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23.06.2014

23:52 Uhr

Isis-Vormarsch

Kerry droht Isis mit Luftschlägen

Während die Terror-Gruppe Isis weiter vorrückt, feilschen die irakischen Politiker um Posten. US-Außenminister Kerry drängt zur Eile und gibt zu verstehen, dass die USA nicht ewig zusehen.

Angesichts der sich durch den Vormarsch der Isis-Rebellen immer weiter verschärfenden Lage, reiste US-Außenminister John Kerry heute überraschend in den Irak. Dort traf er unter anderem Regierungschef Nuri al-Maliki. Diesen will er von der Bildung einer irakischen Einheitsregierung überzeugen. Reuters

Angesichts der sich durch den Vormarsch der Isis-Rebellen immer weiter verschärfenden Lage, reiste US-Außenminister John Kerry heute überraschend in den Irak. Dort traf er unter anderem Regierungschef Nuri al-Maliki. Diesen will er von der Bildung einer irakischen Einheitsregierung überzeugen.

BagdadAngesichts des Vormarsches der islamistischen Terrorgruppe Isis sind die USA auch vor Abschluss einer Regierungsbildung im Irak zu Militärschlägen bereit. „Sie (die Kämpfer der Isis) stellen eine Gefahr dar“, sagte US-Außenminister John Kerry nach Angaben des State Department am Montag während eines Besuchs in Bagdad. „Ihnen kann nirgendwo ein sicherer Zufluchtsort gewährt werden“. Präsident Barack Obama werde sich bei militärischen Schritten im Zweifel nicht davon abhalten lassen, dass die Bildung einer neuen Regierung noch nicht abgeschlossen sei.

Zugleich drängen die USA und die EU nach rund zwei Wochen Isis-Terror, dass sich die Politiker der drei größten Bevölkerungsgruppen - der Schiiten, Sunniten und Kurden - endlich auf eine Regierung der nationalen Einheit verständigen. „Der Irak steht vor einer existenziellen Bedrohung, und die irakischen Führer müssen dieser Bedrohung mit der gebotenen Eile begegnen“, sagte Kerry. Dies sei nicht in der kommenden Woche oder im kommenden Monat, sondern jetzt. „Isis kämpft, um den Irak zu teilen und zu zerstören“, sagte Kerry

Die Terrorgruppe Islamischer Staat

Ziel

Die Organisation Islamischer Staat (IS), früher Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) genannt, gehört zu den radikalsten islamistischen Gruppen im Nahen Osten. Sie kämpft für einen sunnitischen Gottesstaat im arabischen Raum.

Ursprung

Der IS ging aus dem irakischen Widerstand der 2003 gegründeten Gruppe „Tawhid und Dschihad“ hervor, die sich gegen die US-Invasion im Irak wandte. Erster Anführer war der für seine Grausamkeit berüchtigte Jordanier Abu Mussab al-Sarkawi. Seit 2013 leitet der Iraker Abu Bakr al-Baghdadi den IS.

Aktivitäten

Die Gruppe griff Im Irak nicht nur US-Soldaten an, sondern verübte auch Selbstmordanschläge auf Schiiten und Christen im Land. Al-Sarkawi wurde 2006 von der US-Armee getötet. Seither führen Iraker die Organisation. Deren zweiter früherer Name „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ verdeutlicht den Anspruch, einen sunnitischen Großstaat zwischen Mittelmeer und Euphrat zu errichten.

Entwicklung

An Macht gewann der IS, als sie sich im Frühjahr 2013 in den syrischen Bürgerkrieg einmischte. Dort überwarf sie sich mit der aus syrischen Salafisten bestehenden Al-Nusra-Front, obwohl beide Gruppen damals dem Terrornetzwerk al-Qaida nahestanden.

Standorte

Vor allem im Nordosten Syriens greift der IS syrisch-kurdische Städte an und massakriert die Zivilbevölkerung. Im Irak profitiert die Miliz vom Streit der von Schiiten dominierten irakischen Regierung mit den sunnitischen Parteien des Landes. Am 29. Juni rief der IS das Kalifat in den von im kontrollierten Gebieten aus – mit al-Baghdadi als Kalif.

Finanzierung

Der IS finanzierte sich anfangs vor allem durch Spenden aus den Golfstaaten Katar und Saudi-Arabien, aber auch durch Wegzölle entlang der Grenzen zwischen Irak und Syrien. Mit den Landgewinnen nahmen die Gewinne aus illegalen Ölverkäufen der kontrollierten Felder zu.

Söldner

In den Reihen der Gruppe kämpfen internationale Brigaden, darunter Muslime aus Nordafrika und den arabischen Golfstaaten sowie Konvertiten aus Europa und Nordamerika.

Die Terrorgruppe Isis ist im Irak seit zwei Wochen auf dem Vormarsch Richtung Bagdad und kontrolliert bereits erhebliche Teile des Landes. Auch am Montag hissten die Dschihadisten wieder ihre schwarze Flagge - in dem Ort Al-Alam südöstlich der Stadt Tikrit und in Tal Afar im Nordwesten. Die selbst ernannten Gotteskrieger wollen langfristig über Landesgrenzen hinweg ein Kalifat im Nahen Osten errichten.

Al-Maliki steht seit langem in der Kritik, weil seine von Schiiten dominierte Regierung die Sunniten im Irak diskriminiert. Der Regierungschef lehnt einen Rücktritt jedoch ab. Laut dem Nachrichtenportal „Al-Sumaria“ sagte er beim Treffen mit Kerry, die stärkste politische Kraft im Land müsse die nächste Regierung bilden. Al-Maliki war aus den Parlamentswahlen im Mai mit seiner Rechtsstaats-Allianz als Sieger hervorgegangen. Der Regierungschef ist seit 2006 im Amt.

Auch mit einem Seitenhieb auf den Iran, der die Schiiten unterstützt, sagte Kerry: „Die Vereinigten Staaten wählen keinen Führer, wir stellen keine Bedingungen im Bezug darauf, wer sich (an der Regierungsbildung) beteiligen kann. Das ist Sache des Iraks.“

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

24.06.2014, 08:43 Uhr

Ist dies wirklich ein Fall von "die Geister, die ich rief, werde ich nun, ohne Luftschläge, nicht mehr los" oder wird die ISIS direkt vom US-Regime und/oder seinen Hilfsarabern im Golf als US-Werkzeug eingesetzt, um Chaos im Irak zu zeugen (dh. um Ölfelder zu blockieren, chinesische und russische Öl-Firmen hinauszutreiben, und die gegen das US-Regime ziemlich "ungehorsame" Maliki-Regierung zu entfernen).

Der bekannte freie Autor und Geostrategie-Experte Engdahl ist letzterer Meinung (dem schließe ich mich an):

http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/geostrategie/f-william-engdahl/isis-im-irak-riecht-nach-einer-operation-schmutziger-krieg-von-cia-und-nato.html

Ein Motiv könnte es auch sein, damit den Ölpreis hoch zu halten, weil von diesem Preis das US-Fracking-Schneeballsystem der Wallstreet abhängt und davon wiederum die Story von der Erholung der US-Wirtschaft.

Account gelöscht!

24.06.2014, 08:46 Uhr

Oh bitte bitte - Weltpolizei ! Greift mal wieder ein ...
Weiter geht das Schauspiel mit dem selbst inzinierten Terror auf allen möglichen Ebenen....

Account gelöscht!

24.06.2014, 09:04 Uhr

Ja, leider ist die internationale Staatengemeinschaft ja zu unwillig gegen diesen Terror etwas zu unternehmen.
Gibt ja noch andere "Großmächte".
Da überläßt man doch lieber anderen das Feld.
Ich bin wirklich kein USA-Fan, aber ein bischen differenzierter muß man diese Situation nun doch betrachten.

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