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27.08.2014

12:51 Uhr

IS-Vormarsch

Immer mehr Länder liefern Waffen

Die Terrorgruppe IS ist auch in Syrien auf dem Vormarsch. Damit wächst der Druck auf die US-Regierung, in dem Land einzugreifen. Nach dem Irak werden auch in Syrien US-Luftangriffe wahrscheinlicher.

Die tragbare Panzerabwehrwaffe Milan: Solche Waffen liefern immer mehr Staaten. dpa

Die tragbare Panzerabwehrwaffe Milan: Solche Waffen liefern immer mehr Staaten.

Washington/BerlinAngesichts der wachsenden Bedrohung durch Terrormiliz Islamischer Staat (IS) unterstützen immer mehr Länder die Kurden im Nordirak mit Waffen. Nach Angaben des US-Verteidigungsministerium liefern nun auch Kanada, Dänemark, Kroatien und Albanien Kriegsgerät. Die Lieferungen, die auch militärische Ausrüstung enthielten, hätten bereits begonnen, teilte US-Verteidigungsminister Chuck Hagel am Dienstag mit. Sie sollten in den kommenden Tagen noch zunehmen und auch die Unterstützung weiterer Länder beinhalten, hieß es.

Das dänische Parlament wollte noch am Mittwoch darüber abstimmen, ob ein Herkules-Flugzeug in den Irak geschickt werden soll. Dieses könnte mit leichten Waffen beladen werden, die aber nicht aus Dänemark kommen. Zuvor hatte das Pentagon auch Dänemark unter den Staaten aufgelistet, die Waffen zur Verfügung stellen werden.

Die Terrorgruppe Islamischer Staat

Ziel

Die Organisation Islamischer Staat (IS), früher Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) genannt, gehört zu den radikalsten islamistischen Gruppen im Nahen Osten. Sie kämpft für einen sunnitischen Gottesstaat im arabischen Raum.

Ursprung

Der IS ging aus dem irakischen Widerstand der 2003 gegründeten Gruppe „Tawhid und Dschihad“ hervor, die sich gegen die US-Invasion im Irak wandte. Erster Anführer war der für seine Grausamkeit berüchtigte Jordanier Abu Mussab al-Sarkawi. Seit 2013 leitet der Iraker Abu Bakr al-Baghdadi den IS.

Aktivitäten

Die Gruppe griff Im Irak nicht nur US-Soldaten an, sondern verübte auch Selbstmordanschläge auf Schiiten und Christen im Land. Al-Sarkawi wurde 2006 von der US-Armee getötet. Seither führen Iraker die Organisation. Deren zweiter früherer Name „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ verdeutlicht den Anspruch, einen sunnitischen Großstaat zwischen Mittelmeer und Euphrat zu errichten.

Entwicklung

An Macht gewann der IS, als sie sich im Frühjahr 2013 in den syrischen Bürgerkrieg einmischte. Dort überwarf sie sich mit der aus syrischen Salafisten bestehenden Al-Nusra-Front, obwohl beide Gruppen damals dem Terrornetzwerk al-Qaida nahestanden.

Standorte

Vor allem im Nordosten Syriens greift der IS syrisch-kurdische Städte an und massakriert die Zivilbevölkerung. Im Irak profitiert die Miliz vom Streit der von Schiiten dominierten irakischen Regierung mit den sunnitischen Parteien des Landes. Am 29. Juni rief der IS das Kalifat in den von im kontrollierten Gebieten aus – mit al-Baghdadi als Kalif.

Finanzierung

Der IS finanzierte sich anfangs vor allem durch Spenden aus den Golfstaaten Katar und Saudi-Arabien, aber auch durch Wegzölle entlang der Grenzen zwischen Irak und Syrien. Mit den Landgewinnen nahmen die Gewinne aus illegalen Ölverkäufen der kontrollierten Felder zu.

Söldner

In den Reihen der Gruppe kämpfen internationale Brigaden, darunter Muslime aus Nordafrika und den arabischen Golfstaaten sowie Konvertiten aus Europa und Nordamerika.

Die Bundesregierung wird nach den Worten von Kanzlerin Angela Merkel spätestens am Wochenende über Waffenlieferungen an den Irak entscheiden. „Wir werden im Laufe dieser Woche, einschließlich Sonntag, sag ich mal, also noch vor der Bundestagssitzung, unsere abschließenden Entscheidungen fällen“, sagte sie dem Sender MDR Info. Die CDU-Vorsitzende betonte, der Bundestag könne dann über das Thema debattieren, es werde aber keine formale Entscheidung des Parlaments geben.

Italien, Frankreich und Großbritannien, denen Hagel ebenfalls für ihre Mitarbeit dankte, hatten zuvor bereits Rüstungslieferungen für den Kampf gegen die IS-Miliz in Aussicht gestellt. Die Terrorgruppe will ein länderübergreifendes Kalifat mit Irak und Syrien errichten und hat dabei bereits zahlreiche Gräueltaten gegen Zivilisten verübt. Der Iran hat ebenfalls militärisches Material.

Das US-Militär begann unterdessen mit Aufklärungsflügen über Syrien als Vorbereitung für mögliche Luftangriffe gegen die Terrormiliz. Die Drohnenflüge sollten helfen, Attacken aus der Luft gegen die Terrorgruppe auf syrischem Territorium vorzubereiten, berichtete der TV-Sender NBC am Dienstag. Bombardements von IS-Stellungen in Syrien seien jedoch noch nicht beschlossen worden. Eine Entscheidung könne Ende der Woche fallen.

Das Weiße Haus in Washington bestätigte die Berichte nicht. Allerdings sagte eine Sprecherin der Nachrichtenagentur dpa: „Wir schränken unsere Optionen nicht durch geografische Grenzen ein, wenn es um unsere zentrale Mission geht, unsere Bürger zu beschützen“. Nach US-Medienberichten hatte Präsident Barack Obama Drohnenflüge bereits am Wochenende genehmigt. Eine Zustimmung der syrischen Regierung solle dafür nicht eingeholt werden, hieß es weiter.

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