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24.11.2014

10:58 Uhr

Islamischer Staat

Terrormiliz rekrutiert Kinder als Soldaten

Der Islamische Staat entführt Kinder und Teenager, unterzieht sie einer Gehirnwäsche, bildet sie zu Kämpfern aus und schickt sie in den Syrischen Bürgerkrieg. Auch als Kuriere, Spione oder Wachen setzt der IS Kinder ein.

In der hart umkämpften Stadt Kobane etwa beobachteten mehrere Aktivisten Kinder an der Seite von IS-Milizen. AFP

In der hart umkämpften Stadt Kobane etwa beobachteten mehrere Aktivisten Kinder an der Seite von IS-Milizen.

BeirutSie stehen schwer bewaffnet an Kontrollpunkten der Städte Mossul im Irak oder Rakka in Syrien. Die Kämpfer eint zum einen das Logo auf ihren schwarzen Uniformen, das sie als Einheiten der sogenannten Islamischen Polizei kennzeichnet - und die Tatsache, dass sie minderjährig sind.

Teenager und gar Kinder spielen im Kampf der Terrormiliz Islamischer Staat eine große Rolle. Jungen im Schulalter werden in Trainingscamps und Religionskursen vorbereitet, ehe sie in den Kampf geschickt werden. Andere dienen als Köche, Wachen vor den Hauptquartieren der Miliz oder als Spione, die Informationen über die Anwohner in bestimmten Nachbarschaftsvierteln einholen.

Einwohner, Aktivisten, unabhängige Experten und Menschenrechtsgruppen haben Beweise gesammelt, dass der IS in von ihm kontrollierten Gebieten im Irak und in Syrien systematisch nach Minderjährigen Ausschau hält. In Kobane etwa, einer der meist umkämpften Städte im Norden Syriens nahe der Grenze zur Türkei, beobachteten mehrere Aktivisten Kinder, die an der Seite der IS-Milizen kämpften, wie sie der Nachrichtenagentur AP berichteten.

Einer der Aktivisten, Mustafa Bali, sagte, er habe die Leichen von vier getöteten Jungen entdeckt – zwei davon seien wohl jünger als 14 gewesen. Ein 18-Jähriger verübte in Kobane einen Selbstmordanschlag. Wie weit die Rekrutierung und der Einsatz von Heranwachsenden ist, lässt sich in der verschlossenen Welt des IS nicht mit Gewissheit sagen. Verlässliche Zahlen dazu gibt es bislang nicht.

Ein Gremium der Vereinten Nation, das zu Kriegsverbrechen im Syrischen Bürgerkrieg ermittelt, kam jedoch bereits zu dem Schluss, dass Kinder aktiv in den Kampf des IS eingreifen. Unter anderem deshalb wird den Terroristen vorgeworfen, massive Menschenrechtsverstöße und Kriegsverbrechen „in einer systematischen und organisierten Art und Weise“ zu verüben.

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Die Kinder sähen „Gewalt als eine Art zu leben“ an, heißt es in einem kürzlich veröffentlichten UN-Bericht. Die Institution stützt den Bericht auf mehr als 300 Interviews mit Menschen, die aus den Terror-Gebieten geflohen sind, sowie auf Video- und Foto-Aufnahmen.

Der Missbrauch von Kindern als Kämpfer durch terroristische Gruppierungen ist nicht neu. Auch die Freie Syrische Armee oder die Nusra-Front bildeten im Syrischen Bürgerkrieg Kinder für den Kampf aus, wie die Spezialvertreterin des UN-Generalsekretärs für Kinder und bewaffnete Konflikte, Leila Zerrougui, berichtet.

Der Unterschied ist das organisierte und systematische Vorgehen, mit dem sich der IS die Kriegskinder zu nutzen macht. Den Minderjährigen wird dabei die radikale und gewalttätige Interpretation des Scharia-Gesetzes eingeimpft.

„Das ist keine Randerscheinung. Das ist etwas, das beobachtet wurde und ein Teil der Strategie der Gruppe zu sein scheint“, sagt Zerrougui in einem Telefoninterview. „Sie entführen Kinder und zwingen sie, sich ihnen anzuschließen. Sie führen Gehirnwäschen durch.“ Einige seien gerade einmal neun oder zehn Jahre alt.

Kommentare (1)

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Herr Wolfgang Trantow

25.11.2014, 20:38 Uhr

Die UNI hart bisher, meine Wahrnehmung, nichts gegen Kindersoldaten unternommen. Schon ein hochgeliebter Hr. Schröder (SPD) führte in Deutschland aus Kinderliebe die Kinderarbeit ein!!

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