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18.06.2014

13:45 Uhr

Isis-Offensive

Islamisten greifen Iraks größte Öl-Raffinerie an

Die Kämpfer der islamistischen Isis rücken im Irak weiter vor. Nun nahmen sie die größte Ölraffinerie des Landes unter Beschuss. Während die Dschihadisten weitere Geiseln nahmen, schickte Iran eine deutliche Warnung.

Kampf gegen Fundamentalisten

Rebellen bedrohen Ölraffinerie

Kampf gegen Fundamentalisten: Rebellen bedrohen Ölraffinerie

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Gut eine Woche nach Beginn des Islamistenvormarsches im Irak unternimmt der umstrittene Regierungschef Nuri al-Maliki erste Anstrengungen für einen Dialog. Sunnitische und schiitische Politiker forderten nach einem Treffen in der stark gesicherten Hauptstadt Bagdad die Bevölkerung auf, zusammenzustehen. Sunniten und Schiiten müssten eine Einheit gegen die „Terroristen“ bilden, hieß es. Zugleich entließ Al-Maliki ranghohe Militärs in den von der Terrorgruppe Isis überrannten Gebieten.

Die Dschihadisten übernahmen am Mittwoch die größte Öl-Raffinerie im Irak. Der Betrieb war erst am Vortag aus Sicherheitsgründen eingestellt worden. Wie aus Sicherheitskreisen verlautete, hatten Isis-Kämpfer die Anlage in Baidschi rund 200 Kilometer nördlich von Bagdad am Morgen unter Beschuss genommen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur „All Iraq“ reagierten irakische Regierungstruppen mit Luftangriffen auf Stützpunkte der sunnitischen Extremisten.

Die Terrorgruppe Islamischer Staat

Ziel

Die Organisation Islamischer Staat (IS), früher Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) genannt, gehört zu den radikalsten islamistischen Gruppen im Nahen Osten. Sie kämpft für einen sunnitischen Gottesstaat im arabischen Raum.

Ursprung

Der IS ging aus dem irakischen Widerstand der 2003 gegründeten Gruppe „Tawhid und Dschihad“ hervor, die sich gegen die US-Invasion im Irak wandte. Erster Anführer war der für seine Grausamkeit berüchtigte Jordanier Abu Mussab al-Sarkawi. Seit 2013 leitet der Iraker Abu Bakr al-Baghdadi den IS.

Aktivitäten

Die Gruppe griff Im Irak nicht nur US-Soldaten an, sondern verübte auch Selbstmordanschläge auf Schiiten und Christen im Land. Al-Sarkawi wurde 2006 von der US-Armee getötet. Seither führen Iraker die Organisation. Deren zweiter früherer Name „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ verdeutlicht den Anspruch, einen sunnitischen Großstaat zwischen Mittelmeer und Euphrat zu errichten.

Entwicklung

An Macht gewann der IS, als sie sich im Frühjahr 2013 in den syrischen Bürgerkrieg einmischte. Dort überwarf sie sich mit der aus syrischen Salafisten bestehenden Al-Nusra-Front, obwohl beide Gruppen damals dem Terrornetzwerk al-Qaida nahestanden.

Standorte

Vor allem im Nordosten Syriens greift der IS syrisch-kurdische Städte an und massakriert die Zivilbevölkerung. Im Irak profitiert die Miliz vom Streit der von Schiiten dominierten irakischen Regierung mit den sunnitischen Parteien des Landes. Am 29. Juni rief der IS das Kalifat in den von im kontrollierten Gebieten aus – mit al-Baghdadi als Kalif.

Finanzierung

Der IS finanzierte sich anfangs vor allem durch Spenden aus den Golfstaaten Katar und Saudi-Arabien, aber auch durch Wegzölle entlang der Grenzen zwischen Irak und Syrien. Mit den Landgewinnen nahmen die Gewinne aus illegalen Ölverkäufen der kontrollierten Felder zu.

Söldner

In den Reihen der Gruppe kämpfen internationale Brigaden, darunter Muslime aus Nordafrika und den arabischen Golfstaaten sowie Konvertiten aus Europa und Nordamerika.

Angesichts der Kämpfe hat der Ölpreis am Mittwochmorgen sein hohes Niveau behauptet. Nordseeöl der Sorte Brent kostete mit 113,58 Dollar 0,1 Prozent je Barrel (159 Liter) mehr als am Vorabend, US-Leichtöl der Sorte WTI notierte mit 106,87 Dollar 0,5 Prozent höher.

Nach internationalen Warnungen vor einem Auseinanderbrechen des irakischen Staates trafen sich am späten Dienstagabend erstmals sunnitische und schiitische Spitzenpolitiker in Bagdad zum Dialog. An dem Treffen nahmen der schiitische Ministerpräsident Al-Maliki, der ehemalige Übergangsregierungschef Ibrahim al-Dschafari, der sunnitische Präsident des alten Parlaments, Osama al-Nudschaifi, der ebenfalls sunnitische Vize-Premierminister Saleh al-Mutlak und der schiitische Energieminister Hussein al-Schahristani teil.

Vor gut einer Woche hatten Isis-Extremisten die Millionenstadt Mossul im Nordirak eingenommen. Inzwischen kämpfen die Islamisten bereits wenige Dutzend Kilometer von Bagdad entfernt gegen Regierungstruppen und schiitische Freiwillige, die sich massenweise zum Dienst an der Waffe melden.

Der iranische Präsident Hassan Ruhani warnte die Terrorgruppe. „Wir werden alles unternehmen, um unsere heiligen (schiitischen) Stätten Kerbela, Nadschaf und Samarra vor Terroristen und Mördern zu schützen, sagte er in Lorestan in Südwestiran. Der Iran will unter allen Umständen die Herrschaft der Schiiten von Teheran über Bagdad und Damaskus bis nach Beirut sichern.

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