Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.04.2015

16:13 Uhr

IS rückt wieder vor

Tausende Iraker fliehen vor Terrormiliz

Die Terrormiliz ist wieder auf den Vormarsch: IS-Truppen haben Teile der irakischen Provinzhauptstadt Ramadi erobert. Mehr als 2000 Familien sollen Richtung Bagdad geflohen sein. Der IS will die Stadt komplett einnehmen.

Iraker fliehen aus ihrer Heimatstadt Ramadi, 70 Kilometer westlich von Bagdad. ap

Flüchtlingswelle

Iraker fliehen aus ihrer Heimatstadt Ramadi, 70 Kilometer westlich von Bagdad.

BagdadEine neue Offensive der Terrormiliz Islamischer Staat im Westen des Irak hat eine Flüchtlingswelle ausgelöst. Mehr als 2000 Familien seien aus der Provinz Anbar geflohen und hausten nun am südlichen und westlichen Stadtrand von Bagdad, erklärte das Einwanderungs- und Flüchtlingsministerium am Donnerstag. Die Situation sei schwierig, sagte Sprecher Sattar Nowrus. Zelte, Essen und andere Hilfsgüter würden zu den Menschen gebracht.

Am Mittwoch hatte der IS drei Dörfer in der Nähe von Ramadi, der Provinzhauptstadt von Anbar, erobert. Nach eigener Darstellung hat der IS sogar sechs Regionen östlich von Ramadi unter Kontrolle, wie die spezialisierte Webseite Site meldete. Ramadi selbst scheint das nächste Ziel der Kämpfer zu sein. In der Region brachen Kämpfe mit irakischen Soldaten aus. Das Bündnis unter Führung der USA unterstützte die irakischen Truppen mit Luftangriffen.

Auch am Donnerstag gab es vereinzelte Gefechte, wie Sicherheitsbeamte in Ramadi berichteten. Die Stadt sei entvölkert, die Straßen leer und die Geschäfte geschlossen, hieß es. Das Zentrum ist noch unter Kontrolle der Regierungstruppen.

Die Terrorgruppe Islamischer Staat

Ziel

Die Organisation Islamischer Staat (IS), früher Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) genannt, gehört zu den radikalsten islamistischen Gruppen im Nahen Osten. Sie kämpft für einen sunnitischen Gottesstaat im arabischen Raum.

Ursprung

Der IS ging aus dem irakischen Widerstand der 2003 gegründeten Gruppe „Tawhid und Dschihad“ hervor, die sich gegen die US-Invasion im Irak wandte. Erster Anführer war der für seine Grausamkeit berüchtigte Jordanier Abu Mussab al-Sarkawi. Seit 2013 leitet der Iraker Abu Bakr al-Baghdadi den IS.

Aktivitäten

Die Gruppe griff Im Irak nicht nur US-Soldaten an, sondern verübte auch Selbstmordanschläge auf Schiiten und Christen im Land. Al-Sarkawi wurde 2006 von der US-Armee getötet. Seither führen Iraker die Organisation. Deren zweiter früherer Name „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ verdeutlicht den Anspruch, einen sunnitischen Großstaat zwischen Mittelmeer und Euphrat zu errichten.

Entwicklung

An Macht gewann der IS, als sie sich im Frühjahr 2013 in den syrischen Bürgerkrieg einmischte. Dort überwarf sie sich mit der aus syrischen Salafisten bestehenden Al-Nusra-Front, obwohl beide Gruppen damals dem Terrornetzwerk al-Qaida nahestanden.

Standorte

Vor allem im Nordosten Syriens greift der IS syrisch-kurdische Städte an und massakriert die Zivilbevölkerung. Im Irak profitiert die Miliz vom Streit der von Schiiten dominierten irakischen Regierung mit den sunnitischen Parteien des Landes. Am 29. Juni rief der IS das Kalifat in den von im kontrollierten Gebieten aus – mit al-Baghdadi als Kalif.

Finanzierung

Der IS finanzierte sich anfangs vor allem durch Spenden aus den Golfstaaten Katar und Saudi-Arabien, aber auch durch Wegzölle entlang der Grenzen zwischen Irak und Syrien. Mit den Landgewinnen nahmen die Gewinne aus illegalen Ölverkäufen der kontrollierten Felder zu.

Söldner

In den Reihen der Gruppe kämpfen internationale Brigaden, darunter Muslime aus Nordafrika und den arabischen Golfstaaten sowie Konvertiten aus Europa und Nordamerika.

Ramadi und die östlich davon gelegene Stadt Falludscha waren während der US-Besatzung der Jahre 2003 bis 2011 wichtige Stützpunkte des Terrornetzwerks Al-Kaida. Teile des irakischen Al-Kaida-Ablegers gingen letztlich im IS auf. Dieser eroberte als erstes im Januar 2014 Falludscha und im Juni die Stadt Mossul und weitere Teile des Irak. Auch Syrien ist zu etwa einem Drittel unter Kontrolle des IS.

Die irakischen Truppen hatten sich zuletzt Geländegewinne zugute gehalten, unter anderem die Rückeroberung der Stadt Tikrit. Die Offensive des IS wird als Reaktion darauf gewertet.

Von

ap

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×