Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.06.2014

11:58 Uhr

Isis-Invasion

Petraeus gegen US-Einsatz im Irak

Der früherer US-Oberkommandeur der Streitkräfte im Irak, David Petraeus, spricht sich klar gegen militärische Hilfen in dem Land aus. Die Amerikaner seien schließlich nicht die „Luftwaffe des Nahen Ostens".

Das Chaos im Irak geht weiter: Die USA kündigten Hilfe an. Nun sprach sich aber der frühere US-Kommandeur im Irak dagegen aus. ap

Das Chaos im Irak geht weiter: Die USA kündigten Hilfe an. Nun sprach sich aber der frühere US-Kommandeur im Irak dagegen aus.

LondonDer frühere Oberkommandeur der US-Streitkräfte im Irak, General David Petraeus, hat sich gegen jegliche militärische Intervention Washingtons in dem Land ausgesprochen. Die USA drohten „zur Luftwaffe für schiitische Milizen" zu werden, sollten sie der Bitte des schiitischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki nach Unterstützung im Kampf gegen die sunnitische Dschihadistengruppe Islamischer Staat im Irak und in Großsyrien (Isis) stattgeben, warnte Petraeus am Donnerstag. Der frühere Direktor des Auslandsgeheimdiensts CIA forderte die Bildung einer Regierung unter Einschluss aller Volksgruppen.

„Wenn es Unterstützung für den Irak geben soll, muss es Unterstützung für eine Regierung sein, die eine Regierung des ganzen Volkes ist und alle Elemente des Irak vertritt", sagte Petraeus auf einer Konferenz in London.

Die Terrorgruppe Islamischer Staat

Ziel

Die Organisation Islamischer Staat (IS), früher Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) genannt, gehört zu den radikalsten islamistischen Gruppen im Nahen Osten. Sie kämpft für einen sunnitischen Gottesstaat im arabischen Raum.

Ursprung

Der IS ging aus dem irakischen Widerstand der 2003 gegründeten Gruppe „Tawhid und Dschihad“ hervor, die sich gegen die US-Invasion im Irak wandte. Erster Anführer war der für seine Grausamkeit berüchtigte Jordanier Abu Mussab al-Sarkawi. Seit 2013 leitet der Iraker Abu Bakr al-Baghdadi den IS.

Aktivitäten

Die Gruppe griff Im Irak nicht nur US-Soldaten an, sondern verübte auch Selbstmordanschläge auf Schiiten und Christen im Land. Al-Sarkawi wurde 2006 von der US-Armee getötet. Seither führen Iraker die Organisation. Deren zweiter früherer Name „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ verdeutlicht den Anspruch, einen sunnitischen Großstaat zwischen Mittelmeer und Euphrat zu errichten.

Entwicklung

An Macht gewann der IS, als sie sich im Frühjahr 2013 in den syrischen Bürgerkrieg einmischte. Dort überwarf sie sich mit der aus syrischen Salafisten bestehenden Al-Nusra-Front, obwohl beide Gruppen damals dem Terrornetzwerk al-Qaida nahestanden.

Standorte

Vor allem im Nordosten Syriens greift der IS syrisch-kurdische Städte an und massakriert die Zivilbevölkerung. Im Irak profitiert die Miliz vom Streit der von Schiiten dominierten irakischen Regierung mit den sunnitischen Parteien des Landes. Am 29. Juni rief der IS das Kalifat in den von im kontrollierten Gebieten aus – mit al-Baghdadi als Kalif.

Finanzierung

Der IS finanzierte sich anfangs vor allem durch Spenden aus den Golfstaaten Katar und Saudi-Arabien, aber auch durch Wegzölle entlang der Grenzen zwischen Irak und Syrien. Mit den Landgewinnen nahmen die Gewinne aus illegalen Ölverkäufen der kontrollierten Felder zu.

Söldner

In den Reihen der Gruppe kämpfen internationale Brigaden, darunter Muslime aus Nordafrika und den arabischen Golfstaaten sowie Konvertiten aus Europa und Nordamerika.

Der General hatte sich während seines Einsatzes in der nordirakischen Stadt Mossul nach dem US-Einmarsch 2003 für die stärkere Einbindung der sunnitischen Minderheit in der Politik und den Sicherheitskräften eingesetzt. Die Sunniten, die bis zum Sturz von Machthaber Saddam Hussein stets die Regierung anführten, klagen seit Jahren über Benachteiligung.

´Sunnitische Politiker und Stammesführer hatten vergangenes Jahr in mehreren Städten Protestlager errichtet, um gegen eine Politik zu protestieren, die sie als Verfolgung und Ausgrenzung ihrer Volksgruppe empfinden. Die Lager wurden von der Regierung gewaltsam geräumt. Die Isis-Kämpfer werden nun bei ihrem Vormarsch auf die Hauptstadt Bagdad auch von gemäßigten Sunniten unterstützt. Am Mittwoch appellierte auch US-Vizepräsident Joe Biden an die irakische Führung, eine Politik der nationalen Einheit zu verfolgen.

Biden forderte in Telefonaten mit Regierungschef al-Maliki, Parlamentspräsident Osama al-Nudschaifi sowie dem Präsidenten der Kurden-Region, Masud Barsani, die bessere Koordinierung der Sicherheitsfragen sowie die rasche Bildung einer neuen Regierung. Biden forderte laut dem Weißen Haus insbesondere al-Maliki auf, alle Bevölkerungsgruppen einzubinden, „die Stabilität und Einheit in der irakischen Bevölkerung zu fördern und die legitimen Bedürfnisse der verschiedenen irakischen Volksgruppen zu berücksichtigen".

Auch US-Generalstabschef Martin Dempsey machte den Umgang der irakischen Regierung mit der sunnitischen Minderheit für das Erstarken der Islamisten verantwortlich. Die Führung um al-Maliki habe die Iraker „im Stich gelassen", sagte Dempsey bei einer Anhörung im Senat. Die USA hätten die Verantwortlichen in Bagdad in den vergangenen Jahren immer wieder auf die Risiken einer Ausgrenzung der Sunniten hingewiesen. Nun habe Isis einige sunnitische Offiziere der irakischen Armee auf seine Seite ziehen können.

Von

afp

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×