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27.12.2015

11:24 Uhr

Islamischer Staat

„Ihr werdet die bebenden Schritte der heiligen Krieger hören“

Sieben Monate lang hatte sich IS-Anführer Abu Bakr al-Bagdadi nicht zu Wort gemeldet. Doch nun wendet er sich mit einer Botschaft an die Öffentlichkeit. Grund könnten Niederlagen seiner Kämpfer im Irak sein.

Abu Bakr al-Bagdadi droht dieses Mal Israel mit Anschlägen. ap

Abu Bakr al-Baghdadi

Abu Bakr al-Bagdadi droht dieses Mal Israel mit Anschlägen.

BagdadIn seiner ersten Botschaft seit sieben Monaten hat der selbst ernannte „Kalif“ der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), Abu Bakr al-Bagdadi, Israel mit Anschlägen gedroht. „Wir haben Palästina keine Sekunde lang vergessen. Bald, mit Gottes Erlaubnis, werdet ihr die bebenden Schritte der Mudschaheddin (heiligen Krieger) hören“, sagte der IS-Anführer in einer 24-minütigen Audiobotschaft, deren Echtheit sich zunächst nicht sicher bestätigen ließ. Verbreitet wurde sie am Samstag von Unterstützern der Dschihadisten im Internet. Darin heißt es, Palästina solle zum „Friedhof“ für Juden werden.

Al-Bagdadi bekräftigte seinen Aufruf an alle Muslime, sich am Dschihad zu beteiligen, um den „Krieg der Ungläubigen“ gegen den Islam zu stoppen. Auch seine Drohungen an Europa und die USA erneuerte der IS-Chef, zudem warnte er Russland. Diese Staaten würden einen „hohen Preis“ für ihre Angriffe auf den Islamischen Staat zahlen, sagte Al-Bagdadi. Zuletzt hatte sich der IS-Anführer im Mai mit einer Botschaft zu Wort gemeldet. Er wendet sich nur sehr selten an die Öffentlichkeit.

Al-Bagdadis Kämpfer stehen zurzeit vor allem im Irak unter großem Druck: Irakische Regierungskräfte drangen am Samstag bei der schrittweisen Rückeroberung der vom IS gehaltenen Provinzhauptstadt Ramadi in das Regierungsviertel ein. Ein Polizeisprecher berichtete von heftigen Gefechten mit den Dschihadisten im Stadtgebiet.

Die Gegner des Islamischen Staates

USA

Die mächtigste Militärmacht der Welt führt den Kampf gegen den IS an. Seit mehr als einem Jahr bombardiert die US-Luftwaffe die Extremisten in Syrien und im Irak. An ihrer Seite sind auch Jets aus Frankreich und anderen westlichen Staaten sowie aus arabischen Ländern im Einsatz. Washington hat zudem US-Militärberater in den Irak entsandt, die Bagdad im Kampf am Boden unterstützen.

Russland

Moskaus Luftwaffe fliegt seit Ende September Luftangriffe in Syrien. Sie sollen nach Angaben des Kremls den IS bekämpfen. Der Westen und syrische Aktivsten werfen Russland jedoch vor, die meisten Luftangriffe richteten sich gegen andere Rebellen, um so das Regime von Präsident Baschar al-Assad zu unterstützen.

Deutschland

Deutschland liefert seit mehr als einem Jahr Waffen an die Kurden im Norden des Iraks, darunter die Sturmgewehre G3 und G36 und die Panzerabwehrwaffe Milan. Die Bundeswehr bildet zudem kurdische Peschmerga-Kämpfer für den Kampf am Boden aus.

Arabische Staaten

Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Katar und Jordanien unterstützen die USA bei den Luftangriffen. Vor allem Saudi-Arabien und Jordanien sehen den IS als Gefahr, weil die Extremisten bis an ihre Grenzen herangerückt sind.

Kurden

Sowohl im Norden Syriens als auch im Nordirak gehören die Kurden zu den erbittertsten Gegnern des IS. Die kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) im Syrien und die Peschmerga im Irak konnten den Extremisten empfindliche Niederlagen beibringen. Unterstützt werden sie von mehreren westlichen Staaten.

Irakische Armee

Das irakische Militär geht in mehreren Regionen des Landes gegen den IS vor. Allerdings kann sie nur wenige Erfolge vorweisen. Seit Monaten versucht die Armee erfolglos, die westirakische Provinz Al-Anbar zu befreien. Unterstützt wird sie von schiitischen Milizen, die eng mit dem Iran verbunden sind.

Syrische Rebellen

Sie bekämpfen das Regime und den IS. Das gilt auch für die Nusra-Front, syrischer Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida. Sie teilt die Ideologie des IS, ist aber mit ihm verfeindet.

Syrisches Regime

Auch das syrische Militär geht gegen den IS vor. Kritiker werfen dem Regime jedoch vor, es greife vor allem andere Rebellen an und lassen die Extremisten gewähren. Auffällig ist, dass sich die meisten syrischen Luftangriffe nicht gegen den IS, sondern gegen Regionen unter Kontrolle anderer Gruppen richten.

Für das Militär und die Regierung des Irak wäre dies politisch, militärisch und symbolisch ein äußerst wichtiger Erfolg – für die Terrormiliz hingegen eine schmerzhafte Niederlage. Ramadi ist bisher neben Mossul im Norden und Falludscha im Westen mit die wichtigste Hochburg der sunnitischen Extremisten im Land. Sie liegt im Kerngebiet der irakischen Sunniten, wo die Dschihadisten unter der Bevölkerung die stärkste Unterstützung finden. Zudem führt von Ramadi aus eine wichtige Verbindung in die ostsyrische Stadt Dair as-Saur, ebenfalls ein wichtiges Zentrum der Terrormiliz.

Im Zentrum von Ramadi stellten die Extremisten laut dem Polizeisprecher zuletzt Sprengfallen auf und präparierten Häuser mit Sprengstoff, um die irakischen Einheiten fernzuhalten. Truppen der Regierung hatten am Dienstag mit internationaler Luftunterstützung einen Großangriff auf das Zentrum Ramadis begonnen. Dort sollen sich nach Schätzung der USA bis zu 350 IS-Kämpfer verschanzt haben – was nur noch einem Bruchteil der insgesamt rund 300.000 Stadtbewohner entspricht.

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