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17.09.2014

14:30 Uhr

IS-Terrormiliz

Kosovo geht massiv gegen IS-Unterstützer vor

Die kosovarische Regierung reagiert kompromisslos auf potentielle IS-Unterstützer. Jüngst wurden 15 Verdächtige festgenommen. Schätzungen zufolge kämpfen im Irak und in Syrien allerdings bereits bis zu 200 Kosovaren

Gefahr für Kosovo? Kämpfer der Extremistenorganisation Islamischer Staat während einer Parade in Raqqa. ap

Gefahr für Kosovo? Kämpfer der Extremistenorganisation Islamischer Staat während einer Parade in Raqqa.

PristinaDie Regierung im Kosovo geht verstärkt gegen radikale Muslime vor, die die extremistische Sunnitenmiliz IS im Irak und Syrien unterstützen wollen. Am Mittwoch seien 15 Personen festgenommen worden, darunter auch einige islamische Geistliche, hieß es in Polizeikreisen. Darunter sind nach Berichten örtlicher Medien auch ein wichtiger Imam der großen Moschee in Pristina sowie der Chef einer islamischen Partei in dem mehrheitlich von Muslimen bewohnten Land. Den festgenommen werde Terrorismus, Gefährdung der Verfassungsordnung, Aufruhr und religiöse Hasspredigten vorgeworfen, hieß es in den Polizeikreisen.

Nach Angaben aus Geheimdienstkreisen kämpfen mittlerweile zwischen 100 bis 200 Kosovaren in Irak und Syrien. Mittlerweile haben fast alle europäischen Ländern damit zu kämpfen, dass radikalisierte muslimische Jugendliche die IS unterstützen und nach Syrien reisen wollen.

Die Terrorgruppe Islamischer Staat

Ziel

Die Organisation Islamischer Staat (IS), früher Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) genannt, gehört zu den radikalsten islamistischen Gruppen im Nahen Osten. Sie kämpft für einen sunnitischen Gottesstaat im arabischen Raum.

Ursprung

Der IS ging aus dem irakischen Widerstand der 2003 gegründeten Gruppe „Tawhid und Dschihad“ hervor, die sich gegen die US-Invasion im Irak wandte. Erster Anführer war der für seine Grausamkeit berüchtigte Jordanier Abu Mussab al-Sarkawi. Seit 2013 leitet der Iraker Abu Bakr al-Baghdadi den IS.

Aktivitäten

Die Gruppe griff Im Irak nicht nur US-Soldaten an, sondern verübte auch Selbstmordanschläge auf Schiiten und Christen im Land. Al-Sarkawi wurde 2006 von der US-Armee getötet. Seither führen Iraker die Organisation. Deren zweiter früherer Name „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ verdeutlicht den Anspruch, einen sunnitischen Großstaat zwischen Mittelmeer und Euphrat zu errichten.

Entwicklung

An Macht gewann der IS, als sie sich im Frühjahr 2013 in den syrischen Bürgerkrieg einmischte. Dort überwarf sie sich mit der aus syrischen Salafisten bestehenden Al-Nusra-Front, obwohl beide Gruppen damals dem Terrornetzwerk al-Qaida nahestanden.

Standorte

Vor allem im Nordosten Syriens greift der IS syrisch-kurdische Städte an und massakriert die Zivilbevölkerung. Im Irak profitiert die Miliz vom Streit der von Schiiten dominierten irakischen Regierung mit den sunnitischen Parteien des Landes. Am 29. Juni rief der IS das Kalifat in den von im kontrollierten Gebieten aus – mit al-Baghdadi als Kalif.

Finanzierung

Der IS finanzierte sich anfangs vor allem durch Spenden aus den Golfstaaten Katar und Saudi-Arabien, aber auch durch Wegzölle entlang der Grenzen zwischen Irak und Syrien. Mit den Landgewinnen nahmen die Gewinne aus illegalen Ölverkäufen der kontrollierten Felder zu.

Söldner

In den Reihen der Gruppe kämpfen internationale Brigaden, darunter Muslime aus Nordafrika und den arabischen Golfstaaten sowie Konvertiten aus Europa und Nordamerika.

Die Zahl deutscher IS-Unterstützer, die nach Syrien gereist sind, soll bei rund 400 liegen. Geheimdienstkreise warnen, dass Länder mit starken oder überwiegenden muslimischem Bevölkerungsanteilen wie Bosnien-Herzegowina, Albanien, Kosovo oder die Türkei besonders stark betroffen sind.

Von

rtr

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