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10.12.2015

11:06 Uhr

Islamischer Staat und die Anti-Terror-Koalition

Was bringt der Luftkrieg gegen den IS?

Heute startet die Syrien-Mission für die deutschen Tornados. Fast täglich fliegt der Westen Angriffe auf IS-Ziele – und verbraucht dabei Unmengen an Munition. Entscheidend geschwächt sind die Terroristen aber nicht.

Deutsche Soldaten starten nach Syrien

„Wir haben alle ein mulmiges Gefühl“

Deutsche Soldaten starten nach Syrien: „Wir haben alle ein mulmiges Gefühl“

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Washington/MoskauEs sollte das größte Militärbündnis seit Ende des Zweiten Weltkriegs werden. Ab heute mischt auch die Bundeswehr mit ihren Tornados mit. Doch die insgesamt 65 Länder, die US-Präsident Barack Obama in seiner Koalition im Kampf gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) hinter sich hat, sind mit Blick auf ihren militärischen Beitrag ein recht bunter Haufen. Wer trägt zu den Bombardements bei, und wie wirkungsvoll sind die Angriffe?

Fast täglich listet das US-Zentralkommando attackierte IS-Ziele auf: Hier eine Kampfeinheit, dort eine Ölquelle, einige Fahrzeuge, Bunker, Depots, Trainingslager. Doch Berichte über Mangel an Munition wecken Zweifel, wie effizient die Attacken sind.

Die Gegner des Islamischen Staates

USA

Die mächtigste Militärmacht der Welt führt den Kampf gegen den IS an. Seit mehr als einem Jahr bombardiert die US-Luftwaffe die Extremisten in Syrien und im Irak. An ihrer Seite sind auch Jets aus Frankreich und anderen westlichen Staaten sowie aus arabischen Ländern im Einsatz. Washington hat zudem US-Militärberater in den Irak entsandt, die Bagdad im Kampf am Boden unterstützen.

Russland

Moskaus Luftwaffe fliegt seit Ende September Luftangriffe in Syrien. Sie sollen nach Angaben des Kremls den IS bekämpfen. Der Westen und syrische Aktivsten werfen Russland jedoch vor, die meisten Luftangriffe richteten sich gegen andere Rebellen, um so das Regime von Präsident Baschar al-Assad zu unterstützen.

Deutschland

Deutschland liefert seit mehr als einem Jahr Waffen an die Kurden im Norden des Iraks, darunter die Sturmgewehre G3 und G36 und die Panzerabwehrwaffe Milan. Die Bundeswehr bildet zudem kurdische Peschmerga-Kämpfer für den Kampf am Boden aus.

Arabische Staaten

Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Katar und Jordanien unterstützen die USA bei den Luftangriffen. Vor allem Saudi-Arabien und Jordanien sehen den IS als Gefahr, weil die Extremisten bis an ihre Grenzen herangerückt sind.

Kurden

Sowohl im Norden Syriens als auch im Nordirak gehören die Kurden zu den erbittertsten Gegnern des IS. Die kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) im Syrien und die Peschmerga im Irak konnten den Extremisten empfindliche Niederlagen beibringen. Unterstützt werden sie von mehreren westlichen Staaten.

Irakische Armee

Das irakische Militär geht in mehreren Regionen des Landes gegen den IS vor. Allerdings kann sie nur wenige Erfolge vorweisen. Seit Monaten versucht die Armee erfolglos, die westirakische Provinz Al-Anbar zu befreien. Unterstützt wird sie von schiitischen Milizen, die eng mit dem Iran verbunden sind.

Syrische Rebellen

Sie bekämpfen das Regime und den IS. Das gilt auch für die Nusra-Front, syrischer Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida. Sie teilt die Ideologie des IS, ist aber mit ihm verfeindet.

Syrisches Regime

Auch das syrische Militär geht gegen den IS vor. Kritiker werfen dem Regime jedoch vor, es greife vor allem andere Rebellen an und lassen die Extremisten gewähren. Auffällig ist, dass sich die meisten syrischen Luftangriffe nicht gegen den IS, sondern gegen Regionen unter Kontrolle anderer Gruppen richten.

„Die Luftwaffe braucht ihre Munition schneller auf, als wir sie auffüllen können“, teilte US-General Mark Welsh kürzlich mit. In „Rekordzahl“ hätten B-1-Maschinen Bomben abgeworfen, F-15-Kampfflugzeuge seien wegen ihrer „großen Bandbreite an Waffen“ im Einsatz. Die Menge an Munition liege „unterhalb unserer gewünschten Ziele“, sagt ein hochrangiger Vertreter der Luftwaffe dem Sender CNN.

Auch US-Heeresoberst Steve Warren, der vor zwei Wochen von einem Luftangriff auf IS-Tanklaster berichtete, gestand ein: „Ihre Munition war leer, bevor sie soweit kamen, aber Ziel war, jeden einzelnen Lastwagen zu zerstören.“ Schätzungen zufolge hat die Luftwaffe im Irak und in Syrien mehr als 20.000 Raketen und Bomben abgefeuert.

Mehr als 8500 Bombardements des Bündnisses zählen die USA seit Beginn der Angriffe vor 15 Monaten, rund ein Drittel davon in Syrien. 95 Prozent der Luftschläge gehen auf das Konto der Vereinigten Staaten, im Irak schultern sie knapp 70 Prozent der Angriffe. Die Operation hat Washington bereits 5,2 Milliarden Dollar (4,8 Milliarden Euro) gekostet.

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Profitiert von diesen Luftangriffen haben – zum Verdruss der Türkei – vor allem Kurden. So gelang es den kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG), syrischer Ableger der verbotenen Arbeiterpartei PKK, die lange umkämpfte Grenzstadt Kobane zu befreien. Zudem rückten sie in weitere nordsyrische Gebiete vor, die unter IS-Kontrolle standen, eine empfindliche Niederlage für die Extremisten. Auch Iraks Kurden konnten die IS-Miliz aus größeren Regionen zurückdrängen.

So hat der IS Gebiete verloren, auch die Bewegungsfreiheit seiner Kämpfer wurde eingeschränkt. Entscheidend schwächen aber konnten ihn die Luftangriffe nicht. Noch immer erstreckt sich die IS-Herrschaft über weite Teile Syriens und des Iraks. Die Extremisten fördern und schmuggeln weiterhin Öl. Auch der Zustrom ausländischer Kämpfer ist nicht gestoppt. Ihre Zahl soll sich nach Einschätzung von US-Analysten seit Mitte 2014 sogar mehr als verdoppelt haben.

Kommentare (22)

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Herr M. M.

10.12.2015, 11:15 Uhr

Was bringt der Luftkrieg?Klingelnde Kassen bei den Bombenbauern.

Herr Andreas Hobi

10.12.2015, 11:20 Uhr

1914 begann ein Zeitalter der Extreme:
Mehr Menschen als je zuvor wurden im 20. Jahrhundert
in Kriegen abgeschlachtet – und jetzt, ziemlich genau
hundert Jahre nach dem Auftakt zum globalen Völkermorden.
2015, sieht es so aus, als ob die Menschheit aus ihrer
blutigen Geschichte wenig gelernt habe. Nein: nichts.
Jede Bombe, jeder Drohnenangriff, die so oft Unschuldige
treffen, schüren den Hass auf den Westen. Ewiger Krieg
für ewigen Frieden. Und Deutschland macht nun mit.

Herr Fritz Yoski

10.12.2015, 11:21 Uhr

Was in der Art wollte ich auch gerade schreiben. Aber Hauptsache Krieg, der belebt das Geschaeft.

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