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04.07.2014

07:25 Uhr

Isis-Terroristen

US-Militär zweifelt an irakischen Streitkräften

Ist die Einheit des Irak noch zu retten? Kann sie den Irak retten? Isis-Milizen kontrollieren immer größere Gebiete. Nach Ansicht des US-Militärs entgleitet Bagdad die Macht. Das ist nicht nur für den Irak eine Gefahr.

Männer tragen den Sarg eines irakischen Soldaten, der während Gefechten mit Isis-Terroristen getötet wurde. dpa

Männer tragen den Sarg eines irakischen Soldaten, der während Gefechten mit Isis-Terroristen getötet wurde.

WashingtonUS-Generalstabschef Martin Dempsey zweifelt an den Fähigkeiten der irakischen Armee im Kampf gegen die Isis-Terroristen. Die irakischen Truppen seien zwar in der Lage, die Hauptstadt Bagdad zu verteidigen, eine Offensive würde sie aber vor eine Herausforderung stellen. Dabei dürfte es vor allem logistische Probleme geben, sagte Dempsey am Donnerstag im Verteidigungsministerium in Washington vor Journalisten. Einzelheiten nannte er nicht. Die islamistischen Isis-Milizen kontrollieren weite Teile des West- und Nordiraks.

Entscheidend für einen Erfolg im Kampf gegen Isis seien aber auch politische Fortschritte im Irak, machte Dempsey klar. Es komme darauf an, dass es der politischen Führung gelinge, eine „Regierung der nationalen Einheit“ zu bilden.

Isis - Radikale Kämpfer für den Gottesstaat

Entstehung

Isis wurde 2003 von dem Jordanier Abu Mussab al-Sarkawi unter dem Namen "Al-Kaida im Irak" gegründet. Die US-Streitkräfte töteten Sarkawi im Sommer 2006 mit einem gezielten Luftangriff. Der neue Anführer Abu Bakr al-Baghdadi gab der Bewegung im April 2013 ihren arabischen Namen, der im Westen unterschiedlich abgekürzt wird: Gebräuchlich sind auch Isil (das L steht hier für die Levante, die große Teile des Nahen Ostens umfasst) oder Isig (das G steht für Großsyrien). In der Region ist die Gruppe unter der arabischen Abkürzung Daesch bekannt.

Verhältnis zu Al-Kaida

Al-Baghdadi liegt mit der ursprünglichen Al-Kaida, die von Aiman al-Sawahiri von Pakistan aus gesteuert wird, im Clinch. Beharrlich ignoriert er deren Forderung, den Schwerpunkt seiner Aktivitäten auf den Irak zu legen. Anfang des Jahres kappte Al-Kaida offiziell die Verbindungen zu Isis, die mittlerweile als militanteste Islamistengruppe in Syrien gilt. Sie ist noch radikaler als Al-Kaida.

Mannstärke

Derzeit kämpft Isis an mehreren Fronten - gegen rivalisierende Rebellen in Syrien, die dortige Führung und gegen die irakische Armee. Die Gruppe soll Sicherheitskreisen zufolge über mehr als 10.000 Kämpfer verfügen. Nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft verübt Isis Attentate und Selbstmordanschläge in Syrien und ist für Erschießungen und Geiselnahmen verantwortlich. Die Gruppe gehe auch gegen Zivilisten und Angehörige von Hilfsorganisationen vor.

Anschläge

Im Irak verübte Isis 2013 laut dem Verfassungsschutzbericht Anschläge gegen Regierungseinrichtungen, Polizeiwachen und religiöse Feiern der schiitischen Bevölkerung. Außerdem befreite die Gruppe bei einem Angriff mit Granatwerfern, Autobomben und Selbstmordattentätern rund 500 Gefangene aus den irakischen Gefängnissen Abu Ghraib und Tadschi. Die Regierungstruppen konnten die Lage erst mit dem Einsatz von Kampfjets unter Kontrolle bringen. Isis bildet laut Verfassungsschutzbericht auch gezielt Kinder für den Kampf im syrischen Bürgerkrieg aus.

Die Bundesanwaltschaft erhob Ende Mai Anklage gegen drei mutmaßliche Isis-Anhänger, die in Deutschland Ausrüstung und Geld für die Organisation beschafft haben sollen.

Ziel

Ziel von Isis ist die Schaffung eines islamischen Gottesstaates, der über den Irak bis nach Syrien reicht. Er soll das historische Großsyrien umfassen, auf Arabisch wird diese Region als "al-Scham" bezeichnet. Die sunnitische Organisation kämpft daher nicht nur im Irak gegen die von Schiiten geführte Regierung, sondern auch in Syrien gegen Präsident Baschar al-Assad, der den Alawiten angehört. Sie stehen den Schiiten nahe. In Syrien stellen die Sunniten die Mehrheit der Bevölkerung, im Irak die Minderheit. Bis zum Sturz Saddam Husseins waren die Sunniten jedoch im Irak an der Macht.

Ungeachtet dessen treiben die irakischen Kurden ihre Abspaltung und damit auch den Zerfall des Landes voran. Ihr Parlament will einen Termin für ein Referendum über die Unabhängigkeit ihrer Autonomieregion im Nordirak festlegen. Der Irak sei „fertig“, sein Ministerpräsident Nuri al-Maliki gescheitert, sagte der Außenbeauftragte der Kurdischen Demokratischen Partei (KDP), Hemin Hawrami, am Donnerstag.

Die Terrorgruppe Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) brachte zugleich im Osten Syriens weitere Gebiete unter Kontrolle, darunter ein wichtiges Ölfeld. Die Terrorgruppe beherrscht nun im Norden und Osten Syriens ein Gebiet, das von der türkischen bis zur irakischen Grenze reicht, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte. Zudem kontrollieren Isis-Milizen große Teile im Norden und Westen des Iraks.

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