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21.09.2014

14:38 Uhr

IS-Terror

Zehntausende fliehen um ihr Leben

70.000 Kurden fliehen über Nacht vor den Kämpfern der Terrormiliz IS in die Türkei. Freigelassene türkische IS-Geiseln berichten von grausamen Bedingungen. Welche Rolle Ankara bei der Befreiung spielte, bleibt unklar.

Szenen an der Grenze: Türkische Soldaten helfen Flüchtlingen mit ihren Habseligkeiten. ap

Szenen an der Grenze: Türkische Soldaten helfen Flüchtlingen mit ihren Habseligkeiten.

DüsseldorfEine Offensive der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Norden Syriens treibt Zehntausende Kurden in die Flucht. Nach Uno-Angaben überquerten am Wochenende rund 70.000 Menschen die Grenze zur Türkei. Deren Rolle bei der Bekämpfung der IS blieb nach der geglückten Befreiung von 49 im nordirakischen Mossul festgehaltenen Geiseln unklar. Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte am Sonntag, Details über die Aktion würden geheim gehalten: „Es gibt Dinge, über die wir nicht reden können.“

Die syrisch-türkische Grenze wurde am Sonntag zeitweise geschlossen. Türkische Sicherheitskräfte gingen mit Tränengas und Wasserwerfern gegen einige Dutzend kurdischer Flüchtlinge vor. Auf der syrischen Seite stauten sich die Menschen. In dem Chaos war Gefechtslärm von Kämpfen weiter im Landesinneren zu hören.

Nach Angaben der türkischen Polizei wollten die Grenzschützer verhindern, dass kurdische Kämpfer von der Türkei nach Syrien wechseln. Der türkische Privatsender NTV berichtete jedoch, einige der gestoppten Kurden hätten angegeben, sie wollten Hilfsgüter in die umkämpfte Region bringen. Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, kurdische Demonstranten hätten Steine auf Sicherheitskräfte geworfen.

Die einflussreichsten Rebellengruppen in Syrien

Islamische Front

Sie ist ein Zusammenschluss aus sechs großen islamistischen Gruppen. Die Islamische Front ist vermutlich die größte Rebellenallianz in Syrien und verfügt über 40.000 bis 50.000 Kämpfer. Ihre Mitglieder sind sunnitische Extremisten, die einen islamischen Staat in Syrien errichten wollen. Die Haltung der Islamischen Front gegenüber den Extremisten von IS ist ambivalent. Teile der Gruppe unterstützen aber den Kampf gegen sie.

Nusra-Front

In der einflussreichen Rebellengruppe sind sowohl syrische als auch ausländische Extremisten aktiv. Sie ist von Al-Kaida offiziell als Ableger in Syrien anerkannt. Die Nusra-Front hat als erste Gruppierung in Syrien Selbstmord- und Autobombenanschläge in Stadtgebieten verübt. Sie kämpft für einen islamischen Staat, hat zwischen 7000 und 8000 Anhänger und arbeitete bislang eng mit der Islamischen Front zusammen.

Islamischer Staat

Die Gruppe wurde von abtrünnigen Mitgliedern der Nusra-Front gebildet und vereinigte sich mit dem Al-Kaida-Ableger im Irak. Früher nannte sie sich Islamischer Staat im Irak und der Levante (Isil). Angeführt wird IS von Abu Bakr al-Baghdadi, der die Forderung der Al-Kaida ignorierte, den Schwerpunkt der Aktivitäten auf den Irak zu legen. Anfang des Jahres kappte Al-Kaida die Verbindungen zur IS, die als die militanteste Extremistengruppen in Syrien gilt.

Zunächst hatte die Gruppierung unter anderem wegen ihrer strikten Haltung gegen Plünderungen einen Großteil der syrischen Bevölkerung auf ihrer Seite. Dies änderte sich, als sie begann, Kritiker zu entführen und zu töten.

Derzeit kämpft IS an mehreren Fronten - gegen rivalisierende Rebellen in Syrien und gegen die Kurden im Nordirak. Die Gruppe soll über 6000 bis 7000 Kämpfer verfügen. Im Irak wird sie durch Zehntausende Kämpfer sunnitischer Stämme unterstützt, die von der Zentralregierung in Bagdad enttäuscht sind.

Syrische revolutionäre Front

Die Allianz aus weitgehend nicht ideologisch geprägten Rebellen-Einheiten formierte sich im Dezember. Das Rückgrat der Gruppe bildet die Syrische Märtyrer-Brigade, eine einst einflussreiche Gruppe aus der nördlichen Provinz Idlib unter Führung von Dschamal Maruf. Ihm war von rivalisierenden Rebellengruppen vorgeworfen worden, für den Aufstand bestimmtes Geld in die eigene Tasche gesteckt zu haben. Die Anhänger der revolutionären Front sind weitgehend moderate Islamisten. Finanziell unterstützt wird die Gruppe vermutlich von Golfstaaten wie Saudi-Arabien.


Mudschaheddin-Armee

Sie bildete sich zu Jahresbeginn aus acht syrischen Gruppen und startete eine Offensive gegen die Extremisten von IS. Die Allianz ist moderat islamistisch und hat nach eigenen Angaben rund 5000 Mitglieder.


Höchstes Militärkommando

Es handelt sich um eine moderate, nicht ideologische Gruppe. Sie wird von westlichen Ländern wie den USA unterstützt. Auch die Türkei und die arabischen Golfstaaten stehen auf ihrer Seite. Sie hat niemals den Eindruck ausräumen können, dass ihre Führung aus dem Ausland kommt.

Aus Syrien flohen nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks vor allem kurdische Frauen, Kinder und ältere Menschen. Der Zustrom halte an, sagte die Sprecherin. Sie rief die internationale Gemeinschaft zur Hilfe auf.

In der Türkei harren inzwischen 1,5 Millionen Menschen aus, die sich vor dem seit 2011 wütenden Bürgerkrieg in Syrien geflohen sind. In den vergangenen Tagen hatte die IS-Miliz im Norden Syriens Geländegewinne verbucht und zahlreiche kurdische Dörfer erobert.

Der syrisch-kurdische Flüchtling Mohammed Osman Hamme sagte der Nachrichtenagentur AP, er habe mit seiner Familie vor zehn Tagen die Flucht ergriffen, nachdem er gehört habe, dass IS-Kämpfer auf sein Dorf Darija in der syrischen Provinz Rakka vorrückten. Nach dreitägigem Fußmarsch hätten sie die Stadt Tell Abjad an der türkischen Grenze erreicht. In den Straßen dort hätten sie vier abgetrennte Köpfe hängen sehen.

Kommentare (1)

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Herr Wolfgang Trantow

22.09.2014, 17:02 Uhr

Warum flüchten die Islamgläubige? Warum weigern sie sich mit ihren Nachbar in Frieden zu leben? Der Islam ist doch friedlich oder lügen unsere Politiker mich an??

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