Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.05.2016

16:46 Uhr

IS-Offensive

Terrormiliz dringt in Rebellenhochburg ein

Die Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat gewinnen im Norden Syriens so viel Boden wie seit zwei Jahren nicht. Leidtragende der Offensive sind die mehr als 160 000 Zivilisten, die im Kampfgebiet eingeschlossen sind.

Die Extremisten der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nahmen nahe der Stadt Asas an der Grenze zur Türkei laut Berichten mehrere Orte ein. dpa

Asas in Syrien

Die Extremisten der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nahmen nahe der Stadt Asas an der Grenze zur Türkei laut Berichten mehrere Orte ein.

BeirutDie Terrormiliz Islamischer Staat gewinnt bei ihrer größten Offensive in Nordsyrien in den vergangenen zwei Jahren weiter an Boden. Am Samstag drangen die Extremisten in die Stadt Marea ein und lieferten sich dort Gefechte mit gemäßigten Gegnern von Präsident Baschar al-Assad, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte und die IS-Nachrichtenagentur Aamak berichteten. Mehr als 160.000 Menschen saßen im Kampfgebiet fest.

Das Flüchtlingshilfswerk UNHCR äußerte sich zutiefst besorgt über die Lage der Bewohner der Region. „Fliehende Zivilisten geraten ins Kreuzfeuer und haben kaum Zugang zu medizinischer Versorgung, Essen, Wasser und Sicherheit“, hieß es in einer Erklärung. Das Internationale Rettungskomitee IRC berichtete, dass die Menschen vor allem in der nahe gelegenen Rebellenhochburg Asas um ihr Leben fürchteten. Mindestens vier ganze Familien seien außerhalb der Stadt am Freitag getötet worden. Das IRC zog seine Mitarbeiter aus Lagern für Frauen und Kinder in Asas ab. Auch Ärzte ohne Grenzen evakuierte sein Krankenhaus in Asas.

Die IS-Offensive in dem Gebiet nahe der türkischen Grenze hatte am Donnerstagabend begonnen. Es handelt sich um den bedeutendsten Vormarsch der islamistischen Extremisten in der Provinz Aleppo seit zwei Jahren. Am Freitag hatten sie sechs Dörfer unter ihre Kontrolle gebracht und waren bis auf drei Kilometer an Asas herangerückt. Am Samstag hätten sich vor Marea zunächst zwei Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt und den Weg für die nachrückenden Kämpfer freigemacht, berichtete Aamak.

Die vielen Namen der Extremistenmiliz IS

Isil

Die Abkürzung steht für „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ und ist vor allem im Englischen noch häufig zu hören. Sie kommt der Übersetzung des arabischen Namens recht nahe. Dort ist vom Islamischen Staat im Irak und „al-Scham“ die Rede, also Großsyrien unter den Omajaden und später den Abbasiden.

Isis

Die Kurzform von „Islamischer Staat im Irak und Syrien“.

Isig

Diese Abkürzung benutzt die Bundesanwaltschaft in ihren Pressemitteilungen. Sie steht für den „Islamischen Staat im Irak und Großsyrien“.

IS

So nennt sich die Organisation selbst seit der Ausrufung ihres Kalifats 2014. Die Abkürzung steht für „Islamischer Staat“. Kritiker lehnen diese Bezeichnung ab, weil sie den Anspruch der Miliz untermauere, einen echten Staat – und noch dazu einen islamischen – geschaffen zu haben. Manche sprechen deshalb vom „sogenannten Islamischen Staat“.

Daesch oder Daisch

Als Alternative ist in den vergangenen Monaten vermehrt die Bezeichnung Daesch oder Daisch in Mode gekommen. Dies ist die arabische Abkürzung für die Bezeichnung „Islamischer Staat im Irak und al-Scham“ (Al Daula al-Islamija fi al-Irak wa al-Scham). In den Ohren von Muttersprachlern klingt sie despektierlich, der IS selbst lehnt sie ab. Das ist ein Grund mehr für Gegner der Extremisten, sie zu verwenden.

Asas und Umgebung werden von gemäßigten Rebellen der Syrischen Freien Armee, aber auch von einigen radikalislamischen Fraktionen kontrolliert. Zehntausende Syrer aus anderen Teilen des Landes hatten in Asas Zuflucht gesucht. Andere Städte in Aleppo wurden derweil von Kampfflugzeugen und Helikoptern der syrischen Regierung attackiert und brachten die von der Türkei und Saudi-Arabien unterstützten Rebellen weiter in Bedrängnis, wie die Beobachtungsstelle meldete.

Die oppositionelle Syrische Nationalkoalition rief die Weltgemeinschaft auf, die Bewohner der Region vor dem IS und der Assad-Luftwaffe zu schützen. „Indem er die Belagerung von Marea verschärft, folgt der IS in die Fußstapfen des Assad-Regimes, das Belagerungen von Orten und Städten als Kriegswaffe nutzt“, hieß es in einer Erklärung.

Aber auch der IS kam unter Beschuss. 104 Kämpfer der Terrormiliz seien durch türkischen Beschuss und Luftangriffe der US-geführten Koalition ums Leben gekommen, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu am Samstag. Sieben vom IS genutzte Gebäude seien in der Nacht zerstört worden. Die Angriffe seien eine Reaktion auf Raketenbeschuss aus Syrien auf die südtürkische Stadt Kilis gewesen. Dort seien fünf Menschen verletzt worden.

Am Samstag reagierte das türkische Militär nach eigenen Angaben auch auf einen Angriff mit zwei Raketen, die in einem Feld in der Nähe des Orts Oguzeli einschlugen. Nach einem Bericht der Agentur Dogan schlug ein Geschoss in einem Garten in der Nähe des Flughafens Gaziantep ein, richtete aber keine Schäden an.

Von

ap

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×