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12.04.2016

10:23 Uhr

IS und die Bundeswehr

Soldat Sascha B. – der Dschihadist beim Bund

Unauffällig, aber ein erfolgreicher Soldat – so beschreiben ihn die Kameraden bei der Truppe. Dann verändert sich Sascha B. Aus dem Soldaten wird ein Dschihadist. Wird die Bundeswehr zum Ausbildungscamp für Terroristen?

Sascha B. gilt als ruhig, aber sozial aktiv. Dann verändert er sich. dpa

Soldat der Bundeswehr

Sascha B. gilt als ruhig, aber sozial aktiv. Dann verändert er sich.

BerlinFast drei Jahre gilt Sascha B. als unauffälliger, aber erfolgreicher Soldat. Bei den Panzergrenadieren im lippischen Augustdorf schafft er es schnell vom Gefreiten zum Stabsunteroffizier. Er übernimmt Führungsverantwortung, zeigt Wehrdienstleistenden, wie man mit Waffen umgeht. Seine Kameraden beschreiben ihn als ruhig, aber sozial aktiv. Dass er schon vor Eintritt in die Bundeswehr zum Islam konvertierte, spielt für seine militärische Karriere keine Rolle.

Seine Wandlung beginnt nach einem Lehrgang im niedersächsischen Munster. Der damals 26-Jährige lässt sich einen 14 Zentimeter langen Bart wachsen, trägt in seiner Freizeit nur noch traditionelle arabische Kleidung. Mehrfach verlässt er unerlaubt seinen Arbeitsplatz.

Seine Vorgesetzten fangen an, sich zu wundern. Echte Probleme bekommt B. aber erst, als er einem Reservisten die Ausbildung an einer Feuerwaffe verweigert. Zur Begründung sagt er, die Waffe könne gegen muslimische Glaubensbrüder gerichtet werden. Panzergrenadiere aus Augustdorf waren kurz zuvor als schnelle Eingreiftruppe in den Kampfeinsatz gegen die radikalislamischen Taliban in Afghanistan geschickt worden.

Es folgen erste Befragungen durch den Kompaniechef. B. weigert sich, seinen Bart auf etwa zwei Zentimeter zu stutzen und beruft sich auf die Religionsfreiheit. Er droht mit einer Demonstration von Glaubensbrüdern vor der Kaserne.

Die vielen Namen der Extremistenmiliz IS

Isil

Die Abkürzung steht für „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ und ist vor allem im Englischen noch häufig zu hören. Sie kommt der Übersetzung des arabischen Namens recht nahe. Dort ist vom Islamischen Staat im Irak und „al-Scham“ die Rede, also Großsyrien unter den Omajaden und später den Abbasiden.

Isis

Die Kurzform von „Islamischer Staat im Irak und Syrien“.

Isig

Diese Abkürzung benutzt die Bundesanwaltschaft in ihren Pressemitteilungen. Sie steht für den „Islamischen Staat im Irak und Großsyrien“.

IS

So nennt sich die Organisation selbst seit der Ausrufung ihres Kalifats 2014. Die Abkürzung steht für „Islamischer Staat“. Kritiker lehnen diese Bezeichnung ab, weil sie den Anspruch der Miliz untermauere, einen echten Staat – und noch dazu einen islamischen – geschaffen zu haben. Manche sprechen deshalb vom „sogenannten Islamischen Staat“.

Daesch oder Daisch

Als Alternative ist in den vergangenen Monaten vermehrt die Bezeichnung Daesch oder Daisch in Mode gekommen. Dies ist die arabische Abkürzung für die Bezeichnung „Islamischer Staat im Irak und al-Scham“ (Al Daula al-Islamija fi al-Irak wa al-Scham). In den Ohren von Muttersprachlern klingt sie despektierlich, der IS selbst lehnt sie ab. Das ist ein Grund mehr für Gegner der Extremisten, sie zu verwenden.

Jetzt schaltet sich der Militärische Abschirmdienst (MAD) ein. Schutz der Bundeswehr vor Extremismus gehört zu den Kernaufgaben des bundeswehreigenen Geheimdienstes.

Zwei Mal wird der junge Soldat vernommen. Der MAD notiert anschließend, der Unteroffizier – als Dawa, also als missionarischen Ruf zum Islam.

Es stellt sich heraus, dass der 26-Jährige in salafistischen Moscheen unterwegs war und auch Flugblätter verteilt hat. Die MAD-Leute zitieren ihn mit den Worten: „Wenn ich zwischen zwei Übeln wählen kann, die Bundeswehr oder kein Auskommen zu haben, entscheide ich mich für das kleinere und bleibe bei der Bundeswehr.“

Für die Geheimdienstler ist der Fall klar. Sascha B. ist ein Extremist, der nicht auf dem Boden des Grundgesetzes steht und damit nicht in die Bundeswehr gehört. Sieben Monate nach den ersten Befragungen wird er entlassen. Er selbst fühlt sich nach späteren Aussagen falsch beurteilt und stuft sich nicht als Extremist ein.

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Das war 2010. Der Fall von Sascha B. war das erste Mal, dass öffentlich größer über einen Islamisten bei der Bundeswehr berichtet wurde. Den syrischen Bürgerkrieg gab es damals noch nicht. Die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) kannte auch kaum jemand. Und dass junge Muslime in Europa für den Dschihad, den Heiligen Krieg der Muslime, rekrutiert werden könnten, war noch kein Thema.

Das alles folgte erst in den Jahren danach - und Sascha B. blieb kein Einzelfall. Nach einer aktuellen Aufstellung des MAD, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, wurden in den vergangenen zehn Jahren 22 Soldaten der Bundeswehr als Islamisten eingestuft. 17 davon wurden anschließend entlassen, bei den anderen 5 Fällen lief die Dienstzeit ohnehin aus.

Kommentare (19)

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Frau Annette Bollmohr

12.04.2016, 10:34 Uhr

Dieses Beispiel wirft ein grelles Schlaglicht darauf, wie sehr der Islam heute auf Dogma und Indoktrination beruht.

In solchen Fällen wie dem in Ihrem Artikel geschilderten muss man - wie meistens - wohl eher von Gehirnwäsche als von charakterlichen Defiziten reden.

Und er sollte Anlass sein, nochmal gründlich darüber nachzudenken, was genau in unserer heutigen Zeit unter "Religionsfreiheit" zu verstehen ist.

Herr Tom Schmidt

12.04.2016, 10:43 Uhr

Frau Feldwebel ist das schon etwas mimosenhaft! Also das Verfahren für eine Ü3 wird ja nicht nur für Soldaten angewandt. Und das bereits Auslandsaufenthalte (bzw. Kontakte) in speziellen Ländern das Verfahren ganz schön in die Länge ziehen ist bekannt. Sich darüber zu beklagen ist schon etwas geistlos! Schließlich ist der Beruf der Frau die Sicherheit! Und um das zu erreichen müssen sich alle Mitarbeiter/Soldaten eben auch Verfahren unterwerfen bzw. der Problematik stellen. Wenn man das nicht will, kann man auch Kindergärtner/in werden!

Rainer von Horn

12.04.2016, 10:48 Uhr

Religionsfreiheit setzt Toleranz gegenüber Andersgläubigen voraus. Genau daran scheint es den Anhängern des Islam jedoch zu fehlen. Eigentlich müsste es doch unter den muslimischen Glaubensbrüdern eine Anti-Dschihad-Bewegung geben - nur ich kenne keine. Und unsere sogenannten Volksvertretern blenden diese Realitäten konsequent aus - unser Justizminister scheint sich dieser Tage wohl mehr um das Verhüllen von Frauenkörpern in Werbespots zu kümmern, als um seine eigentlichen Aufgaben. Eie Forderung übrigens, die man bisher wohl eher von radikalen islamistischen Religionsführern kannte.

Ich hoffe nur dass der "Sacha" ein Einzelfall ist. Schliesslich wird man ja nicht müde zu fordern, die Bundeswehr im Inneren einzusetzen...

Wo bitte ist dieses Land unter Merkel nur hingekommen? GRAUSAM!

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