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14.11.2014

17:17 Uhr

Islamischer Staat

Münzen für das Terror-Kalifat

VonTimo Stukenberg

Die Terrorgruppe Islamischer Staat hat angekündigt eigene Gold- und Silbermünzen zu prägen. Die Extremisten wollen sich mit der Währung vom weltweiten Finanzsystem abkoppeln – und kommen doch nicht vom US-Dollar los.

Die Terrororganisation IS will sogar ihr eigenes Geld. Getty Images

Die Terrororganisation IS will sogar ihr eigenes Geld.

KölnSie schmuggeln Erdöl, erpressen Lösegelder, erheben Steuern von Christen: Die Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) hat laut Schätzungen ein Milliardenvermögen erwirtschaftet. Jetzt wollen die selbsternannten Gotteskrieger in den von ihnen besetzten Gebieten eine eigene Währung einführen. Im Norden Iraks und in Syrien soll zukünftig mit Gold-, Silber- und Kupfermünzen bezahlt werden.

Das erklärte Ziel des IS ist es, sich von dem „tyrannischen Finanzsystem“ zu befreien, das der Westen den Muslimen aufoktroyiere. Der Schritt sei „Gott gewidmet“, teilten die Islamisten mit. Das wollen die Terroristen mit eigenen Münzen erreichen – und der Einführung des Goldstandards.

Wer den Kampf gegen IS anführt

USA

Als federführende Macht im Bündnis haben die USA bereits Dutzende Luftangriffe auf IS-Ziele im Irak und in Syrien geflogen. Washington schickte zudem Militärberater, Versorgungsgüter und humanitäre Hilfe, um irakischen und kurdischen Truppen im Kampf gegen die Extremisten unter die Arme zu greifen.

Die Golfstaaten

Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain haben sich an Luftangriffen auf IS-Stellungen in Syrien beteiligt. Ein vierter Akteur, Katar, hat laut Pentagon eine unterstützende Rolle inne. Die Emirate und Katar haben ihre Luftwaffenbasen zudem als Rampe für die Anti-IS-Offensive zur Verfügung gestellt. Ebenfalls beteiligte US-Marineschiffe wurden der im Bahrain stationierten Fünften Flotte der Navy zugeteilt. Saudi-Arabien hat sich zudem als Gastgeberland für die Ausbildung moderater syrischer Rebellen angeboten.

Jordanien

Jordanien hat schon selbst Luftangriffe gegen IS-Stellungen geflogen. Anhaltende Grenzverletzungen hätten diesen Schritt nötig gemacht, teilte Regierungssprecher Mohammed Al-Momani mit. Details über die Operationen gab das Königreich zwar nicht preis. Doch hieß es, die Luftangriffe sollen Jordaniens Sicherheit gewährleisten.

Ägypten

Eine konkrete Beteiligung an den Luftangriffen gegen die IS-Miliz hat Kairo zwar bislang nicht in Aussicht gestellt. Doch bekräftigte Präsident Abdel-Fattah al-Sisi kürzlich in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP die „umfassende Bereitschaft zur Unterstützung“ der Anti-IS-Koalition. „Wir werden alles tun, was erforderlich ist“, versprach er.

Israel

Das Land hilft vor allem im Verborgenen: Die USA erhielten von Israel geheimdienstliche Einschätzungen und konkrete Erkenntnisse über die IS-Miliz, sagt ein Gewährsmann im Verteidigungsministerium. Dies sei Teil der anhaltenden bilateralen Geheimdienstkooperation. Im Übrigen sei Israel nicht um einen Beitrag gebeten worden, der darüber hinausginge.

Großbritannien

Über dem Irak operieren britische „Tornado“-Jagdbomber, unterstützt von Tankflugzeugen und Signalaufklärung, teilte die Regierung in London mit. Britischen Medien zufolge stehen zudem auf Zypern sechs Kampfjets in Bereitschaft. Angaben über deren Zahl will das Militär jedoch nicht nennen. Die „Tornado“-Jets erweiterten die Fähigkeit der Anti-IS-Koalition, bewegliche Ziele ins Visier zu nehmen, erklärt Ben Goodland. Zudem stehen den Briten zwei Langstreckenwaffensysteme zur Verfügung: Tornado-Marschflugkörper vom Typ Storm Shadow sowie U-Boot-gestützte Tomahawk-Geschosse.

Frankreich

Seit dem Eintritt in die Anti-IS-Koalition am 19. September hat das französische Militär zweimal Luftangriffe im Irak geflogen. Dabei feuerten Rafale-Kampfjets lasergesteuerte Bomben auf Munitionslager und Militärgerät ab, zunächst nahe Mossul und am Donnerstag unweit von Falludscha. Koordiniert wird das Ganze von einem französischen Luftwaffenstützpunkt in den Vereinigten Arabischen Emiraten aus. Auf der Basis sind 750 Militärangehörige und sechs Rafale-Kampfjets stationiert.

Deutschland

Eine deutsche Beteiligung an den Luftangriffen gegen die IS-Miliz soll es nicht geben. Allerdings unterstützt die Bundesregierung die kurdischen Peschmerga-Kämpfer im irakischen Erbil mit Waffen. Einige von ihnen werden in Deutschland von der Bundeswehr ausgebildet. In Erbil schulen zudem deutsche Soldaten die Peschmerga-Kämpfer im Umgang mit Waffen.

Belgien

Das Land will sechs F-16-Mehrzweckkampfjets und ein Hilfsteam mit 120 Personen, darunter acht Piloten, in Jordanien stationieren. Sie haben ein Mandat für einmonatige Operationen im Irak. Eine Verlängerung wäre bei Zustimmung des belgischen Parlaments möglich.

Dänemark

Kopenhagen hat sieben F-16-Kampfjets, Piloten und Hilfspersonal im Kampf gegen die Dschihadisten versprochen. Ihre Einsatzzeit beträgt zwölf Monate. Washington bat Dänemark auch um die Entsendung von Militärausbildern in den Irak gebeten. Dort sollen sie irakische und kurdische Sicherheitskräfte im Bodenkampf gegen die IS-Milizen schulen.

Kanada

Ottawa hat rund 70 Elitesoldaten abgestellt, die kurdische Truppen im Nordirak beraten sollen. Noch diese Woche will das Kabinett von Premierminister Stephen Harper zudem eine US-Bitte um Teilnahme an den Luftangriffen gegen IS-Stellungen prüfen. Kanada hat bereits zwei Militärfrachtflugzeuge beigesteuert, die Waffen für die kurdischen Kämpfern geladen hatten.

Australien

Ein Luftwaffenkontingent, darunter acht F/A-18-Kampfjets vom Typ Hornet und zwei Unterstützungsflugzeuge, hat Canberra bereits in die Vereinigten Arabischen Emirate geschickt. Mit dabei sind auch 600 Soldaten, die meisten von ihnen Mitglieder der Luftwaffe. Es wird erwartet, dass die australischen Kampfjets an Einsätzen gegen die IS-Miliz im Irak teilnehmen. Die Regierung von Premierminister Tony Abbott hat sich jedoch noch nicht auf eine Kampfrolle festgelegt.

Insgesamt sieben Dinar-Münzen soll die neue Währung laut IS haben: Zwei aus Gold, drei aus Silber und zwei aus Kupfer. Die Münze mit dem höchsten Wert von fünf Dinar soll 21,25 Gramm 21-karätigen Goldes enthalten und rund 694 US-Dollar wert sein, berichtet die Financial Times. Die Münzen zeigen unter anderem eine Weltkarte, einen Speer und das weiße Minarett von Damaskus. Die Währung knüpft an die Tradition des ersten muslimischen Kalifats aus dem achten Jahrhundert an.

Der IS feiert bereits die mit dem Goldstandard vermeintlich verbundene Unabhängigkeit vom internationalen Finanzsystem. Doch die Führung um ihren Anführer Abu Bakr al-Baghdadi irre sich, wenn sie glaube damit den US-Dollar loszuwerden, sagt Adalbert Winkler, Professor für Internationale Finanzwissenschaft an der Frankfurt School of Finance & Management. „Die Münzen würden von den Menschen wohl nur unter Zwang gehalten, weil die Preise von Rohstoffen wie Gold, Silber und Kupfer hochvolatil sind.“ Sobald sie könnten, würden sie die Goldmünzen in eine stabilere Währung umtauschen – US-Dollar zum Beispiel.

Kommentare (19)

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Herr Konstantin Lewe

14.11.2014, 17:34 Uhr

Nun sehr weit werden sie mit ihren Münzen wohl nicht kommen.
Wenn es keine Legierung ist wird man sie einfach fälschen
können. Ausserdem braucht man erhebliche Mengen Gold und
Silber um so mehrere Milliarden abbilden zukönnen.

Wenn der IS so schnell weiter wächst werden die Münzen
deflationieren da sich die Geldmenge nicht so einfach per
Knopfdruck erweitern lässt.

Aber politisches Signal hin oder her damit erhält man
nahezu uneingeschränkte Kontrolle über die Leute die diese
Währung nutzen werden. Somit wird es den IS von innen
massiv stärken.

Da keine Konvertierbarkeit vorgesehen ist und sie
ebenfalls Dollar für Öl und Co. bekommen werden sie
damit wohl kaum so unabhängig wie sie es gerne hätten.

Ich frage mich immer noch wer steht dahinter und
vorallem wer kauft Öl usw. von diesen Milizen?

Dahinter wird wohl kaum eine kleine Terroorganisation
stehen sondern eher ganze islamische Staaten und vllt. auch
der ein oder andere Ölscheich.

Herr Josef Schmidt

14.11.2014, 17:41 Uhr

Nur Terroristen, die Mafia, Geldwäscher und Steuerhinterzieher haben Gold. Gold ist Terrormetall und gehört verboten.

Herr peter gramm

14.11.2014, 17:41 Uhr

Ich frage mich immer noch wer steht dahinter und
vorallem wer kauft Öl usw. von diesen Milizen?...all diejenigen die damit ein geschäft machen können. dies war immer schon so. von wegen moral und anstand. es geht schlichtwe gum kohle. diesem fetisch wird alles untergeordnet. diejenigen die mit diesen terroristen geschäfte machen sind die wahren terroristen.

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