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14.01.2016

14:27 Uhr

IS-Terror

Indonesien in Angst

Die Terroristen scheren sich nicht um das Credo Indonesiens, einen moderaten Islam. Schwer bewaffnet fallen sie in der Hauptstadt ein. Gibt es dort doch mehr Anhänger radikaler Ideologien als gedacht?

Nach dem Terrorangriff in Indonesiens Hauptstadt, ist Jakarta im Ausnahmezustand. Die Polizei verriegelt derweil manche Bereiche wie dieses Starbucks Café. dpa

Jakarta

Nach dem Terrorangriff in Indonesiens Hauptstadt, ist Jakarta im Ausnahmezustand. Die Polizei verriegelt derweil manche Bereiche wie dieses Starbucks Café.

JakartaEin Polizist in Zivil steht mit gezogener Waffe vor den Fetzen, die eine Detonation übrig gelassen hat. Ein lila Schuh liegt auf der Straße. Um die Ecke ducken sich Polizisten hinter einem Polizeiauto, um nicht in die Schusslinie der Attentäter zu geraten. Einer ihrer Kollegen liegt reglos auf dem Asphalt. Der Terror ist am Donnerstag zurückgekehrt in die indonesische Millionenmetropole Jakarta, Hauptstadt des bevölkerungsreichsten muslimischen Landes der Welt.

Die Indonesier stehen unter Schock. Sie glaubten, die Extremisten unter ihnen seien ausgemerzt. 2009 war der letzte Anschlag in Jakarta mit sieben Toten. Doch jetzt geht das Gespenst der brutalen Terrormiliz Islamischer Staat (IS) um.

Indonesien: IS bekennt sich zu Anschlag in Jakarta

Indonesien

IS bekennt sich zu Anschlag in Jakarta

Mehrere Explosionen und Gewehrfeuer: In Jakarta sind mindestens sechs Menschen bei einem Anschlag getötet worden. Eine Bombe soll in einem Starbucks-Café gezündet worden sein. Der IS bekennt sich zu dem Angriff.

Die Extremisten bekennen sich zu dem Anschlag vom Donnerstag. „Der IS hat Zellen in Südostasien, auch in Indonesien“, sagt der Polizeichef. Präsident Joko Widodo beschwört seine Landsleute: „Wir werden uns nicht von diesen Terroranschlägen in die Knie zwingen lassen.“

Die Täter haben das Herz der Stadt getroffen: Jalan Thamrin, hier steht ein Wolkenkratzer-Büroturm neben dem nächsten, die großen Hotelketten haben ihre Häuser hier und Botschaften sind in der Nachbarschaft, auch die deutsche.

Fakten zu Indonesien

Der weltgrößte Inselstaat

Indonesien hat rund 240 Millionen Einwohner und gilt damit als der viertbevölkerungsreichste Staat der Welt.

Folgende Inselregionen...

... umfasst Indonesien: Sumatra (rund 55 Millionen Einwohner), Java (rund 145 Millionen Einwohner), Kleine Sundainseln (rund 14 Millionen Einwohner), Kalimantan (rund 15 Millionen Einwohner), Sulawesi (rund 18 Millionen Einwohner), Molukken (rund zwei Millionen Einwohner) und Westneuguinea (rund vier Millionen Einwohner).

„Indonesien“

Der Name ist aus dem Griechischen entstanden und setzt sich aus „Indo-“ für Indien und „nesos“ für Insel zusammen.

Unabhängig seit...

... 1949: Ehemalig war Indonesien eine niederländische Kolonie. Heute ist der Inselstaat eine sogenannte Präsidialrepublik.

Regierungspolitik

Staatsoberhaupt und Regierungschef von Indonesien ist seit 2014 Joko Widodo. Erst zehn Jahre zuvor wurde der erste Präsident direkt vom Volk gewählt. Indonesien gilt seitdem weltweit als demokratisch regierter Staat. Der Majelis Permusyawaratan Rakyat, die Beratende Volksversammlung ist das Parlament im Zweikammersystem. Es besteht aus 550 Abgeordneten des DPR (Dewan Perwakilan Rakyat) und 128 Regionalvertretern der DPD (Dewan Perwakilan Daerah).

Außenpolitik

Indonesien verfolgt bezüglich der Außenpolitik das Motto „bebas dan aktif“, was auf Deutsch „unabhängig und aktiv“ bedeutet. Jakarta versucht somit, eine Abhängigkeit an Mächte außerhalb der südostasiatischen Region zu vermeiden – das gilt für die Volksrepublik China wie für die USA. Stattdessen versucht die Regierung einen eigenen Weg für die internationalen Beziehungen zu finden.

200 Millionen Muslime...

... leben ungefähr in Indonesien, obwohl der Islam nicht die Staatsreligion ist. Das sind fast 90 Prozent der Gesamtbevölkerung. Davon sind die meisten Sunniten, nur etwa 100.000 Muslime dort sind Schiiten. 23 Millionen Indonesier sind Christen. 1,8 Prozent sind Hindus und ein Prozent Buddhisten. Zudem gibt es eine sehr kleine jüdische Minderheit.

Traditionelle Glaubensrichtungen

Alle Einwohner müssen eine der fünf anerkannten Weltreligionen (Islam, Christentum – katholisch und evangelisch–, Buddhismus und Hinduismus) angeben. Vermutlich geben indonesische Volksgruppen also eine dieser Religionen an und leben ihren Glauben heimlich aus.

Währung

In Indonesien ist Rupiah die Staatswährung.

Am Einkaufszentrum sind ein McDonald's-Restaurant und ein Starbucks-Café, hier holen sich Angestellte auf dem Weg ins Büro wie jeden Morgen ihren „Coffee-to-go“. Da schlagen die Unbekannten zu. Ein Starbucks-Gast sei verletzt worden, berichtet die Kaffeerestaurant-Kette.

Die Indonesier kennen den Terror von Extremisten. Die Organisation Jemaah Islamiyah erstarkte nach dem Abgang von Diktator Suharto Ende der 90er Jahre, und sie hat mehrfach Ausländer ins Visier genommen. 2002 kamen bei Anschlägen auf Bali 202 Menschen ums Leben, viele davon Touristen, und 2009 starben in Jakarta bei Angriffen auf Hotels sieben Menschen.

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