburg Mossul steht noch bevor. Uno-Experten rechnen mit mehr als einer Million weiterer Flüchtlinge.

Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR bereitet den Bau von acht weiteren Camps zusätzlich zu den bisher 16 Lagern im Nordirak vor. dpa

Flüchtlingscamp nahe Erbil

Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR bereitet den Bau von acht weiteren Camps zusätzlich zu den bisher 16 Lagern im Nordirak vor.

ErbilSchamsa Antar Asis ist 28, sieht aber viel älter aus. Im gelben Kleid und mit blauen Badelatschen an den nackten Füßen steht die Syrerin vor ihrem Zelt im Flüchtlingslager Kawergosk bei Erbil. Ein Klimagerät pumpt Kälte ins dämmrige Innere, wo es süßlich nach Wasserpfeife riecht und ihr neun Monate alter Sohn neben dem ausgeschalteten Fernseher in der Krippe schlummert.

Seit fünf Jahren ist Schamsa mit ihrem Ehemann und inzwischen drei Kindern auf der Flucht. Hoffnung auf eine Rückkehr in die Heimat oder eine bessere Zukunft anderswo hat sie nicht mehr: „Wir haben kein Geld, um in die Türkei zu gehen. Sonst würden wir das machen“, klagt sie.

Der Nordirak wappnet sich unterdessen für eine neue Flüchtlingswelle: Bis zu 1,2 Millionen Menschen könnten sich nach Einschätzung der UN zur Flucht gezwungen sehen, sobald die lange erwartete Offensive zur Rückeroberung der Großstadt Mossul aus den Händen des IS beginnt.

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Mossul ist die letzte irakische Großstadt, die sich noch in den Händen des IS befindet. Nun bereitet die Armee eine Offensive zur Befreiung vor. Angesichts der zu erwartenden Schlacht droht eine neue Flüchtlingswelle.

Das Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR bereitet deshalb den Bau von acht weiteren Camps zusätzlich zu den bisher 16 Lagern im Nordirak vor. „Man geht davon aus, dass die Mehrheit der Menschen aus Mossul, vielleicht 600.000, nach Bagdad ziehen würde“, sagt Florian Gottschalk vom Technischen Hilfswerk (THW).

Im Nordirak werde mit weiteren 200.000 bis 400.000 Flüchtlingen gerechnet. Die Neuankömmlinge aus Mossul würden sich zu den mehr als 1,6 Millionen Flüchtlingen gesellen, die schon heute in der Kurden-Region mit ihren nur rund fünf Millionen Einwohnern Schutz gefunden haben. Der Großteil der Vertriebenen stammt aus dem Irak selbst, es sind aber auch rund 230.000 Syrer unter den Flüchtlingen.

Die Rückeroberung Mossuls wäre ein wichtiger Meilenstein im Kampf gegen den IS – und für die Extremisten eine Niederlage mit hohem Symbolwert. Denn die etwa 80 Kilometer von Erbil entfernte Metropole mit ihren einst knapp zwei Millionen Einwohnern ist die Quasi-Hauptstadt der Miliz. Von hier aus rief IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi 2014 das sogenannte Kalifat aus, das die von den Extremisten eroberten Gebiete in Syrien und dem Irak umfasst.

Seit dem Sommer 2015 gerät der IS im Irak jedoch immer stärker in die Defensive. Er verlor wichtige Städte wie Tikrit und Ramadi im Süden des Landes an die irakischen Truppen, die bei ihrem Vormarsch von Schiiten-Milizen mit Verbindungen zum Iran und US-Luftangriffen unterstützt werden.

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