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19.06.2014

11:34 Uhr

Isis, Al-Shabab, Al-Qaida und Co.

Die Spur des Terrorgeldes

VonDésirée Linde

Die Isis-Islamisten im Irak richten ihre Geiseln hin, Lösegeld brauchen sie nicht. Auch Drogenhandel nicht. Reich sind sie trotzdem. Von Blutgeld, heimlichen Unterstützern und Finanzflüssen der Fundamentalisten.

Einziges nachhaltiges Mittel gegen die Isis: Die schiitische Regierung um Maliki muss die Sunniten, die sie bislang von der Macht ferngehalten hatte, für sich zu gewinnen. AFP

Einziges nachhaltiges Mittel gegen die Isis: Die schiitische Regierung um Maliki muss die Sunniten, die sie bislang von der Macht ferngehalten hatte, für sich zu gewinnen.

Ihr Siegeszug hat die Organisation „Islamischer Staat in Irak und Syrien“ (Isis) reich gemacht. Fast verdoppelt hat sich das Vermögen – liquide sowie in Sachwerten – der Fundamentalisten durch die Einnahme des nordirakischen Wirtschaftszentrums Mossul. Archäologische Stätten sind nun in ihrem Besitz, ebenso wie Banken inklusive deren Goldreserven. Über etwa 1,5 Milliarden US-Dollar verfügt Isis damit seither. Vor Mossul waren es 875 Millionen. Und Isis setzt ihren Marsch auf die irakische Hauptstadt Bagdad fort.

Über die Finanzen der Terrororganisation weiß die Welt nur deshalb überhaupt etwas, weil vergangene Woche mehr als 160 Speichersticks in die Hände der irakischen Regierungstruppen gefallen waren. Namen und Kriegsnamen aller ausländischen Isis-Kämpfer und von Isis-Anführern, Codewörter, die Initialen von Informanten in Ministerien sowie die kompletten Finanzdaten der Organisation waren darauf zu finden, wie der britische „Guardian“ berichtete. Analysten werden die Daten derzeit noch aus.

So viel kostet ein Terroranschlag

Die exakten Kosten...

... ... für Anschläge von Terrororganisationen sind schwierig zu bestimmen, wurden jedoch gerade als Folge von 9/11 von den Ermittlungsbehörden taxiert.

500.000 US-Dollar...

... haben demnach die Anschläge vom 11. September gekostet. Es ist die höchste Summe, die soweit bekannt, jemals für einen Terrorangriff ausgegeben wurde. Bereitgestellt wurde das Geld durch Überweisungen.

Die Kosten-Nutzen-Rechnung...

... aus Sicht der Islamisten ist dabei gerade nach 9/11 perfekt aufgegangen. Den 500.000 investierten Dollars stehen direkte Kosten des Sachschadens 15,5 Milliarden US-Dollar gegenüber plus weitere Milliarden Belastungen der Haushalte durch den „Kampf gegen den Terror“ und gesamtwirtschaftliche Kosten, etwa für Fluglinien und Versicherungen.

Die Bombenanschläge auf Bali...

... mit mehr als 200 Todesopfern im Oktober 2002 kosteten die Terroristen deutlich weniger. So wird die Summe, die dafür aufgewendet wurde, mit 50.000 Dollar taxiert.

Die Anschläge von Madrid...

... vom 11. März 2004 auf Nahverkehrszüge, bei denen 192 Menschen starben, werden mit maximal 15.000 Dollar angegeben.

Extrem niedrige Kosten...

... für die Islamisten verursachten die Anschläge auf die U-Bahn in London im Juli 2005 mit mehr als 30 Toten zur Rushhour am 7. Juli 2005. Die vier Bomben, vier Rucksäcke, Handys und Zugtickets kosteten die Terroristen höchstens 2000 Dollar.

Diese Mikrofinanzierung...

... des Terrors macht es so schwierig, die Finanzströme mit den üblichen Kontrollen aufzudecken und zu stoppen. Das zentrale Mittel dieser Organisationen sind die selbstmordbereiten Attentäter, für deren individuellen und kollektiven Deradikalisierung aus Sicht von Experten zu wenig getan wird.

Quelle

German Institute of Global and Area Studies/Konrad-Adenauer-Stiftung/eigene Recherche

Damit ist Isis nach diesem Beutezug vermutlich eine der reichsten Terrororganisationen der Welt. Zum Vergleich: Experten schätzen die Einnahmen der afghanischen Taliban auf jährlich umgerechnet rund 300 Millionen Euro ein, bei der Al-Shabab-Miliz in Somalia sind es 50 bis 70 Millionen Euro. Selbst der reichste Al-Qaida-Ableger, der in Nordafrika (AQIM), kommt mit geschätzt 60 bis 110 Millionen Euro nur auf einen Bruchteil der aktuellen Isis-Mittel.

So vielfältig die Finanzierungsquellen des Terrors sind, so undurchsichtig und schwer zu verfolgen sind die Geldflüsse des internationalen Terrorismus. Der Siegeszug der Isis sorgt dabei nicht nur überraschende Allianzen, etwa möglicherweise zwischen den USA und dem Iran, er zeigt auch wie sich die Finanzströme der Terroristen verändert haben. Staaten im Hintergrund sind nicht mehr nötig.

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Islamisten auf dem Vormarsch als PDF

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

19.06.2014, 11:57 Uhr

Der Gründer hat 60 Angriffskriege geführt, das wird heute einfach weiter verfolgt.

Account gelöscht!

19.06.2014, 12:01 Uhr

"Diamanten sind leicht zu schmuggeln. Die Kohlenwasserstoffverbindung erkennt kein Scanner“, ...."


Diamanten sind reinster Kohlensoff:

http://de.wikipedia.org/wiki/Diamant

Account gelöscht!

19.06.2014, 12:06 Uhr

Dem Vernehmen nach, soll der Hauptfinanzier Saudi-Arabien sein? Toll! Die Amis kaufen doch dort jede Menge Öl. Damit finanzieren sie wohl indirekt ISIS?

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