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03.11.2014

16:28 Uhr

IS-Terror

Angst vor Anschlägen auf Schiiten im Irak

Trotz der Bedrohung durch die sunnitische IS-Miliz im Irak pilgern Millionen Schiiten zum Aschura-Fest nach Kerbela. Aus Angst vor Anschlägen sind Zehntausende Soldaten und Polizisten im Einsatz.

Schauplatz des IS-Terrors: Eine zerstörte schiitische Moschee nördlich von Bagdad. dpa

Schauplatz des IS-Terrors: Eine zerstörte schiitische Moschee nördlich von Bagdad.

KobaneAus Furcht vor einer neuen Anschlagswelle sunnitischer Extremisten am wichtigsten Feiertag der Schiiten hat der Irak die Sicherheitsmaßnahmen massiv erhöht. Mehr als 33 000 Sicherheitskräfte sollen an diesem Dienstag die Millionen Pilger schützen, die zum Aschura-Fest in der Stadt Kerbela, südlich von Bagdad, erwartet werden.

Landesweit gehen die Kämpfe gegen die sunnitische Terrormiliz Islamischer Staat (IS) weiter. Nach Informationen der „New York Times“ planen Iraks Sicherheitskräfte gemeinsam mit dem von den USA angeführten Bündnis für das Frühjahr 2015 eine Großoffensive. Bis Ende des nächsten Jahres soll die Terrormiliz demnach aus den von ihr eroberten Städten im Norden und Westen des Landes vertrieben werden.

Wichtige Straßen und Grenzübergänge sollten dann wieder unter Kontrolle der irakischen Regierung sein. Unklar bleibt dem Bericht zufolge das Vorgehen gegen den IS in Syrien und ob die gemäßigte syrische Opposition bis dahin militärisch ausreichend ausgebildet ist, um sich den Dschihadisten ebenfalls effektiv entgegenzustellen.

Die im syrischen Bürgerkrieg stark gewordene Terrororganisation beherrscht große Gebiete im Norden und Osten Syriens sowie im Norden und Westen des Iraks - unter anderem die irakische Millionenstadt Mossul. Während insbesondere die irakische Armee, schiitische Milizen und kurdische Kämpfer gegen den IS am Boden vorgehen, fliegt das US-geführte Bündnis täglich Luftangriffe.

Radikale Islamisten: Kampf im Namen Gottes

„Gotteskrieg“

In vielen muslimisch geprägten Staaten bestimmen radikalislamische Gruppierungen unterschiedlicher Ausprägung oft im Verbund mit dem jahrelang dominierenden Terrornetzwerk al-Qaida zunehmend das politische Geschehen. Instabile und korrupte Regierungen werden der Lage vielerorts nicht mehr Herr, während die selbst ernannten Gotteskrieger sich ausbreiten und Vermögen anhäufen.
Quelle: afp

Syrien

Der Staat wurde seit dem Beginn des Aufstands gegen Staatschef Bashar al-Assad im März 2011 mehr und mehr zum Tummelplatz radikaler Islamisten. Im daraus entstandenen Bürgerkrieg sind mit dem Terrornetzwerk al-Qaida verbundene Kämpfer ebenso aktiv wie die libanesische Hizbollah-Miliz und die Gruppe Islamischer Staat im Irak und in Großsyrien (Isis). Wer an welcher Stelle gegen wen kämpft, ist vielfach kaum zu durchschauen.

Irak

In dem Land, das vielen Beobachtern nach langjährigem US-Engagement zuletzt als leidlich stabil galt, zeigte sich in den vergangenen Tagen, über welche enormen Mittel Isis verfügt. Innerhalb weniger Tage eroberten die Dschihadisten weite Gebiete im Norden des Landes und rückten auf die Hauptstadt Bagdad vor. Inzwischen wurden sie zwar gestoppt. Isis könnte aber angesichts eines geschätzten Milliardenvermögens noch lange durchhalten.

Libyen

Seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Frühjahr 2011 kommt in dem Land vor allem der Osten nicht zur Ruhe. Radikalislamische Gruppen wie die Ansar-al-Scharia-Miliz kämpfen dort gegen Regierungstruppen - und seit einiger Zeit auch gegen Einheiten des abtrünnigen Generals Chalifa Haftar, der die Islamisten auf eigene Faust bekämpft.

Ägypten

In dem Land haben sowohl die Hamas als auch die Hizbollah Verbündete. Zudem greifen auf der Sinai-Halbinsel und in Großstädten Dschihadisten immer wieder Sicherheitskräfte an. An den neuen Staats- und Ex-Armeechef Abdel Fattah al-Sisi, der die Muslimbruderschaft seines Vorgängers Mohammed Mursi verbieten ließ, richtet sich die Erwartung, dass nun vorerst wieder Ruhe einkehrt.

Nigeria

Im mehrheitlich muslimischen Norden des Landes kämpft die Gruppe Boko Haram für einen islamistischen Staat. Bei zahllosen Anschlägen auf Polizei, Armee und Behörden, aber auch auf Kirchen und Schulen wurden seit dem Jahr 2009 tausende Menschen getötet. Für internationale Empörung sorgte zuletzt vor allem die Entführung von fast 300 Schülerinnen durch Boko Haram im April.

Somalia

In dem Bürgerkriegsland führt die Shebab-Miliz seit Jahren einen blutigen Kampf gegen die Regierung. Eine funktionierende Staatsgewalt im gesamten Land gibt es nicht. Auch im benachbarten Kenia, dessen Armee sich am Kampf gegen die Shebab beteiligt, häufen sich Anschläge der Islamisten. Sie bekannten sich etwa zu einem Angriff auf ein Einkaufszentrum in der Hauptstadt Nairobi mit 67 Toten im September und erst am Montag zu dem Angriff auf den Küstenort Mpeketoni mit 49 Todesopfern.

Pakistan

Vor allem in der unwegsamen Bergregion im Nordwesten des Landes an der Grenze zu Afghanistan sorgt die Gruppe Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP) für Angst und Schrecken. Zuletzt griffen TTP-Kämpfer den Flughafen in der südlichen Metropole Karachi an und töteten 38 Menschen. Die Armee startete daraufhin eine Großoffensive gegen Stellungen von Taliban- und Al-Kaida-Kämpfern.

Afghanistan

Seit der Entmachtung der dort herrschenden Taliban im Herbst 2001 sind in dem Land ausländische Soldaten unter Nato-Führung stationiert. Regelmäßig verüben die Islamisten dennoch blutige Anschläge mit vielen Toten. Der internationale Kampfeinsatz läuft zum Jahresende aus, danach soll es Unterstützungsmissionen geben. Viele Beobachter zweifeln allerdings an langfristiger Stabilität für das Land.

Allgemein

In der Region sorgen vor allem die Palästinenserorganisation Hamas und die Hizbollah für Unruhe, die allerdings nicht als klassische Terrororganisationen zu betrachten sind, sondern als politische Gruppen mit handfesten territorialen Interessen. Die Hamas wurde in als von internationalen Beobachtern recht freien Wahlen im Gaza-Streifen stärkste Kraft, wurde aber international nicht anerkannt. In der jüngsten Bildung einer Einheitsregierung sieht Israel einen neuen Schlag für die Friedensgespräche. Die vom Libanon aus agierende schiitische und mutmaßlich vom Iran finanzierte Hizbollah bedroht dort das multireligiöse politische System.

An diesem Dienstag gedenken Schiiten aus aller Welt insbesondere an der Grabmoschee in Kerbela ihres Märtyrers Imam Hussein, eines Enkels des Propheten Mohammed. Bereits in den vergangenen Jahren nahmen sunnitische Fanatiker dies zum Anlass, Anschläge zu verüben. Hussein starb 680 nahe der zentralirakischen Stadt in einer Schlacht, die die Spaltung der Muslime in Schiiten und Sunniten endgültig besiegelte.

In der zu großen Teilen vom IS eroberten westirakischen Provinz Anbar werden nach der Tötung von rund 200 Mitgliedern eines sunnitischen Stammes durch Dschihadisten Rufe nach einer Aufrüstung der Stämme laut. Ein Vertreter im Provinzrat, Suhaib al-Rawi, erklärte, die Bewohner bräuchten deutlich mehr Waffen, um sich gegen die Dschihadisten verteidigen zu können.

IS-Kämpfer hatten nach Angaben einer irakischen Sicherheitsbeamtin im Westen des Landes innerhalb von drei Tagen zahlreiche Mitglieder des Al-Bu-Nimr-Stammes - darunter auch Kinder - umgebracht. Angehörige des Stammes sollen an der Seite schiitischer irakischer Soldaten gegen den IS gekämpft haben. Andere sunnitische Stämme kämpfen im Irak hingegen auf der Seite der Extremisten.

In der nordsyrischen Grenzstadt Kobane melden kurdische Aktivisten nach Ankunft erster Peschmerga-Soldaten aus dem Nordirak Fortschritte im Kampf gegen die Extremisten. Idriss Nassan, ein Sprecher der kurdischen Verteidiger Kobanes, sagte der dpa, dass die Lage der Kurden deutlich besser geworden sei. Die Kämpfer versuchten nun, die Versorgungswege der Dschihadisten in der Ortschaft nahe der Grenze zur Türkei zu kappen.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Ulrich Scholz

03.11.2014, 17:50 Uhr

„Warum nur die IS? – Wir sollten die gesamte islamische Welt bombardieren! – Man könnte humanitäre Argumente benutzen, um den gesamten Mittleren Osten flach zu machen.“ Unter dieser Überschrift zählt der britische Journalist des GUARDIAN George Monbiot schonungslos Verbrechen an der Menschlichkeit auf, die von allen Parteien im Mittleren Osten begangen wurden und werden. Dazu gehören auch die von Staaten einschließlich Saudi Arabiens, Israels und dem Iran.
Die Wirklichkeit sieht anders aus. „Die Guten“ bombardieren „die Bösen“. Die Sprache des vorliegenden Artikels entlarvt die Heuchelei im Westen. Wer ein Terrorist ist, entscheidet die Interessenlage. In diesem Sinne ist „Terrorist“ eine Konstruktion. Es galt einmal folgender Satz: Des einen Terroristen, des anderen Freiheitskämpfer. Wenn der Westen seine Wahrnehmung des Konflikts sprachlich (und damit inhaltlich) anders konstruieren würde, wäre Hard Power nicht mehr die einzige Alternative, sondern Soft Power hätte eine Chance. Hier ist die Erklärung dazu.
http://www.kamus-quantum.com/11.html

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