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22.12.2015

09:46 Uhr

IS und Taliban – Machtkampf in Afghanistan

Terroristen gegen Terroristen

Die Terrormiliz IS verliert im Irak und Syrien an Boden, greift aber nach Afghanistan. Noch sind die Taliban in der Überzahl, doch der IS hat immer mehr Erfolg: Er wirbt perspektivlose Männer an – und verbreitet Angst.

Der örtliche IS-Anführer in der Provinz von Kunar: Die Terroristen machen den Taliban die Vormachtstellung in einigen Gebieten streitig. dpa

Zwei Kinder mit IS-Flagge

Der örtliche IS-Anführer in der Provinz von Kunar: Die Terroristen machen den Taliban die Vormachtstellung in einigen Gebieten streitig.

Dschalalabad, KundusKämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zwangen Rahman Gul und neun weitere Afghanen, über im Boden vergrabenen Bomben in die Knie zu gehen. Dann zündeten die Extremisten in der ostafghanischen Provinz Nangarhar die Sprengsätze. Die Bluttat vom August wurde gefilmt und in sozialen Medien gepostet. Mittels des makabren Videos erfuhr der 44-jährige Rahman Wali vom Schicksal seines Bruders, Rahman Gul.

Gul, ein Imam im abgelegenen Bezirk Schinwar an der Grenze zu Pakistan, war Wochen zuvor mit seiner Frau und den sechs Kindern entführt worden. Frau und Kinder kamen rasch wieder frei. Nach dem Tod seines Bruders flohen Wali und seine Familie in ein provisorisches Lager in der Provinzhauptstadt Dschalalabad. Tausende Menschen aus den Tälern nahe der Grenze haben sich dorthin geflüchtet, um dem immer heftiger werdenden Machtkampf zwischen den Taliban und dem afghanischen Ableger des IS zu entkommen.

Während der IS in seinem Kerngebiet Nordirak und Syrien an Boden verliert, schafft er sich neue Einflussgebiete und Einnahmequellen, etwa im zerfallenden Libyen, im Jemen oder eben in Afghanistan.

Glossar – der politische Islam

Einen einheitlichen Islam...

… gibt es nicht. Die Religion hat etwa 1,6 Milliarden Anhänger weltweit. Doch die regional unterschiedlichen Spielarten des Glaubens variieren stark. Die meisten Muslime leben beispielsweise nicht etwa in einem Land auf der arabischen Halbinsel, sondern in Indonesien. Dort sind mit knapp 13 Prozent aller Muslime der Welt so viele Gläubige beheimatet wie in keinem anderen Staat.

Die Verwendung...

… von Begriffen wie Islamismus, politischem Islam, Fundamentalismus, radikalem Islam und Dschihadismus erfolgt in der Debatte oft nicht trennscharf. Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 werden sie oftmals synonym und wenig trennscharf verwendet. Meist sollen mit „Islamismus“ solche fanatischen und gewalttätigen Gruppen mit terroristischer Ausrichtung erfasst werden, die sich auf den Islam beziehen.

Islamismus...

… bzw. Islamisten stehen für für alle politischen Auffassungen und Handlungen, die im Namen des Islams die Errichtung einer allein religiös legitimierten Gesellschafts- und Staatsordnung anstreben.

Problematisch ist,...

… dass gerade späteren Strömungen die Absicht eigen ist, den Islam nicht nur zur verbindlichen Leitlinie für das individuelle, sondern auch für das gesellschaftliche Leben zu machen. Oft geht das einher mit einer Ablehnung der Trennung von Religion, was ein Spannungsverhältnis schafft zu den Prinzipien von Individualität, Menschenrechten, Pluralismus, Säkularität und Volkssouveränität.

Friedliche Islamisten...

… sehen die Gewaltanwendung zur Durchsetzung ihres Ziels – der Errichtung eines islamischen Staats - nicht als ihr vorrangiges politisches Instrument.

Als Mittel des Widerstands...

… haben sich islamistische Strömungen allerdings in vielen Staaten entwickelt. Grobe Faustregel: Je stärker sie unterdrückt wurden, desto eher neigten sie zur Radikalisierung und einer Fokussierung auf den bewaffneten Kampf. So etwa in Syrien und in Ägypten.

Terrorismus...

… ist daher eines von mehreren Mitteln und Handlungsstilen, die Islamisten benutzen. Andere Beispiele sind Parteipolitik und Sozialarbeit.

Der Dschihad...

… bedeutet wörtlich „Anstrengung, Kampf, Bemühung, Einsatz“ für Gott, nicht Gotteskrieg. Man muss unterscheiden zwischen dem „großen Dschihad“ als Kampf gegen sich selbst, also umgangssprachlich gesagt Überwindung des eigenen „inneren Schweinehundes“ und dem „kleinen Dschihad“, dem Kampf im militärischen Sinne. Die Übersetzung von Dschihadisten als „Gotteskrieger“ verzerrt den Begriff daher, weil es einen einseitigen Fokus auf den bewaffneten Kampf legt.

Berichte über eine IS-Präsenz in Afghanistan tauchten erstmals Anfang dieses Jahres in der südlichen Provinz Helmand auf. Im Sommer erschienen IS-Extremisten auch in Nangarhar, wo sie die Taliban an der Grenze in Kämpfe verwickelten. Laut US-General John Campbell, dem Kommandeur der US- und Nato-Truppen in Afghanistan, fielen vier Bezirke an den IS.

Über die südafghanische Provinz Helmand verliert die Regierung längst die Macht – und die Terroristen des IS und der Taliban konkurrieren um die Kontrolle. Nach Angaben der lokalen Verwaltung haben die Taliban inzwischen mehr als zwei Drittel der Provinz eingenommen.

Seit dem Wochenende rücken die islamistischen Milizionäre in Sangin ein, die zweitgrößte Stadt Helmands. Die Taliban haben Regierungsgebäude und den Basar gestürmt. Die Sicherheitskräfte haben sich nach schweren Verlusten in ihre Stützpunkte zurückgezogen. Provinzbeamte melden mindestens 90 Tote in der 15.000-Einwohner-Stadt.

Britisches und US-Militär haben laut „Times" und „Wall Street Journal" inzwischen Spezialkräfte nach Sangin verlegt. Denn der Ort hat strategisch eine hohe Bedeutung: Durch den Ort verläuft die wichtigste Straße, die Kabul mit Helmands Provinzhauptstadt Lashkar Gah verbindet.

Zudem ist Sangin ein Zentrum der Opiumproduktion. Sollten die Taliban den Ort dauerhaft erobern, könnten sie sich damit wieder eine wichtige Einnahmequelle sichern – und wären für den IS ein härterer Gegner als die afghanischen Truppen.

So versuchten IS-Anhänger in Afghanistan nun, die Verbindungen zum selbst ernannten „Kalifat“ in den vom IS eroberten Gebieten in Syrien und Irak zu konsolidieren, erklärte Campbell in einem Interview der Nachrichtenagentur AP.

Kommentare (5)

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Herr Christian Kerscher

22.12.2015, 10:24 Uhr

.....ach die Herren Taliban und ein Gutes Altes G3 aus Deutscher Produktion in den Händen. Ein Schelm der Böses dabei denkt.

Herr Franz Paul

22.12.2015, 10:32 Uhr

Gell, das hab ich auch gleich gesehen. Wo er das wohl her hat? Bestimmt nicht auf seiner Sportschützen-Waffenbesitzkarte eingetragen! So ein böser aber auch! Wenn das Bild einen Deutschen zeigen würde, würde er alleine dafür 5 Jahre Haft bekommen.
Wie man sieht: Die Verbrecher dieser Welt bekommen IMMER alle Waffen die sie wollen.
Und die "tolle" EU-Kommission möchte uns weiter entwaffnen. Damit Taliban, IS und Co. uns in Zukunft noch leichter abschlachten können. Der Islam gehört zu Deutschland!!!!

Herr Grutte Pier

22.12.2015, 10:54 Uhr

@Paul

Sie brauchen sich doch wirklich keine Sorgen machen......

Der "Staat" und die EU wird uns schon zu schützen wissen, so wie man die Grenzen schützt, unsere Sozialkassen schützt, unsere Freiheit schützt usw. usw. usw.

Man muss zwar noch etwas üben, aber irgendwann klappt das schon (wieder)......

!!!! MERKEL MUSS WEG !!!!

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