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31.01.2015

13:43 Uhr

IS-Offensive

IS erobert Ölfeld nahe Kirkuk

Die Anti-IS-Koalition will bei einem Angriff einen hochrangigen IS-Kämpfer getötet haben. Die Miliz selbst nahm ein wichtiges Ölfeld im Nordirak an - war aber an anderer Stelle zuvor gescheitert.

Zerstörung im irakischen Kirkuk: In der Nähe soll die IS-Terrormiliz ein Ölfeld erobert haben. ap

huGO-BildID: 41458107 Kurdish peshmerga fighters secure a hotel near police headquarters in oil-rich Kirkuk, 290 kilometers (180 miles) north of Bagh

Zerstörung im irakischen Kirkuk: In der Nähe soll die IS-Terrormiliz ein Ölfeld erobert haben.

KirkukNach einem gescheiterten Angriff der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) auf die nordirakische Stadt Kirkuk haben die Dschihadisten ein Ölfeld in der Nähe unter ihre Kontrolle gebracht. Die Extremisten hätten das westlich von Kirkuk gelegene Ölfeld eingenommen und kurdische Peschmerga-Kämpfer von dort vertrieben, sagte ein Sicherheitsbeamter der lokalen Ölfirma der Deutschen Presse-Agentur am Samstag. 24 Ölarbeiter seien zudem als Geiseln genommen worden. Zuvor hatten Peschmerga-Kräfte am Freitagmorgen einen Überraschungsangriff auf Kirkuk selbst vereiteln können.

Nach Angaben aus Kreisen der Kurdenkämpfer wurden bei dem Angriff ein Brigadegeneral der Peschmerga sowie fünf weitere Soldaten getötet. Mindestens 40 kurdische Kämpfer seien verletzt worden. Nach Angaben des kurdischen Nachrichtenportals „Rudaw“ waren auch mindestens drei IS-Milizionäre getötet worden. Die Miliz habe die Stadt von drei Fronten angegriffen.

Kirkuk mit etwa einer Million überwiegend kurdischen Einwohnern ist ein Zentrum der irakischen Erdölindustrie. Seit sich die irakische Armee im vergangenen Jahr angesichts der Angriffe des IS zurückgezogen hat, verteidigen kurdische Peschmerga-Einheiten die Stadt.

Glossar – der politische Islam

Einen einheitlichen Islam...

… gibt es nicht. Die Religion hat etwa 1,6 Milliarden Anhänger weltweit. Doch die regional unterschiedlichen Spielarten des Glaubens variieren stark. Die meisten Muslime leben beispielsweise nicht etwa in einem Land auf der arabischen Halbinsel, sondern in Indonesien. Dort sind mit knapp 13 Prozent aller Muslime der Welt so viele Gläubige beheimatet wie in keinem anderen Staat.

Die Verwendung...

… von Begriffen wie Islamismus, politischem Islam, Fundamentalismus, radikalem Islam und Dschihadismus erfolgt in der Debatte oft nicht trennscharf. Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 werden sie oftmals synonym und wenig trennscharf verwendet. Meist sollen mit „Islamismus“ solche fanatischen und gewalttätigen Gruppen mit terroristischer Ausrichtung erfasst werden, die sich auf den Islam beziehen.

Islamismus...

… bzw. Islamisten stehen für für alle politischen Auffassungen und Handlungen, die im Namen des Islams die Errichtung einer allein religiös legitimierten Gesellschafts- und Staatsordnung anstreben.

Problematisch ist,...

… dass gerade späteren Strömungen die Absicht eigen ist, den Islam nicht nur zur verbindlichen Leitlinie für das individuelle, sondern auch für das gesellschaftliche Leben zu machen. Oft geht das einher mit einer Ablehnung der Trennung von Religion, was ein Spannungsverhältnis schafft zu den Prinzipien von Individualität, Menschenrechten, Pluralismus, Säkularität und Volkssouveränität.

Friedliche Islamisten...

… sehen die Gewaltanwendung zur Durchsetzung ihres Ziels – der Errichtung eines islamischen Staats - nicht als ihr vorrangiges politisches Instrument.

Als Mittel des Widerstands...

… haben sich islamistische Strömungen allerdings in vielen Staaten entwickelt. Grobe Faustregel: Je stärker sie unterdrückt wurden, desto eher neigten sie zur Radikalisierung und einer Fokussierung auf den bewaffneten Kampf. So etwa in Syrien und in Ägypten.

Terrorismus...

… ist daher eines von mehreren Mitteln und Handlungsstilen, die Islamisten benutzen. Andere Beispiele sind Parteipolitik und Sozialarbeit.

Der Dschihad...

… bedeutet wörtlich „Anstrengung, Kampf, Bemühung, Einsatz“ für Gott, nicht Gotteskrieg. Man muss unterscheiden zwischen dem „großen Dschihad“ als Kampf gegen sich selbst, also umgangssprachlich gesagt Überwindung des eigenen „inneren Schweinehundes“ und dem „kleinen Dschihad“, dem Kampf im militärischen Sinne. Die Übersetzung von Dschihadisten als „Gotteskrieger“ verzerrt den Begriff daher, weil es einen einseitigen Fokus auf den bewaffneten Kampf legt.

Das nun vom IS eroberte Feld im Westen Kirkuks befand sich seit Mitte Juni vergangenen Jahres unter dem Schutz der Peschmerga. Mit einem täglichen Ausstoß von 25.000 Barrel Öl gehöre es zu den größten Feldern des Landes.

Im Irak sowie in Syrien hat die IS-Miliz große Landstriche unter ihrer Kontrolle. Die im syrischen Bürgerkrieg erstarkten Extremisten hatten sich den jahrelangen Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten im Irak zunutze gemacht, die Millionenstadt Mossul erobert und waren weiter in Richtung Bagdad vormarschiert.

Kurden und Iraker werden in ihrem Kampf gegen die Dschihadisten von einer internationalen Koalition mit Luftschlägen unterstützt. Bei einem der jüngsten Angriffe sei es gelungen, einen Chemiewaffenexperten der Miliz zu töten, teilte das US-Kommando am Freitag in Tampa (Florida) mit.

Abu Malik, ein Giftgasexperte unter Ex-Diktator Saddam Hussein und späterer IS-Vertrauter, sei bei einem Luftangriff am 24. Januar in der Nähe von Mossul ums Leben gekommen. Sein Tod sei ein Schlag gegen die Produktion und den möglichen Einsatz von Chemiewaffen durch die IS-Terroristen.

Von

dpa

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