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13.11.2015

17:17 Uhr

Islamischer Staat

Verteidigung der Marke mit noch mehr Gewalt

VonPierre Heumann

Der Islamische Staat ist unter Druck. Militärische Niederlagen säen bei den Anhängern Zweifel an seiner Unbesiegbarkeit. Um weiter attraktiv zu bleiben, verteidigt er seine Marke der Brutalität mit noch mehr Gewalt.

Der Anschlag in der libanesischen Hauptstadt geht wohl auf das Konto der Dschihadisten vom IS. Reuters

Beirut

Der Anschlag in der libanesischen Hauptstadt geht wohl auf das Konto der Dschihadisten vom IS.

Tel AvivIn den vergangenen 48 Stunden hat der Islamische Staat mehrere Niederlagen einstecken müssen, die bei seinen Anhängern Zweifel an seiner Unbesiegbarkeit aufkommen lassen. Jüngstes Beispiel ist der amerikanische Drohnen-Angriff auf „Dschihadi John“, das Symbol der IS-Grausamkeit. Er könnte bei einer Luftattacke auf Rakka, die Hauptstadt des Islamischen Staates, getötet worden sein.

Der britische Premier David Cameron bezeichnete am Freitag den Terroristen als „Bedrohung für die Welt“, wollte allerdings nicht bestätigen, dass Dschihadi John beim Angriff getötet wurde. Das Pentagon spricht hingegen von einer „hohen Wahrscheinlichkeit“, dass der Brite beim Drohnenangriff umgekommen sei.

Der Mann, der eigentlich Mohammed Emwazi heißt und in Großbritannien aufgewachsen ist, steht ganz oben auf der Wanted-Liste Londons und Washingtons. Emwazis Tod hat für sie seit Monaten Top-Priorität.

Die Gegner des Islamischen Staates

USA

Die mächtigste Militärmacht der Welt führt den Kampf gegen den IS an. Seit mehr als einem Jahr bombardiert die US-Luftwaffe die Extremisten in Syrien und im Irak. An ihrer Seite sind auch Jets aus Frankreich und anderen westlichen Staaten sowie aus arabischen Ländern im Einsatz. Washington hat zudem US-Militärberater in den Irak entsandt, die Bagdad im Kampf am Boden unterstützen.

Russland

Moskaus Luftwaffe fliegt seit Ende September Luftangriffe in Syrien. Sie sollen nach Angaben des Kremls den IS bekämpfen. Der Westen und syrische Aktivsten werfen Russland jedoch vor, die meisten Luftangriffe richteten sich gegen andere Rebellen, um so das Regime von Präsident Baschar al-Assad zu unterstützen.

Deutschland

Deutschland liefert seit mehr als einem Jahr Waffen an die Kurden im Norden des Iraks, darunter die Sturmgewehre G3 und G36 und die Panzerabwehrwaffe Milan. Die Bundeswehr bildet zudem kurdische Peschmerga-Kämpfer für den Kampf am Boden aus.

Arabische Staaten

Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Katar und Jordanien unterstützen die USA bei den Luftangriffen. Vor allem Saudi-Arabien und Jordanien sehen den IS als Gefahr, weil die Extremisten bis an ihre Grenzen herangerückt sind.

Kurden

Sowohl im Norden Syriens als auch im Nordirak gehören die Kurden zu den erbittertsten Gegnern des IS. Die kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) im Syrien und die Peschmerga im Irak konnten den Extremisten empfindliche Niederlagen beibringen. Unterstützt werden sie von mehreren westlichen Staaten.

Irakische Armee

Das irakische Militär geht in mehreren Regionen des Landes gegen den IS vor. Allerdings kann sie nur wenige Erfolge vorweisen. Seit Monaten versucht die Armee erfolglos, die westirakische Provinz Al-Anbar zu befreien. Unterstützt wird sie von schiitischen Milizen, die eng mit dem Iran verbunden sind.

Syrische Rebellen

Sie bekämpfen das Regime und den IS. Das gilt auch für die Nusra-Front, syrischer Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida. Sie teilt die Ideologie des IS, ist aber mit ihm verfeindet.

Syrisches Regime

Auch das syrische Militär geht gegen den IS vor. Kritiker werfen dem Regime jedoch vor, es greife vor allem andere Rebellen an und lassen die Extremisten gewähren. Auffällig ist, dass sich die meisten syrischen Luftangriffe nicht gegen den IS, sondern gegen Regionen unter Kontrolle anderer Gruppen richten.

Dschihadi John ist im Westen der Inbegriff der perversen IS-Brutalität, nachdem er auf Hinrichtungsvideos westlicher Geiseln mit britischem Akzent deren Ermordung kommentiert und weitere Morde durch das Messer angedroht hatte.

Auch wenn Dschihadi John in seiner Terror-Karriere keine Führungspositionen bekleidet hat: Sein Tod wäre ein schwerer Schlag für die stets auf krankhafte Publicity und Erfolgsmeldungen achtenden Strategen des IS. Der britische Bürger, 1988 in Kuwait geboren und 1994 nach England ausgewandert, schloss sich vor rund zwei Jahren dem IS in Syrien an.

Im Westen wurde er im vergangenen Jahr durch Enthauptungsvideos bekannt, auf denen zum Beispiel der amerikanische Journalist Steven Sotloff, der britische Mitarbeiter eines Hilfswerks, David Heines oder der japanische Reporter Kenji Goto geköpft wurden. Der Informatiker mit einem Abschluss der Universität Westminster hatte sich bei den Hinrichtungen mit einem langen Messer, einem schwarzen Überhang und einer übers Gesicht gezogenen Skimütze filmen lassen.

Dschihadi John habe stets möglichst viel Drama angestrebt, schreibt der spanische Journalist Javier Espinosa in seiner Zeitung El Mundo, der nach einer sechs Monate langen IS-Gefangenschaft befreit werden konnte. Er „hatte jeweils ein antikes Schwert bei sich, das die arabischen Armeen im Mittelalter verwendet hatten.“

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