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20.12.2014

16:30 Uhr

Islamischer Staat

IS-Milliz soll 100 ausländische Deserteure getötet haben

Extremisten der IS-Miliz haben laut der „Financial Times“ 100 Ausländer getötet, die an ihrer Seite gekämpft hatten und fliehen wollten. Der IS hat für die Verfolgung von Deserteuren eine eigene Institution geschaffen.

Peshmerga-Kämpfer im Gefächt mit IS-Mitgliedern in Duz-Khurmatu, Irak. Seit Beginn der US-geführten Koalition gegen den IS im August hat die Miliz an Boden verloren. dpa

Peshmerga-Kämpfer im Gefächt mit IS-Mitgliedern in Duz-Khurmatu, Irak. Seit Beginn der US-geführten Koalition gegen den IS im August hat die Miliz an Boden verloren.

LondonDie Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat einem Medienbericht zufolge hundert an ihrer Seite kämpfende Ausländer hingerichtet. Die Getöteten hätten den Kämpfen entkommen wollen und versucht, das IS-Hauptquartier im syrischen Raka zu verlassen, berichtete die Zeitung „Financial Times“ am Samstag.

Sie berief sich dabei auf Angaben eines Aktivisten, der sowohl gegen den IS als auch gegen die syrische Regierung agiere. Dieser habe Berichte über die Hinrichtungen überprüft und könne „100 Tötungen“ bestätigen.

Nach Angaben von IS-Kämpfern hat die Dschihadistenmiliz eine eigene Militärpolizei aufgebaut, um gegen ausländische Mitglieder vorzugehen, die desertieren wollen. Dem Zeitungsbericht zufolge wurden bereits dutzende Häuser durchsucht und zahlreiche Dschihadisten festgenommen. Medienberichten zufolge sollen einige Dschihadisten desillusioniert sein von der Realität der Kämpfe in Syrien.

Glossar – der politische Islam

Einen einheitlichen Islam...

… gibt es nicht. Die Religion hat etwa 1,6 Milliarden Anhänger weltweit. Doch die regional unterschiedlichen Spielarten des Glaubens variieren stark. Die meisten Muslime leben beispielsweise nicht etwa in einem Land auf der arabischen Halbinsel, sondern in Indonesien. Dort sind mit knapp 13 Prozent aller Muslime der Welt so viele Gläubige beheimatet wie in keinem anderen Staat.

Die Verwendung...

… von Begriffen wie Islamismus, politischem Islam, Fundamentalismus, radikalem Islam und Dschihadismus erfolgt in der Debatte oft nicht trennscharf. Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 werden sie oftmals synonym und wenig trennscharf verwendet. Meist sollen mit „Islamismus“ solche fanatischen und gewalttätigen Gruppen mit terroristischer Ausrichtung erfasst werden, die sich auf den Islam beziehen.

Islamismus...

… bzw. Islamisten stehen für für alle politischen Auffassungen und Handlungen, die im Namen des Islams die Errichtung einer allein religiös legitimierten Gesellschafts- und Staatsordnung anstreben.

Problematisch ist,...

… dass gerade späteren Strömungen die Absicht eigen ist, den Islam nicht nur zur verbindlichen Leitlinie für das individuelle, sondern auch für das gesellschaftliche Leben zu machen. Oft geht das einher mit einer Ablehnung der Trennung von Religion, was ein Spannungsverhältnis schafft zu den Prinzipien von Individualität, Menschenrechten, Pluralismus, Säkularität und Volkssouveränität.

Friedliche Islamisten...

… sehen die Gewaltanwendung zur Durchsetzung ihres Ziels – der Errichtung eines islamischen Staats - nicht als ihr vorrangiges politisches Instrument.

Als Mittel des Widerstands...

… haben sich islamistische Strömungen allerdings in vielen Staaten entwickelt. Grobe Faustregel: Je stärker sie unterdrückt wurden, desto eher neigten sie zur Radikalisierung und einer Fokussierung auf den bewaffneten Kampf. So etwa in Syrien und in Ägypten.

Terrorismus...

… ist daher eines von mehreren Mitteln und Handlungsstilen, die Islamisten benutzen. Andere Beispiele sind Parteipolitik und Sozialarbeit.

Der Dschihad...

… bedeutet wörtlich „Anstrengung, Kampf, Bemühung, Einsatz“ für Gott, nicht Gotteskrieg. Man muss unterscheiden zwischen dem „großen Dschihad“ als Kampf gegen sich selbst, also umgangssprachlich gesagt Überwindung des eigenen „inneren Schweinehundes“ und dem „kleinen Dschihad“, dem Kampf im militärischen Sinne. Die Übersetzung von Dschihadisten als „Gotteskrieger“ verzerrt den Begriff daher, weil es einen einseitigen Fokus auf den bewaffneten Kampf legt.

Britischen Medienberichten vom Oktober zufolge wollten fünf Briten, drei Franzosen, zwei Deutsche und zwei Belgier zurück in ihre Heimat, nachdem sie sich beklagt hatten, dass sie mehr gegen andere Rebellen als gegen die syrische Regierung kämpfen würden.

Sie sollen vom IS gefangen gehalten werden. Insgesamt sollen zwischen 30 und 50 Briten in ihre Heimat zurück wollen, fürchten aber laut dem Internationalen Zentrum für Radikalisierungsstudien am Londoner King's College dort eine Gefängnisstrafe.

Seit Beginn der US-geführten Koalition gegen den IS im August hat die Miliz an Boden verloren. Zudem ist die Zahl der getöteten IS-Kämpfer deutlich angestiegen. Vor allem in den vergangenen Wochen hat die Extremistengruppe offenbar eine Reihe von Rückschlägen erlitten, der genaue Frontverlauf ist aber unklar. Der IS hatte im Juni eine Blitzoffensive gestartet und mit brutalen Mitteln weite Teile des Irak und Syriens erobert.

Von

afp

Kommentare (1)

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Herr Lukas Fabian Vogt

22.12.2014, 11:43 Uhr

Tötung von Deserteuren / Abtrünnigen / Unwilligen:

Dass so etwas passieren kann: Abtrünnige bzw. Unwillige werden umgebracht, das ist nichts Neues.
Ich erinnere mich an einen Fernsehbeitrag, in welchem ein Söldner-„Major“ sagte: Wenn man eine neue Truppe von Söldnern zusammen habe, dann würde man ihnen erklären, was von ihnen verlangt werden würde. Wer nun keine Lust mehr habe, dem sei es jetzt – als spätestem Zeitpunkt – freigestellt zu gehen. Diejenigen, die nicht mitmachen wollen, sollten dann aus der Baracke zu dem Lkw gehen, der sie in die nächste größere Stadt bringen werde. Entgegen dieser Ankündigung wurde das Transportproblem jedoch nicht mit dem LKW gelöst sondern „with machine guns“, wie der Major in die laufende Kamera sagte. Tatort: irgendwo in Afrika; Tatzeit bei dieser Reportage: letztes Drittel des vorigen Jahrhunderts.

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