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02.09.2016

19:00 Uhr

Islam Karimow

Der usbekische Langzeit-Herrscher ist tot

Der autoritäre Präsident der zentralasiatischen Ex-Sowjetrepublik Usbekistan, Islam Karimow, ist nach einem Schlaganfall gestorben. Zuvor hatte es lange Zeit Verwirrung um den Gesundheitszustand des Herrschers gegeben.

Der usbekische Präsident ist tot. dpa

Islam Karimow

Der usbekische Präsident ist tot.

AlmatiDer usbekische Präsident Islam Karimow ist nach Angaben der Regierung im Alter von 78 Jahren gestorben. Karimow hatte kürzlich einen Schlaganfall erlitten. In Diplomatenkreisen war bereits vorher bekanntgeworden, dass er an den Folgen des Hirnschlags gestorben sei. Er lag seit Sonntag im Krankenhaus. Die Beisetzung wird am Samstag in Karimows Heimatstadt Samarkand stattfinden.

Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim hatte bereits vor der offiziellen Todesnachricht als erster ausländischer Politiker kondoliert. Die beiden Länder haben enge ethnische, kulturelle und sprachliche Verbindungen. Auch der Präsident Georgiens, Georgi Margwelaschwili, äußerte sein Beileid zum Tode Karimows. Dieser habe Usbekistan durch die schwierigste Zeit seiner Geschichte geführt.

25 Jahre danach: Was wurde aus den einzelnen Sowjetrepubliken?

15 neue Staaten

Der Zerfall der Sowjetunion 1991 hat 15 neue Staaten hervorgebracht. Ihre Schicksale in einem Vierteljahrhundert Unabhängigkeit sind sehr verschieden gewesen. Der Traum von Frieden und Wohlstand blieb für viele unerfüllt. Die Länder im Überblick.

Russland

Größtes Nachfolgeland, Atommacht, Energie-Exporteur. Verhinderte in zwei Kriegen die Abspaltung von Tschetschenien. Unter Präsident Wladimir Putin zunehmend autoritär. Steckt in der Krise, versucht aber, weltpolitisch wieder eine größere Rolle zu spielen.

Westen der Sowjetunion – Estland, Lettland und Litauen

Die kleinen baltischen Staaten stellten rasch auf Demokratie und Marktwirtschaft um. Seit 2004 Mitglieder in Nato und EU.

Weißrussland

Stabile Friedhofsruhe bei erträglichem Lebensstandard. Dauerherrscher Alexander Lukaschenko ist Russlands bester Freund und hält doch Abstand.

Ukraine

Zweitgrößtes Land Europas, großes Wirtschaftspotenzial, aber 25 Jahre lang unter seinen Möglichkeiten regiert. Zweimal Aufbegehren der Zivilgesellschaft: Orange Revolution 2004/5, Euromaidan 2013/14. Russland nahm 2014 die Krim weg und führt verdeckt Krieg im Osten.

Moldau

Ethnisch vorwiegend rumänisch. Verlor 1992 den russischsprachigen Landstreifen Transnistrien. Der eingefrorene Konflikt lähmt das arme Land politisch und wirtschaftlich.

Kaukasus – Georgien

Verlor nach 1992 Kriege gegen Separatisten in Abchasien und Südossetien. 2008 Niederlage gegen Russland. Hat sich zuletzt durch energische Reformen modernisiert.

Aserbaidschan

Ölreichtum am Kaspischen Meer kommt Präsidenten-Clan Aliyev zugute - erst dem Vater, nun dem Sohn. Ein Fünftel des Landes von Karabach-Armeniern besetzt.

Armenien

Sieg im Krieg um Berg-Karabach 1992-94 nützt nichts. Eingeklemmt zwischen Feinden Aserbaidschan und Türkei, nur die Schutzmacht Russland hilft.

Zentralasien – Kasachstan

Neuntgrößtes Land der Erde, lebt von Öl und Gas. Stabil, hat nie einen anderen Präsidenten gekannt als Nursultan Nasarbajew (76). Wer wird ihm nachfolgen?

Turkmenistan

Wüstenstaat, einer der größten Gasproduzenten der Welt. Fast so abgeschottet und diktatorisch wie Nordkorea.

Usbekistan

Herz der historischen Seidenstraße. Dauerherrscher Islam Karimow ließ 2005 hunderte Bürger in Stadt Andischan erschießen.

Kirgistan

Hochgebirgsland, arm, immer wieder von Unruhen erschüttert. Aber einzig halbwegs demokratisches Land der Region.

Tadschikistan

War das Armenhaus der Sowjetunion und bleibt es auch. 1992-97 Bürgerkrieg mit Zehntausenden Toten. Heute bedroht durch Islamismus aus dem benachbarten Afghanistan.

Quelle: dpa

Unklar ist, wer nun die Macht in dem islamisch geprägten zentralasiatischen Land übernimmt. Einen Nachfolger hat Karimow nicht benannt. Ein Machtvakuum könnte das Land mit 32 Millionen Einwohnern destabilisieren, das im Fadenkreuz militanter Islamisten steht. Ein Hinweis auf die Nachfolge Karimows könnte die Ernennung von Ministerpräsident Schawkat Mirsijojew zum Chef der Kommission sein, die die Trauerfeiern organisiert.

Usbekistan ist ein bedeutender Exporteur von Baumwolle und verfügt zudem über Bodenschätze wie Gold und Erdgas. Karimow führte das Land seit 1989, damals noch als Chef der usbekischen Kommunistischen Partei. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurde Karimow 1991 zum Präsidenten der nunmehr unabhängigen Republik Usbekistan gewählt. Westliche Politiker und Menschenrechtsorganisation hatten ihn wegen seines autoritären Führungsstils kritisiert.

Von

rtr

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