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20.10.2016

16:51 Uhr

Islamischer Staat

Irak setzt Offensive auf Mossul fort

Die irakischen Sicherheitskräfte haben nach vier Tagen bereits mehrere Dörfer der IS-Hochburg Mossul eingenommen. Bei einem Ministertreffen in Paris soll nun über die Zukunft der Stadt entschieden werden.

Kampf um Mossul

„Die Truppen kommen schneller voran als gedacht“

Kampf um Mossul: „Die Truppen kommen schneller voran als gedacht“

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ErbilIrakische Sicherheitskräfte rücken immer näher an die IS-Hochburg Mossul im Norden des Landes heran. Armee und kurdische Peschmerga-Kämpfer meldeten am vierten Tag ihrer Offensive auf die Millionenmetropole die Einnahme von rund 15 Orten im Umland der Stadt. Der irakische Ministerpräsident Haidar al-Abadi erklärte in einer Rede, die Sicherheitskräfte kämen schneller voran als geplant. Deutschland wird nach einem Ministertreffen am Donnerstag in Paris Mitte November eine Folgekonferenz zur Zukunft Mossuls veranstalten.

Die irakische Armee, kurdische Peschmerga-Kämpfer und lokale sunnitische Milizen hatten am Montag eine lang erwartete Offensive auf Mossul begonnen. Die Stadt ist die letzte IS-Bastion im Irak. Sollten die Extremisten aus Mossul vertrieben werden, wäre die Terrormiliz im Irak militärisch weitestgehend besiegt.

Irakische Armee und kurdische Peschmerga-Kämpfer teilten mit, sie rückten in einer groß angelegten Operation aus drei Richtungen auf Mossul vor. Das Oberkommando der Peschmerga in Erbil erklärte, Ziel sei es, strategisch wichtiges Gebiet unter Kontrolle zu bringen und die Bewegungsfreiheit der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) einzuschränken. Die Extremisten setzten mehrfach Selbstmordattentäter ein, um die Angreifer aufzuhalten. Außerdem sind zahlreiche Straßen und Gebäude vermint.

In den meisten befreiten Orten lebten vor der Eroberung durch die Extremisten vor mehr als zwei Jahren vor allem Christen, Jesiden und andere religiöse Minderheiten. Der staatliche TV-Sender Al-Iraqiya berichtete zudem, Anti-Terror-Kräfte der Armee rückten auch auf den strategisch wichtigen Ort Bartella östlich von Mossul vor. Dieser war früher ebenfalls vor allem von Christen bewohnt worden.

Islamistische Terrorgruppen

Islamischer Staat

Der sogenannte Islamische Staat ging aus einem Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida hervor. Im Irak-Krieg 2003 kämpfte die Gruppe gegen die US-Armee, 2013 setzte sie auf Expansion. Als „Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis)“ griff sie im syrischen Bürgerkrieg ein. Sie wurde stärker und lieferte sich Machtkämpfe mit anderen Islamisten, darunter Al-Kaida. In eroberten Gebieten in Syrien und im Irak riefen die Dschihadisten – nun als Islamischer Staat (IS) – ein Kalifat aus, in dem sie brutal gegen Gegner vorgehen. Dschihadisten in anderen Ländern schworen dem IS ihre Treue. Seit einiger Zeit verübt die Terrormiliz auch Anschläge außerhalb Syriens und des Irak.

Ansar Beit Al-Makdis

Die ägyptische Organisation ist eine der Gruppen, die sich dem IS angeschlossen haben. Seit Ende 2014 bezeichnet sich Ansar Beit al-Makdis („Unterstützer Jerusalems“) als „Provinz Sinai“ des IS. Laut ägyptischem Innenministerium gehören der Zelle rund 2000 Kämpfer an. Die Islamistentruppe verübt vor allem auf der Sinai-Halbinsel und in Kairo Anschläge.

Taliban

Die 2001 in Kabul gestürzten radikalislamischen Taliban haben weiterhin in großen Teilen Afghanistans Einfluss. Seit dem Auslaufen des Nato-Kampfeinsatzes bemüht sich die afghanische Führung verstärkt um Friedensgespräche mit ihnen. Weiterhin verüben die Taliban aber verheerende Anschläge in allen Teilen des Landes und nehmen Gebiete ein. Pakistans Grenzgebiet zu Afghanistan ist ein Rückzugsgebiet für die Taliban und Al-Kaida. Dort sind Gruppen wie die Tehrik-E-Taliban Pakisten (TTP) oder das Haqqani-Netzwerk aktiv. Auch die Gruppe Laschkar-E-Taiba („Armee der Reinen“) agiert von Pakistan aus auf dem Subkontinent.

Al-Kaida

1988 gründeten Dschihadisten in Afghanistan das Terrornetzwerk Al-Kaida („Die Basis“). Später richteten sich dessen Angriffe gegen die USA und Westeuropa. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 war Al-Kaida-Chef Osama bin Laden bis zu seinem Tod der meistgesuchte Terrorist der Welt. 2011 tötete eine US-Spezialeinheit Bin Laden im pakistanischen Abbottabad. Seit 2001 setzt das Terrornetzwerk zunehmend auf Regionalisierung.

AQAP

Zu den weitgehend unabhängig agierenden Al-Kaida-Ablegern zählt die 2008 aus der Vereinigung des jemenitischen mit dem saudi-arabischen Zweig entstandene Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (Al-Qaeda in the Arabian Peninsula/AQAP). Die Terrorgruppe verübt seit Jahren immer wieder Anschläge. Der im Januar 2015 ermordete Redaktionsleiter des Satiremagazins „Charlie Hebdo“, Stéphane Charbonnier, stand auf einer „Fahndungsliste“ des Dschihad-Magazins „Inspire“, das von AQAP veröffentlicht wird. Die USA greifen im Jemen regelmäßig Lager der Gruppe mit Drohnen an.

AQMI

Die ursprünglich algerische Gruppe Alk-Kaida im islamischen Maghreb (AQMI) versucht, Tunesien, Marokko, Algerien, Mauretanien, Niger und Mali durch Anschläge und Entführungen zu destabilisieren. Sie hat auch Rückzugsgebiete in Libyen. Auch die aus Libyen stammende Organisation Ansar al-Scharia („Unterstützer des islamischen Rechts“) verübt Anschläge in Tunesien.

Ansar Dine

Anhänger der Gruppe besetzten 2012 gemeinsam mit Tuareg-Rebellen den Norden Malis. Ihr werden Verbindungen zu Al-Kaida im islamischen Maghreb nachgesagt. Dem Terrorregime der Ansar Dine fielen viele Menschen mit westlichem Lebensstil zum Opfer. Französische und afrikanische Truppen vertrieben die Extremisten weitgehend aus der Region. Es kommt aber weiterhin zu Gefechten und Anschlägen auf Sicherheitskräfte in Mali.

Boko Haram

Die islamistische Terrorgruppe führt in Nigeria einen blutigen Feldzug zur Errichtung eines sogenannten Gottesstaats. Boko Haram heißt so viel wie: „Westliche Bildung ist verboten“. Die sunnitischen Dschihadisten werden für viele Attentate und Angriffe verantwortlich gemacht. Schätzungen zufolge wurden seit 2009 mehr als 14.000 Menschen getötet. Die selbst ernannten „Gotteskrieger“ kontrollieren Teile Nordostnigerias und versuchen auch, Gebiete in den Nachbarländern Kamerun und Niger zu erobern. Die Gruppe schwor der IS-Miliz Gefolgschaft.

Al-Shabaab

Die radikale Miliz verbreitet in Somalia Angst und Schrecken und verübt auch in Nachbarländern wie Kenia Anschläge. Zwar vertrieben Regierungstruppen und Soldaten der Afrikanischen Union die Extremisten 2011 aus der Hauptstadt Mogadischu, Al-Shabaab beherrscht aber noch weite Teile Mittel- und Südsomalias. Die Organisation hat Verbindungen zum Terrornetzwerk Al-Kaida und kooperiert mit den Extremisten von Boko Haram in Nigeria.

Jemaah Islamiyah

Die Anfang der 1990er Jahre von Indonesiern in Malaysia gegründete Terrorgruppe war bisher in Indonesien, Malaysia und im Süden der Philippinen aktiv. Sie will ein Kalifat in Südostasien errichten und steht Al-Kaida nahe. 2002 ermordeten Jemaah Islamiya-Terroristen bei Bombenanschlägen auf der indonesischen Ferieninsel Bali 202 Menschen, darunter mehr als 150 ausländische Touristen. Weitere Anschläge folgten.

Bartella liegt an einer wichtigen Verbindungsstraße etwa 20 Kilometer von Mossul entfernt. Sollte der Ort von den Extremisten befreit werden, könnten die Angreifer voraussichtlich schnell bis an die Tore der IS-Hochburg vordringen.

Bei dem Pariser Treffen mit Ministern und Vertretern aus mehr als 20 Ländern ging es darum, sich für die Zeit nach der Befreiung Mossuls vorzubereiten. Beobachter rechnen mit großen Zerstörungen in der Stadt und hohen Kosten für den Wiederaufbau.

Deutschland sei im Irak in „vorderer Reihe“ tätig und vielleicht einer der größten Geldgeber, sagte Außenstaatssekretär Markus Ederer bei dem Treffen. Berlin gebe allein 2016/17 den Betrag von 500 Millionen Euro für Humanitäres und Stabilisierung und gewähre eine Kreditlinie von 500 Millionen Euro für die befreiten Gebiete. Mögliche Termine für das Berliner Treffen zur Zukunft der Stadt seien der 16. oder 17. November, erklärte Ederer weiter.

Der französische Außenminister Jean-Marc Ayrault sagte, der Kampf gegen den IS dürfe sich nicht auf Mossul beschränken. „Nach Mossul (...) muss dieselbe Offensive gegen Al-Rakka vorbereitet werden.“ Die nordsyrische Stadt gilt ebenfalls als eine IS-Hochburg.

Staatspräsident François Hollande forderte, Dschihadisten dürften nicht von Mossul nach Al-Rakka flüchten. Mit Blick auf die Schlacht von Mossul sagte er: „Auf militärischer Ebene wird sie lang sein.“ Die Zivilbevölkerung müsse geschützt werden. „Alles wird getan, um den Bewohnern der Ebene von Ninive die notwendige humanitäre Hilfe zu bringen ...“, sagte der Staatschef.

Von

dpa

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