Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.01.2016

10:11 Uhr

Islamischer Staat in Geldnot

IS halbiert offenbar Zahlungen an seine Kämpfer

Künftig sollen Kämpfer der IS-Miliz nur noch 200 Dollar pro Monat als Sold bekommen. Das berichten Aktivisten unter Berufung auf ein Schreiben der IS-Führung. Besonders eine Entwicklung macht den Terroristen zu schaffen.

In den vergangenen Monaten musste der IS einige Rückschläge in seinem Kerngebiet in Syrien und dem Irak hinnehmen – das macht sich auch finanziell bemerkbar. AFP

Unter Feuer

In den vergangenen Monaten musste der IS einige Rückschläge in seinem Kerngebiet in Syrien und dem Irak hinnehmen – das macht sich auch finanziell bemerkbar.

BeirutDie Terrormiliz Islamischer Staat (IS) will nach Angaben von Aktivisten die monatlichen Zahlungen an ihre Anhänger im Irak und in Syrien drastisch kürzen. Der Sold werde auf rund 200 Dollar (183 Euro) halbiert, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Dienstag. Sie veröffentlichte ein mutmaßliches Schreiben der IS-Führung, die sich darin auf „außergewöhnliche Umstände" beruft.

Von dieser Entscheidung werde niemand ausgenommen, hieß es in der Erklärung weiter. An den zwei Lebensmittellieferungen pro Monat werde aber festgehalten. Nach Angaben der Beobachtungsstelle erhielten ausländische IS-Kämpfer in Syrien bislang 800 Dollar, auch dieser Betrag werde nun halbiert. Die in Großbritannien ansässige Organisation beruft sich auf ein dichtes Netz von Aktivisten in Syrien. Ihre Angaben können von unabhängiger Seite nur schwer überprüft werden.

Erfolge, Niederlagen und Terror des IS seit Ausrufung des „Kalifats“

IS

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ging aus einem Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida im Irak hervor. Ein Rückblick:

29. Juni 2014

Die sunnitischen Dschihadisten rufen in den von ihnen eroberten Gebieten in Syrien und im Irak ein „Kalifat“ aus. Erster „Kalif“ des neuen Gottesstaates sei Anführer Abu Bakr al-Bagdadi.

August 2014

8. August: Die USA fliegen erste Angriffe im Nordirak.

August: Die Enthauptung eines US-Journalisten schockt die Welt. In den folgenden Monaten verbreitet der IS im Internet weitere Videos mit der Ermordung zweier US-Bürger und zweier Briten.

19. September und Dezember 2014

19. September: Frankreich startet mit Hilfe arabischer Partnerländer erstmals Luftangriffe auf IS-Stellungen in Syrien.

Dezember: Kurdische Soldaten beenden mit Hilfe internationaler Luftangriffe die Belagerung des Sindschar-Gebirges nahe der IS-Hochburg Mossul. Im August waren Zehntausende Angehörige der jesidischen Volksgruppe vor den Dschihadisten in die Berge geflohen.

Januar und Februar 2015

Januar 2015: Nach monatelangen Kämpfen vertreiben kurdische Kämpfer den IS aus der nordsyrischen Stadt Kobane an der türkischen Grenze.

Februar: Ein Video zeigt, wie ein gefangener jordanischer Pilot bei lebendigem Leib verbrannt wird. Zuvor hatte die Terrormiliz bereits die Tötung zweier japanischer Geiseln zur Schau gestellt.

März und April 2015

März: Irakische Kräfte erobern die strategisch wichtige Stadt Tikrit zurück, die die Extremisten im Juni 2014 besetzt hatten.

April: IS-Kämpfer dringen in Ramadi 100 Kilometer westlich von Bagdad ein. Tausende Iraker fliehen vor dem Terror Richtung Bagdad, dürfen die Hauptstadt aber nicht betreten.

Mai und Juli 2015

Mai: Die Terrormiliz bringt Ramadi vollständig unter ihre Kontrolle. Kurden erobern IS-Gebiete in Nordsyrien.

Juni: Der IS verbreitet ein schockierendes Video über neue Hinrichtungsmethoden.

24. Juli und 6. August 2015

24. Juli: Nach einem dem IS zugeschriebenen Anschlag im türkischen Suruc fliegen türkische Kampfjets erstmals Angriffe auf IS-Stellungen in Syrien. Zudem öffnet Ankara wenig später den südtürkischen Nato-Stützpunkt Incirlik für US-Luftschläge gegen den IS.

6. August: Einer US-Bilanz zufolge hat das internationale Anti-Teror-Bündnis in einem Jahr mehr als 5900 Luftschläge gegen den IS im Irak und in Syrien geflogen. Außerdem sollen 10 000 IS-Kämpfer bei Angriffen getötet worden sein.

18. und 23. August 2015

18. August: Der IS enthauptet den früheren Chef-Archäologen der irakischen Oasenstadt Palmyra. Nach US-Angaben stirbt die Nummer zwei der Terrormiliz, Hadschi Mutas, bei einem Luftangriff im Irak.

23. August: Der IS sprengt den rund 2000 Jahre alten Tempel Baal Schamin in Palmyra. Einige Tage später zerstören die Extremisten auch den Baaltempel.

September 2015

Eine weitere Koalition bildet sich.  Russland bestätigt erstmals die Präsenz von Militärexperten in Syrien. Vorher waren Bilder russischer Soldaten in Syrien in den sozialen Netzwerken aufgetaucht. Russland und Iran unterstützen Syrien im Kampf gegen den IS, aber auch gegen andere Oppositionsgruppen.

November 2015

Nach den Anschlägen von Paris vom 13. November mit mindestens 129 Toten fliegt die französische Luftwaffe verstärkt Angriffe auf die Stadt Al-Raqqa, das inoffizielle Zentrum des vom IS kontrollierten Gebiet im Irak und Syrien. Frankreich fliegt bereits seit September 2014 Luftangriffe auf IS-Stellungen.

Die IS-Miliz hatte im Sommer 2014 große Gebiete in Syrien und im benachbarten Irak erobert. In dem selbsternannten „Kalifat" betreiben die Dschihadisten Regierungsbehörden, Schulen und Krankenhäuser. In jüngster Vergangenheit erlitt der IS aber empfindliche Rückschläge und verlor einen Teil seines Territoriums.

Die US-geführte Koalition griff außerdem gezielt vom IS kontrollierte Ölfelder in Syrien und im Irak an. Die Einnahmen aus dem Ölverkauf sind neben Raub und Zwangsabgaben eine der wichtigsten Finanzquellen für die Extremisten.

Außerdem hat der IS wenige Tage nach der Verschleppung von 400 Zivilisten aus der ostsyrischen Stadt Deir Essor Aktivisten zufolge 270 ihrer Geiseln wieder freigelassen. Bei den am Dienstagabend freigelassenen Menschen handele es sich um Frauen, Kinder sowie alte Menschen, erklärte der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman, am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP.

Vor ihrer Freilassung seien sie intensiv zu Verbindungen zum Regime in Damaskus befragt worden. „Sie werden nicht in die Stadt Deir Essor zurückkehren, sondern unter den Stämmen in der Provinz verteilt", sagte Abdel Rahman. Auch die in der Gewalt des IS verbliebenen 130 Zivilisten sollten freikommen, wenn keine Verbindungen zur Regierung gefunden würden.

Terrormiliz: IS bestätigt Tod von „Dschihadi John“

Terrormiliz

IS bestätigt Tod von „Dschihadi John“

Seine Brutalität hat Mohammed Emwasi zu einem der Schreckenssymbole des IS gemacht: Die Terrormiliz bestätigte nun, dass „Dschihadi John“ bei einem US-Angriff in Syrien getötet wurde.

IS-Kämpfer hatten am Samstag eine Offensive auf die von der syrischen Armee kontrollierten Teile von Deir Essor gestartet. Nach Angaben der Beobachtungsstelle rückte der IS in den Norden der Stadt vor und eroberte den Vorort Al-Baghalijeh. Dabei seien nicht nur 400 Menschen verschleppt, sondern auch mindestens 135 Menschen getötet worden: 85 Zivilisten sowie rund 50 Regierungssoldaten und verbündete Kämpfer. Die meisten von ihnen wurden laut der Beobachtungsstelle hingerichtet.

Die oppositionsnahe Nichtregierungsorganisation mit Sitz in Großbritannien stützt sich auf ein dichtes Netz an Aktivisten und Ärzten in Syrien. Ihre Angaben sind für Medien oft kaum zu bestätigen.

England gegen den Islamischen Staat

Britische Ermittler sind neuem Dschihadi-John auf der Spur

England gegen den Islamischen Staat: Britische Ermittler sind neuem Dschihadi-John auf der Spur

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Von

afp

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×