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29.12.2015

03:21 Uhr

Islamischer Staat

Irakische Regierung will IS „tödlichen Stoß“ versetzen

Nach der Rückeroberung der Stadt Ramadi verspricht der irakische Regierungschef Haider al-Abadi, den IS im nächsten Jahr vernichtend zu schlagen. 2015 sei ein „Jahr der Befreiung“, 2016 werde ein „Jahr der großen Siege“.

Iraks Regierungschef Haider al-Abadi bei einer Fernsehansprache nach der Rückeroberung der Stadt Ramadi. AFP

Haider al-Abadi

Iraks Regierungschef Haider al-Abadi bei einer Fernsehansprache nach der Rückeroberung der Stadt Ramadi.

BagdadNach der Rückeroberung großer Teile der Stadt Ramadi vom sogenannten Islamischen Staat demonstriert Iraks Regierung Entschlossenheit. Im neuen Jahr will Ministerpräsident Haidar al-Abadi die Terrormiliz komplett aus seinem Land verdrängen. „Wenn 2015 das Jahr der Befreiung war, wird 2016 das Jahr des großen Sieges, des finalen Sieges, das Jahr, in dem die Anwesenheit des IS im Irak beendet wird“, sagte Al-Abadi am Montagabend in einer Fernsehansprache.

Irakische Regierungstruppen hatten vor einer Woche mit internationaler Luftunterstützung einen Großangriff auf die etwa 100 Kilometer westlich von Bagdad gelegene Provinzhauptstadt begonnen und am Montag verkündet, deren Zentrum sei erobert. Die Dschihadisten hatten die 300 000-Einwohner-Stadt seit Mai gehalten, für sie ist es eine der größten Niederlagen neben dem Verlust der nordirakischen Stadt Tikrit Ende März.

Erfolge, Niederlagen und Terror des IS seit Ausrufung des „Kalifats“

IS

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ging aus einem Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida im Irak hervor. Ein Rückblick:

29. Juni 2014

Die sunnitischen Dschihadisten rufen in den von ihnen eroberten Gebieten in Syrien und im Irak ein „Kalifat“ aus. Erster „Kalif“ des neuen Gottesstaates sei Anführer Abu Bakr al-Bagdadi.

August 2014

8. August: Die USA fliegen erste Angriffe im Nordirak.

August: Die Enthauptung eines US-Journalisten schockt die Welt. In den folgenden Monaten verbreitet der IS im Internet weitere Videos mit der Ermordung zweier US-Bürger und zweier Briten.

19. September und Dezember 2014

19. September: Frankreich startet mit Hilfe arabischer Partnerländer erstmals Luftangriffe auf IS-Stellungen in Syrien.

Dezember: Kurdische Soldaten beenden mit Hilfe internationaler Luftangriffe die Belagerung des Sindschar-Gebirges nahe der IS-Hochburg Mossul. Im August waren Zehntausende Angehörige der jesidischen Volksgruppe vor den Dschihadisten in die Berge geflohen.

Januar und Februar 2015

Januar 2015: Nach monatelangen Kämpfen vertreiben kurdische Kämpfer den IS aus der nordsyrischen Stadt Kobane an der türkischen Grenze.

Februar: Ein Video zeigt, wie ein gefangener jordanischer Pilot bei lebendigem Leib verbrannt wird. Zuvor hatte die Terrormiliz bereits die Tötung zweier japanischer Geiseln zur Schau gestellt.

März und April 2015

März: Irakische Kräfte erobern die strategisch wichtige Stadt Tikrit zurück, die die Extremisten im Juni 2014 besetzt hatten.

April: IS-Kämpfer dringen in Ramadi 100 Kilometer westlich von Bagdad ein. Tausende Iraker fliehen vor dem Terror Richtung Bagdad, dürfen die Hauptstadt aber nicht betreten.

Mai und Juli 2015

Mai: Die Terrormiliz bringt Ramadi vollständig unter ihre Kontrolle. Kurden erobern IS-Gebiete in Nordsyrien.

Juni: Der IS verbreitet ein schockierendes Video über neue Hinrichtungsmethoden.

24. Juli und 6. August 2015

24. Juli: Nach einem dem IS zugeschriebenen Anschlag im türkischen Suruc fliegen türkische Kampfjets erstmals Angriffe auf IS-Stellungen in Syrien. Zudem öffnet Ankara wenig später den südtürkischen Nato-Stützpunkt Incirlik für US-Luftschläge gegen den IS.

6. August: Einer US-Bilanz zufolge hat das internationale Anti-Teror-Bündnis in einem Jahr mehr als 5900 Luftschläge gegen den IS im Irak und in Syrien geflogen. Außerdem sollen 10 000 IS-Kämpfer bei Angriffen getötet worden sein.

18. und 23. August 2015

18. August: Der IS enthauptet den früheren Chef-Archäologen der irakischen Oasenstadt Palmyra. Nach US-Angaben stirbt die Nummer zwei der Terrormiliz, Hadschi Mutas, bei einem Luftangriff im Irak.

23. August: Der IS sprengt den rund 2000 Jahre alten Tempel Baal Schamin in Palmyra. Einige Tage später zerstören die Extremisten auch den Baaltempel.

September 2015

Eine weitere Koalition bildet sich.  Russland bestätigt erstmals die Präsenz von Militärexperten in Syrien. Vorher waren Bilder russischer Soldaten in Syrien in den sozialen Netzwerken aufgetaucht. Russland und Iran unterstützen Syrien im Kampf gegen den IS, aber auch gegen andere Oppositionsgruppen.

November 2015

Nach den Anschlägen von Paris vom 13. November mit mindestens 129 Toten fliegt die französische Luftwaffe verstärkt Angriffe auf die Stadt Al-Raqqa, das inoffizielle Zentrum des vom IS kontrollierten Gebiet im Irak und Syrien. Frankreich fliegt bereits seit September 2014 Luftangriffe auf IS-Stellungen.

Die USA, die eine internationale Anti-IS-Koalition anführen, sind nach Rückeroberung Ramadis voll des Lobes für die irakische Armee. Die Truppen hätten mit gewaltigem Mut und Tapferkeit gekämpft, sagte US-Außenminister John Kerry in Washington. „Das irakische Militär bekämpft den Feind mit Ausdauer, Geschick und Entschlossenheit.“

Die Vertreibung des IS aus besetzten Gebieten sei zentraler Teil der Sicherheitsstrategie für den Irak. Ramadi sei kein isoliertes Ereignis, sondern stehe in einer Reihe mit großen Verlusten des IS im Irak und im nördlichen Syrien, sagte Kerry. Auch der Sprecher des internationalen Bündnisses, Steve Warren, lobte die irakischen Truppen für ihren Erfolg.

Allerdings schien es noch Widerstand in Teilen der stark zerstörten Stadt zu geben. Der Gouverneur der Provinz Al-Anbar, Soheib Alrawi, sagte am Montag der Deutschen Presse-Agentur, dass bislang lediglich 80 Prozent des Stadtgebietes von der irakischen Armee kontrolliert würden. Zuvor hatte es geheißen, das Regierungsviertel der Stadt sei der letzte Rückzugsort der Dschihadisten gewesen.

Kerry sagte, die USA setzten ihre Unterstützung des Iraks ebenso fort wie sie ihren gnadenlosen Druck auf den IS aufrechterhielten. Sie bereiteten sich auf eine Stabilisierung der Region um Ramadi vor, noch seien nicht alle Ortsteile vollständig sicher. Für diese Stabilisierung stünden 50 Millionen US-Dollar zur Verfügung und tausende lokale Kräfte bereit.

US-Präsident Barack Obama steht wegen seiner Weigerung, eigene Bodentruppen gegen den IS einzusetzen, unter großem Druck. Er braucht dringend einen mess- und sichtbaren Erfolg seiner Strategie.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatte am Montag im Hinblick auf die Ereignisse in Ramadi darauf hingewiesen, dass der IS mehr als ein Viertel des im Irak noch vor einem Jahr gehaltenen Territoriums inzwischen wieder aufgeben musste. Das Ende seiner Terrorherrschaft sei aber noch lange nicht erreicht.


Von

dpa

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