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30.06.2015

19:40 Uhr

Islamischer Staat in Syrien

IS-Miliz dringt erneut in Tal Abjad ein

Zwei Wochen nach ihrer Vertreibung aus Tal Abjad ist die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat erneut in die syrische Grenzstadt eingedrungen. Nach dreistündigen Gefechten verschanzten die Kämpfer sich in einer Schule.

BeirutDie Terrormiliz Islamischer Staat hat einen Überraschungsangriff auf die vor kurzem von kurdischen Kämpfern zurückeroberte syrische Stadt Tell Abjad an der Grenze zur Türkei gestartet. IS-Kämpfer seien am Dienstagnachmittag von Osten in die Stadt eingedrungen und hätten sich nach dreistündigen Gefechten in einer leerstehenden Schule verschanzt, teilten Aktivisten mit. Syrische Regierungstruppen eroberten derweil vom IS in der nordöstlichen Stadt Hassake ein Stadtviertel zurück.

Bei einem Luftangriff der syrischen Regierungstruppen wurden in der nordwestlichen Provinz Idlib ferner mindestens 17 Menschen getötet. Viele weitere seien bei dem Bombardement des Ortes Ihsim verletzt worden, berichteten Aktivisten der örtlichen Koordinatonskomitees am Dienstag. Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete sogar 18 Tote, davon vier Mitglieder ein- und derselben Familie. In der Provinz Idlib hatte eine Allianz von syrischen Rebellen und islamistischen Kämpfern in den vergangenen Monaten größere Bodengewinne gemacht.

Sechs Gründe, warum der Bürgerkrieg in Syrien noch nicht beendet ist

Einmischung von außen

Das Regime von Baschar al-Assad hat mit Russland und dem schiitischen Iran mächtige Verbündete im Ausland. Teheran unterstützt Damaskus mit Geld und Kämpfern. Zudem kämpft die libanesische Schiiten-Miliz an der Seite Assads. Aber auch die Rebellen erhalten Geld und Waffen aus dem Ausland, unter anderem aus Saudi-Arabien. So wurde die Krise zu einem regionalen Konflikt. (Quelle: dpa)

Assads Unnachgiebigkeit

Der Präsident sagte am Anfang der Proteste Reformen zu - die nie kamen. Stattdessen brandmarkt sein Regime sämtliche Gegner als „Terroristen“, auch moderatere Oppositionelle. Viele Kritiker des Regimes sitzen in Gefängnissen. Im Kampf ums Überleben setzt die Armee zudem immer wieder sogenannte Fassbomben ein - Metallbehälter, die mit Sprengstoff und Metall gefüllt sind.

Zerstrittene Opposition

Den Regimegegnern ist es bis heute nicht gelungen, sich zu einen und eine gemeinsame Führung zu bilden. Die Exil-Opposition in Istanbul wird zwar international anerkannt, zeigt sich aber immer wieder zerstritten und hat in Syrien kaum Einfluss. Auch mit der Inlandsopposition aus Damaskus konnte sie sich noch immer nicht auf konkrete gemeinsame Ziele einigen.

Konfessionalismus

Längst ist der Bürgerkrieg auch zu einem Konflikt zwischen den Konfessionen geworden. Das Regime wird von Alawiten kontrolliert, einer Nebenlinie des schiitischen Islams. Die Alawiten befürchten blutige Rache, sollte Assad stürzen. Auch viele Christen sehen den Präsidenten als ihren Schutzpatron. In den Reihen der Rebellen kämpfen dagegen vor allem Sunniten.

Politik des Westens

Die USA und Europa lehnen eine militärische Intervention gegen das Assad-Regime ab. US-Präsident Barack Obama drohte zwar für den Fall des Einsatzes von Chemiewaffen durch das Regime in Syrien mit einem Eingreifen, nahm dann aber doch davon Abstand. Der Westen steht politisch zwar an der Seite der moderateren Rebellen, unterstützt diese aber kaum mit Waffen.


Stärke der Extremisten

Als die Krise in Syrien eskalierte, dehnte sich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) aus dem Irak ins Nachbarland aus. Jetzt kontrolliert sie dort ein Drittel der Fläche. Andere Teile Syriens stehen unter Herrschaft der Nusra-Front, Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida. Moderate Kräfte sind auf dem Rückzug. Die von den USA unterstützte Harakat Hasm löste sich kürzlich auf.

Kurdische Kämpfer hatten Tell Abjad mit Unterstützung der von den USA geführten Luftangriffen vor kurzem vom IS zurück erobert. Sie schnitten damit der Terrormiliz eine wichtige Versorgungsroute ab, über die die Extremisten Kämpfer und Waffen einschleusten.

In Hassake nahmen Truppen des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und verbündete paramilitärische Einheiten vom IS das Viertel Ghoweiran ein, wie das Staatsfernsehen meldete. Vergangene Woche hatte die Terrormiliz in der Stadt im entlegenen Nordosten Syriens drei vorwiegend arabische Stadtteile eingenommen, wie Aktivisten berichteten. Seit der jüngsten Offensive des IS, die am 25. Juni begann, ist die vorwiegend kurdisch geprägte Stadt nun zwischen Regierungstruppen und kurdischen Kämpfern geteilt, die die Terrormiliz separat bekämpfen.

Von

ap

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