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14.06.2016

20:36 Uhr

IS in Syrien und im Irak

Brutale Hetzjagd auf Homosexuelle

Der Attentäter von Orlando hatte es gezielt auf Homosexuelle abgesehen – und berief sich auf den IS. In dessen Machtbereich in Syrien und im Irak werden Homosexuelle gejagt und getötet. Ein Augenzeugenbericht.

Die Extremistenmiliz geht brutal gegen Homosexuelle vor. Imago

IS-Kämpfer in Rakka

Die Extremistenmiliz geht brutal gegen Homosexuelle vor.

ReyhanliEin Radiosender der Terrormiliz Islamischer Staat hat am Montag den Massenmörder von Orlando als „einen der Soldaten des Kalifats in Amerika“ bezeichnet. In ihrem Machtbereich geht sie grausam gegen Homosexuelle vor und hat für sie eine besondere Hinrichtungsart ersonnen: Sie werden von Hochhäusern in den Tod gestürzt.

Der kurze Prozess fand im Juli 2015 in Palmyra auf der Straße statt: Der vermummte Richter verlas das Todesurteil gegen zwei der Homosexualität überführte Männer; sie sollten vom Dach des nahe gelegenen Hotels Wael geworfen werden. Er fragte einen der Verurteilten, ob er das Urteil für angemessen halte. Der Tod, sagte der Richter, werde ihn von seiner Sünde reinigen.

„Ich würde es vorziehen, wenn Sie mir in den Kopf schießen“, antwortete der 32-jährige Hawas Mallah. Der zweite Verurteilte, der 21-jährige Mohammed Salameh, flehte um Gnade; er werde nie wieder Sex mit einem Mann haben. Die Szenen wurden der Nachrichtenagentur AP Ende 2015 von einem Augenzeugen geschildert und werden nun unter dem Eindruck des Massakers von Orlando und der IS-Mitteilung dazu noch einmal wiedergegeben.

Die vielen Namen der Extremistenmiliz IS

Isil

Die Abkürzung steht für „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ und ist vor allem im Englischen noch häufig zu hören. Sie kommt der Übersetzung des arabischen Namens recht nahe. Dort ist vom Islamischen Staat im Irak und „al-Scham“ die Rede, also Großsyrien unter den Omajaden und später den Abbasiden.

Isis

Die Kurzform von „Islamischer Staat im Irak und Syrien“.

Isig

Diese Abkürzung benutzt die Bundesanwaltschaft in ihren Pressemitteilungen. Sie steht für den „Islamischen Staat im Irak und Großsyrien“.

IS

So nennt sich die Organisation selbst seit der Ausrufung ihres Kalifats 2014. Die Abkürzung steht für „Islamischer Staat“. Kritiker lehnen diese Bezeichnung ab, weil sie den Anspruch der Miliz untermauere, einen echten Staat – und noch dazu einen islamischen – geschaffen zu haben. Manche sprechen deshalb vom „sogenannten Islamischen Staat“.

Daesch oder Daisch

Als Alternative ist in den vergangenen Monaten vermehrt die Bezeichnung Daesch oder Daisch in Mode gekommen. Dies ist die arabische Abkürzung für die Bezeichnung „Islamischer Staat im Irak und al-Scham“ (Al Daula al-Islamija fi al-Irak wa al-Scham). In den Ohren von Muttersprachlern klingt sie despektierlich, der IS selbst lehnt sie ab. Das ist ein Grund mehr für Gegner der Extremisten, sie zu verwenden.

„Nehmt sie und werft sie herunter“, befahl der Richter. Andere vermummte Extremisten ergriffen die beiden, verbanden ihnen die Augen und fesselten sie. Dann führten sie die Verurteilten ab. Omar, der seinen ganzen Namen aus Angst vor dem IS nicht nennen will, schilderte den Zwischenfall der AP in der türkischen Stadt Reyhanli.

Der IS ist wegen grausamer Tötungen ohnehin berüchtigt. Eine der brutalsten Methoden behält er sich für angebliche Homosexuelle vor. Sie werden kopfüber von hohen Gebäuden gehalten und fallengelassen oder über den Rand gestoßen, wie in Videos der Extremisten zu sehen ist. Mindestens 36 Männer in Syrien und Irak sind wegen Homosexualität öffentlich umgebracht worden, erklärt die New Yorker Organisation OutRight Action International im Dezember. Ob der Vorwurf der Homosexualität stimmt, könne nicht in jedem Fall bestätigt werden, sagt ihr Nahostkoordinator Hossein Alizadeh. Auch der Verdacht könne schon zum Todesurteil führen.

Viele Muslime betrachten Homosexualität als Sünde. Schwule werden oft gesellschaftlich geächtet, und selbst bei IS-Gegnern gibt es für Homosexuelle kein Mitleid. Einige, die sich schockiert über andere Brutalitäten der Extremisten zeigten, haben öffentlich erklärt, die Tötung Schwuler sei richtig. Auch andere syrische Rebellengruppen wie die zu Al-Kaida gehörende Nusra-Front haben Homosexuelle umgebracht.

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