Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.11.2015

03:19 Uhr

IS-Selbstmordattentäter

Dutzende sterben bei Terroranschlag in Beirut

Im Libanon herrscht am Freitag Staatstrauer: Drei Selbstmordattentäter haben in der Hauptstadt Beirut einen Terroranschlag verübt. Mindestens 43 Menschen starben. Im Internet kursierte ein Bekennerschreiben von IS.

In die Luft gesprengt

Doppel-Anschlag im Libanbon: IS tötet 43 Menschen

In die Luft gesprengt: Doppel-Anschlag im Libanbon: IS tötet 43 Menschen

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

BeirutSelbstmordattentäter haben im Süden der libanesischen Hauptstadt Beirut bei einen der blutigsten Anschläge der vergangenen Jahre Dutzende Zivilisten getötet. Zwei Angreifer rissen nach Angaben aus der Regierung am Donnerstag in einem Schiitenviertel mindestens 43 Menschen mit in den Tod. Außerdem seien 239 Personen verletzt worden, teilte des Gesundheitsministerium mit. Im Internet kursierte ein Bekennerschreiben der sunnitischen Extremistengruppe Islamischer Staat (IS), das zunächst nicht verifiziert werden konnte.

Ein Regierungsbeamter berichtete, zwei Selbstmordattentäter hätten sich während des Feierabendverkehrs in dem vorwiegend von Schiiten bewohnten Vorort Burdsch al-Baradschne in die Luft gesprengt. Ein Attentäter habe seinen Sprengsatz vor einer schiitischen Moschee gezündet, der Zweite in einer Bäckerei. Die beiden Tatorte lagen weniger als 50 Meter auseinander.

Ein dritter Selbstmordattentäter sei tot mit abgerissenen Beinen gefunden worden, sagte der Beamte weiter. Er habe noch einen funktionstüchtigen Sprengstoffgürtel getragen. Wahrscheinlich sei er dem zweiten Attentäter zu nahe gekommen, als dieser zuschlug.

Soldaten und Hisbollah-Kämpfer riegelten den Tatort ab. Krankenhäuser riefen zu Blutspenden auf und baten die Anwohner, in ihren Häusern zu bleiben, um die Rettungskräfte nicht zu behindern. Die Hisbollah rief die Menschen auf, alle Cafés in der Nähe zu verlassen und verdächtige Vorgänge zu melden.

Der IS erklärte über mit der Terrormiliz verbundene soziale Netzwerke, er stehe hinter dem Anschlag, der mit einem präparierten Motorrad und von einem Kämpfer mit einem Sprengstoffgürtel ausgeführt worden sei. Von einem dritten Attentäter war nicht die Rede. Die Mitteilung konnte nicht unabhängig überprüft werden, ähnelte aber früheren Anschlagsbekenntnissen des IS.

Die Gegner des Islamischen Staates

USA

Die mächtigste Militärmacht der Welt führt den Kampf gegen den IS an. Seit mehr als einem Jahr bombardiert die US-Luftwaffe die Extremisten in Syrien und im Irak. An ihrer Seite sind auch Jets aus Frankreich und anderen westlichen Staaten sowie aus arabischen Ländern im Einsatz. Washington hat zudem US-Militärberater in den Irak entsandt, die Bagdad im Kampf am Boden unterstützen.

Russland

Moskaus Luftwaffe fliegt seit Ende September Luftangriffe in Syrien. Sie sollen nach Angaben des Kremls den IS bekämpfen. Der Westen und syrische Aktivsten werfen Russland jedoch vor, die meisten Luftangriffe richteten sich gegen andere Rebellen, um so das Regime von Präsident Baschar al-Assad zu unterstützen.

Deutschland

Deutschland liefert seit mehr als einem Jahr Waffen an die Kurden im Norden des Iraks, darunter die Sturmgewehre G3 und G36 und die Panzerabwehrwaffe Milan. Die Bundeswehr bildet zudem kurdische Peschmerga-Kämpfer für den Kampf am Boden aus.

Arabische Staaten

Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Katar und Jordanien unterstützen die USA bei den Luftangriffen. Vor allem Saudi-Arabien und Jordanien sehen den IS als Gefahr, weil die Extremisten bis an ihre Grenzen herangerückt sind.

Kurden

Sowohl im Norden Syriens als auch im Nordirak gehören die Kurden zu den erbittertsten Gegnern des IS. Die kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) im Syrien und die Peschmerga im Irak konnten den Extremisten empfindliche Niederlagen beibringen. Unterstützt werden sie von mehreren westlichen Staaten.

Irakische Armee

Das irakische Militär geht in mehreren Regionen des Landes gegen den IS vor. Allerdings kann sie nur wenige Erfolge vorweisen. Seit Monaten versucht die Armee erfolglos, die westirakische Provinz Al-Anbar zu befreien. Unterstützt wird sie von schiitischen Milizen, die eng mit dem Iran verbunden sind.

Syrische Rebellen

Sie bekämpfen das Regime und den IS. Das gilt auch für die Nusra-Front, syrischer Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida. Sie teilt die Ideologie des IS, ist aber mit ihm verfeindet.

Syrisches Regime

Auch das syrische Militär geht gegen den IS vor. Kritiker werfen dem Regime jedoch vor, es greife vor allem andere Rebellen an und lassen die Extremisten gewähren. Auffällig ist, dass sich die meisten syrischen Luftangriffe nicht gegen den IS, sondern gegen Regionen unter Kontrolle anderer Gruppen richten.

Hisbollah-Sprecher Bilal Farhat sprach von einen teuflischen Angriff. „Sie hatten es nur auf unschuldige Menschen abgesehen“, sagte er der Nachrichtenagentur AP. „Sie zielten auf Zivilisten, Betende, unbewaffnete Menschen, Frauen, Alte.“

Der libanesische Ministerpräsident Tammam Salam rief für Freitag einen Tag der Trauer aus. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilten das Attentat. Steinmeier erklärte: „Dieser schreckliche Terroranschlag ist ein direkter und bewusster Angriff auf die Stabilität des Libanon.“

Die UN-Sonderkoordinatorin für den Libanon Sigrid Kaag nannte das Attentat eine ruchlose Attacke. Die internationale Gemeinschaft stehe an der Seite des Libanon. Auch der mit der Hisbollah verbündete Iran verurteilte die Tat.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×