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14.08.2015

02:48 Uhr

IS im Nordirak

USA prüfen möglichen Giftgaseinsatz gegen Kurden

Immer wieder gab es in den vergangenen Wochen Berichte über den Einsatz von Chemiewaffen im Nordirak. Nun halten es auch die USA für möglich, dass die Terrormiliz Islamischer Staat dort Kurden mit Senfgas angriff.

Ein kurdischer Peschmerga-Kämpfer im Irak hält Wache auf einem Berg. Bei Kämpfen in dem Gebiet soll die Terrormiliz IS Chemiewaffen eingesetzt haben. AFP

Nordirak

Ein kurdischer Peschmerga-Kämpfer im Irak hält Wache auf einem Berg. Bei Kämpfen in dem Gebiet soll die Terrormiliz IS Chemiewaffen eingesetzt haben.

EdgartownDie USA gehen Berichten nach, wonach die Terrormiliz Islamischer Staat Senfgas gegen kurdische Truppen eingesetzt haben soll. "Auf Grundlage der Informationen, die wir bereits haben, halten wir das für plausibel", sagte ein US-Vertreter am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP und bestätigte damit einen Bericht der US-Zeitung "Wall Street Journal".

Man nehme die Vorwürfe „sehr ernst“, brauche aber weitere Informationen, sagte ein Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats, Alistair Baskey. Jeder Einsatz chemischer oder biologischer Waffen verstoße gegen internationale Standards und Normen.

Das "WSJ" hatte berichtet, die US-Regierung gehe von einem Senfgas-Einsatz durch den IS bei einem Angriff gegen kurdische Truppen im Irak in dieser Woche aus. Die Chemikalie stammte demnach womöglich aus den auf internationalen Druck aussortierten Beständen der syrischen Regierung oder aus dem Irak. Zum genauen Zeitpunkt des mutmaßlichen Angriffs schrieb die Zeitung nichts.

In den vergangenen Tagen hatten kurdische Peschmerga-Kämpfer dem IS vorgeworfen, bei einer Attacke im Nordirak auf Chemiewaffen zurückgegriffen zu haben. Ähnliche Berichte gab es schon im März.

Peschmerga Kämpfer

Wer die Peschmerga-Kämpfer sind

Die Peschmerga-Milizen sind der bewaffnete Arm der Kurden, hervorgegangen aus bewaffneten Einheiten der Kurdenparteien. Im Nordirak genießen die Kurden seit dem Sturz Saddam Husseins in ihrer Autonomieregion weitestgehend Unabhängigkeit - und die Peschmerga wachsen mehr und mehr zu einer klassischen Armee zusammen.

Quelle: dpa.

So viele Peschmerga gibt es

Insgesamt gibt es rund 130.000 Kämpfer. 100.000 bilden den militärischen Arm, die weiteren 30.000 sind eine dem Innenministerium unterstellte Polizeitruppe. Der militärische Teil befindet sich derzeit in einem Umbau: Erst ein Drittel wurde bisher vom Peschmerga-Ministerium in Brigaden organisiert. Der Rest unterteilt sich nach wie vor in von Parteien kontrollierte Guerilla-Einheiten.

Die Rolle im Kampf gegen IS

Nach dem Vorrücken der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) im Nordirak wurden die Peschmerga-Milizen zur wichtigsten Kraft im Widerstand gegen die Extremisten. Als irakische Truppen Anfang Juni große Teile des Nordirak kampflos aufgaben, stellten sich die Peschmerga den IS-Kämpfern entgegen.

Unterstützung aus aller Welt

Mittlerweile unterstützen viele Staaten die Peschmerga mit Waffenlieferungen im Kampf gegen die IS-Extremisten. Auch Deutschland liefert Waffen aus Bundeswehrbeständen.

Kurdische Kämpfer im Irak sagten AFP, der Angriff sei am Dienstag erfolgt. Nach Angaben eines hochrangigen Peschmerga-Vertreters im Irak gingen mit Chlorgas bestückte Katjuscha-Raketen auf die kurdischen Kämpfer nieder. Der Angriff habe sich in der Region Machmur rund 50 Kilometer südwestlich der Kurdenmetropole Erbil ereignet.

Sollten sich die Anschuldigungen bestätigen, wäre es unklar, woher der IS Chemiewaffen haben könnte. Nach einer Giftgasattacke in Syrien 2013 hatten diplomatische Bemühungen der USA und Russland zur Beseitigung oder Zerstörung der Chemiewaffenarsenale der Regierung von Präsident Baschar al-Assad geführt. Vor mehr als einem Jahr hatte allerdings der Irak gemeldet, bei der Plünderung einer früheren Chemiewaffenanlage könnte IS mit Senfgas bestückte Granaten erbeutet haben.

Auch das Bundesverteidigungsministerium meldet den Vorfall

Das Bundesverteidigungsministerium erklärte am Donnerstag, von der Bundeswehr ausgebildete Kurden-Kämpfer im Nordirak seien offenbar zum Ziel eines Chemiewaffenangriffs geworden. Deutsche Soldaten in der Region seien aber "nicht betroffen und nicht gefährdet".

Bundestag stimmt zu: Deutschland entsendet Soldaten in den Nordirak

Bundestag stimmt zu

Deutschland entsendet Soldaten in den Nordirak

Der Bundestag hat am Donnerstag dem Einsatz von bis zu 100 deutschen Soldaten im Nordirak zugestimmt. Die Soldaten sollen kurdische Kämpfer im Umgang mit Waffen und militärischer Taktik ausbilden.

Später stellte das Verteidigungsministerium klar, dass die Bundeswehr am Ort des Geschehens "keine eigenen Quellen" habe. Die Informationen stammten nicht aus eigener Anschauung.

Deutschland unterstützt seit September vergangenen Jahres den Kampf der kurdischen Peschmerga gegen den IS mit Waffen und Schulungen. Derzeit sind 89 Bundeswehrangehörige für die Ausbildungsmission im Nordirak. Konkrete Konsequenzen für den Fortgang des Bundeswehreinsatzes werde der mutmaßliche Chemiewaffenangriff nicht haben, hieß es aus dem Bundesverteidigungsministerium.

Kommentare (2)

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Herr Peter Wolf

14.08.2015, 07:59 Uhr

Da hat die IS ja nichts zu befürchten. Bei der Qualität der Testergebnisse u.a. gegen Saddam Hussein, ist vom Einsatz kosmischer Strahlen bis zur Anwendung dressierter TseTse-Fliegen alles drin. Good luck!

Herr F. Gessw.

14.08.2015, 08:13 Uhr

Nur ein Zyniker würde darauf hinweisen, dass die irakischen Giftgas-Bestände, aus denen sich der IS jetzt bedient, von deutschen Firmen aufgefüllt wurden (die eigentlich nur Zahnpasta für Dieter Baumann herstellen wollten).

Ein Wirtschaftsminister, unter dem schon im ersten Halbjahr 2015 fast die Rüstungsexporte des kompletten Jahres 2014 übertroffen wurden, wittert jetzt vielleicht die Chance auf neue Geschäfte = mehr Arbeitsplätze = mehr Wohlstand für Deutschland. Und nur darauf kommt es schließlich an! Endlich benutzt mal jemand die guten deutschen Waffen.

Und wer wüsste besser als Sigmar Gabriel, dass erst das Fressen kommt und dann.... äh... Nachtisch? Was kam da nochmal?

Als Ziele bieten wir übrigens auch gerne unsere eigenen Soldaten an, die wir in diese Regionen schicken, damit zumindest die Rohstofflieferungen halbwegs weiter laufen. Sagte ich Rohstoffe? Ich meinte westliche Werte. Wo war nochmal der Unterschied?

Zu erwartende Kommentare:
*Tötet den Gutmensch!*
*Du hasst Deutschland, dann geh doch woanders hin!*
*Du lügst, in der Bild stand was mit großten Ti*****!"

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit

PS: Hat noch jemand bei der Überschrift "USA prüfen möglichen Giftgaseinsatz gegen Kurden" kurz gestutzt ;-)?

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