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12.01.2016

03:38 Uhr

IS-Terror im Irak

Mehr als 30 Tote bei Geiselnahme und Café-Anschlag im Irak

Weitere blutige Anschläge gehen auf das Konto der Gruppierung Islamischer Staat: Die Methoden der Terroristen zielen auf den größtmöglichen Schaden ab. Mehr als 30 Tote ist die traurige Bilanz der jüngsten Angriffe.

Ein Sicherheitsmann blickt auf Trümmer nach dem Anschlag: Erst explodierte eine Bombe in dem Café in Mukdadijah nordöstlich von Bagdad. Als Helfer erschienen, sprengten sich dort dann Selbstmordattentäter in einem Auto in die Luft. Reuters

IS-Terror im Irak

Ein Sicherheitsmann blickt auf Trümmer nach dem Anschlag: Erst explodierte eine Bombe in dem Café in Mukdadijah nordöstlich von Bagdad. Als Helfer erschienen, sprengten sich dort dann Selbstmordattentäter in einem Auto in die Luft.

BagdadMit mehr als 30 Toten bei IS-Anschlägen hat der Irak am Montag einen der blutigsten Tage seit langem verzeichnet. Bei einem Doppelanschlag auf ein Café in der Provinz Dijala starben mindestens 20 Menschen. Bei einer Geiselnahme in der Hauptstadt Bagdad wurden mindestens zwölf Menschen getötet. Zu beiden Taten bekannte sich die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS).

In dem Café in Mukdadijah, 90 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Bagdad, sei zunächst eine Bombe explodiert, teilte die Polizei am Abend mit. Als sich Helfer vor dem Anschlagsort versammelt hätten, habe sich dort ein Selbstmordattentäter in einem Auto in die Luft gesprengt. Dutzende Menschen seien verletzt worden. Anschließend hätten Schiiten mehrere Häuser von Sunniten und eine Moschee in Brand gesteckt, teilte die Polizei mit.

Islamischer Staat: Irakische Regierung will IS „tödlichen Stoß“ versetzen

Islamischer Staat

Irakische Regierung will IS „tödlichen Stoß“ versetzen

Nach der Rückeroberung der Stadt Ramadi verspricht der irakische Regierungschef Haider al-Abadi, den IS im nächsten Jahr vernichtend zu schlagen. 2015 sei ein „Jahr der Befreiung“, 2016 werde ein „Jahr der großen Siege“.

In Bagdad stürmten Polizeiangaben zufolge mehrere Männer wild um sich schießend das Einkaufszentrum, nachdem sie zuvor auf der Straße eine Autobombe gezündet hatten. Eine Polizeiquelle sprach von mehreren Autobomben. Ein schockierter Augenzeuge berichtete, ein Selbstmordattentäter habe einen Ladenbesitzer festgehalten und dann seinen Sprengstoffgürtel gezündet. Der Wagen, mit dem die Angreifer gekommen seien, sei voller Sprengstoff gewesen und dann gezündet worden.

Nach Angaben der Polizei ereignete sich der Angriff in einem vier- oder fünfstöckigen Gebäude im Geschäftsviertel al-Dschadida im Osten der Hauptstadt, wo mehrheitlich Schiiten leben. Über dem Ort des Geschehens stand eine riesige schwarze Rauchwolke. Neben den zwölf Toten soll es mindestens 36 Verletzte gegeben haben.

Im Verlauf der Geiselnahme ließen die Angreifer laut Polizei mindestens neun Frauen und Kinder frei. Drei Geiseln seien erschossen worden, als die Sicherheitskräfte den Geiselnehmern zu nahe gekommen seien. Alle anderen Geiseln seien befreit und die Angreifer getötet worden, sagte ein Polizeisprecher.

Erfolge, Niederlagen und Terror des IS seit Ausrufung des „Kalifats“

IS

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ging aus einem Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida im Irak hervor. Ein Rückblick:

29. Juni 2014

Die sunnitischen Dschihadisten rufen in den von ihnen eroberten Gebieten in Syrien und im Irak ein „Kalifat“ aus. Erster „Kalif“ des neuen Gottesstaates sei Anführer Abu Bakr al-Bagdadi.

August 2014

8. August: Die USA fliegen erste Angriffe im Nordirak.

August: Die Enthauptung eines US-Journalisten schockt die Welt. In den folgenden Monaten verbreitet der IS im Internet weitere Videos mit der Ermordung zweier US-Bürger und zweier Briten.

19. September und Dezember 2014

19. September: Frankreich startet mit Hilfe arabischer Partnerländer erstmals Luftangriffe auf IS-Stellungen in Syrien.

Dezember: Kurdische Soldaten beenden mit Hilfe internationaler Luftangriffe die Belagerung des Sindschar-Gebirges nahe der IS-Hochburg Mossul. Im August waren Zehntausende Angehörige der jesidischen Volksgruppe vor den Dschihadisten in die Berge geflohen.

Januar und Februar 2015

Januar 2015: Nach monatelangen Kämpfen vertreiben kurdische Kämpfer den IS aus der nordsyrischen Stadt Kobane an der türkischen Grenze.

Februar: Ein Video zeigt, wie ein gefangener jordanischer Pilot bei lebendigem Leib verbrannt wird. Zuvor hatte die Terrormiliz bereits die Tötung zweier japanischer Geiseln zur Schau gestellt.

März und April 2015

März: Irakische Kräfte erobern die strategisch wichtige Stadt Tikrit zurück, die die Extremisten im Juni 2014 besetzt hatten.

April: IS-Kämpfer dringen in Ramadi 100 Kilometer westlich von Bagdad ein. Tausende Iraker fliehen vor dem Terror Richtung Bagdad, dürfen die Hauptstadt aber nicht betreten.

Mai und Juli 2015

Mai: Die Terrormiliz bringt Ramadi vollständig unter ihre Kontrolle. Kurden erobern IS-Gebiete in Nordsyrien.

Juni: Der IS verbreitet ein schockierendes Video über neue Hinrichtungsmethoden.

24. Juli und 6. August 2015

24. Juli: Nach einem dem IS zugeschriebenen Anschlag im türkischen Suruc fliegen türkische Kampfjets erstmals Angriffe auf IS-Stellungen in Syrien. Zudem öffnet Ankara wenig später den südtürkischen Nato-Stützpunkt Incirlik für US-Luftschläge gegen den IS.

6. August: Einer US-Bilanz zufolge hat das internationale Anti-Teror-Bündnis in einem Jahr mehr als 5900 Luftschläge gegen den IS im Irak und in Syrien geflogen. Außerdem sollen 10 000 IS-Kämpfer bei Angriffen getötet worden sein.

18. und 23. August 2015

18. August: Der IS enthauptet den früheren Chef-Archäologen der irakischen Oasenstadt Palmyra. Nach US-Angaben stirbt die Nummer zwei der Terrormiliz, Hadschi Mutas, bei einem Luftangriff im Irak.

23. August: Der IS sprengt den rund 2000 Jahre alten Tempel Baal Schamin in Palmyra. Einige Tage später zerstören die Extremisten auch den Baaltempel.

September 2015

Eine weitere Koalition bildet sich.  Russland bestätigt erstmals die Präsenz von Militärexperten in Syrien. Vorher waren Bilder russischer Soldaten in Syrien in den sozialen Netzwerken aufgetaucht. Russland und Iran unterstützen Syrien im Kampf gegen den IS, aber auch gegen andere Oppositionsgruppen.

November 2015

Nach den Anschlägen von Paris vom 13. November mit mindestens 129 Toten fliegt die französische Luftwaffe verstärkt Angriffe auf die Stadt Al-Raqqa, das inoffizielle Zentrum des vom IS kontrollierten Gebiet im Irak und Syrien. Frankreich fliegt bereits seit September 2014 Luftangriffe auf IS-Stellungen.

Die IS-Miliz gab über eine Erklärung im Internet bekannt, dass vier ihrer Mitglieder den Angriff ausgeführt hätten. Nach Angaben der Islamisten wurden 90 Menschen getötet oder verletzt. Zudem starben am Montag mindestens drei Menschen bei einem Autobombenanschlag in Nahrawan, südlich von Bagdad. Mindestens acht Menschen seien verletzt worden, teilte die Polizei mit.

Unterdessen zerstörte die US-geführte Koalition, die im Irak und in Syrien Luftangriffe gegen den IS fliegt, nach eigenen Angaben ein Bargeld-Depot der Organisation im nordirakischen Mossul. Dabei seien "Millionen Dollar" vernichtet worden, sagte ein US-Vertreter, der nicht genannt werden wollte.

Zwei 900-Kilogramm-Bomben seien auf das Depot abgeworfen worden, in dem Geld aus den illegalen Geschäften des IS wie Ölhandel und Plünderungen gelagert worden sei. Laut einem Bericht des US-Nachrichtensenders CNN wurden bei dem Angriff bis zu sieben Zivilisten getötet.

Von

afp

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