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05.06.2016

11:29 Uhr

Islamismus

Ein Terroranschlag für unter 10.000 Dollar

VonPierre Heumann

Der islamistische Terror hat seine Strategie geändert: Eine Studie zeigt, dass der IS seine Anschläge mit Mini-Budgets plant. Dabei ziehen die Dschihadisten auch Konsequenzen aus der Überwachung der Finanzmärkte.

Attentate kosten in der Regel weniger als 10.000 Dollar. AP

Kämpfer des Islamischen Staates

Attentate kosten in der Regel weniger als 10.000 Dollar.

Tel AvivDie mutmaßliche Schläferzelle, die von deutschen Sicherheitsbehörden in der vergangenen Woche ausgehoben wurde, arbeitete kostengünstig. Für die geplanten schweren Anschlägen an mehreren Orten in Düsseldorf hätte sie nur wenig Geld benötigt. Wenn Terroristen in Europa Attentate planen, ist Geld für sie oft das kleinste Problem. Die Mehrheit der Anschläge hat in den vergangenen Jahren jeweils weniger als 10.000 Dollar gekostet. Das zeigt eine Untersuchung des norwegischen Militärforschungsinstituts FFI zeigt.

Dschihadisten verlassen sich demnach bei der Finanzierung von Attentaten in aller Regel auf Mitglieder der Terrorzellen, auf ihre eigenen Einkünfte oder Ersparnisse. Nur ein Viertel der Anschläge der letzten Jahre erhielt ökonomische Unterstützung von internationalen Terror-Organisationen.

IS-Terrorzelle: Islamisten planten Anschlag in Düsseldorf

IS-Terrorzelle

Islamisten planten Anschlag in Düsseldorf

Im Auftrag der Terrormiliz IS haben vier Männer ein Attentat in der Düsseldorfer Altstadt vorbereitet. Zwei von ihnen wollten sich in die Luft sprengen. Die Männer wurden verhaftet. Die Polizei erfuhr früh von den Plänen.

Im Laufe der letzten Jahren konnten die norwegischen Forscher zudem einen neuen Trend feststellen: Der Anteil der Terroristen, die ihre Anschläge selber finanzieren, hat zugenommen. Externe Finanzierung „ist kein entscheidender Faktor“, heißt es in der norwegischen Studie.

Die Forschungsarbeit stützt sich auf die Analyse von 40 europäischen Terror-Zellen in den Jahren 1994 bis 2013. Daraus geht auch hervor, dass bei der Terrorfinanzierung in Europa Diebstahl oder Drogenhandel relativ selten sind. Offen ist allerdings, wie sich die Kooperation mit internationalen Terrororganisationen beim Training und bei der Vorbereitung auf die Finanzströme auswirken. In vielen Fällen ließ sich aber trotz Zusammenarbeit kein entsprechender Geldfluss nachweisen.

Die vielen Namen der Extremistenmiliz IS

Isil

Die Abkürzung steht für „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ und ist vor allem im Englischen noch häufig zu hören. Sie kommt der Übersetzung des arabischen Namens recht nahe. Dort ist vom Islamischen Staat im Irak und „al-Scham“ die Rede, also Großsyrien unter den Omajaden und später den Abbasiden.

Isis

Die Kurzform von „Islamischer Staat im Irak und Syrien“.

Isig

Diese Abkürzung benutzt die Bundesanwaltschaft in ihren Pressemitteilungen. Sie steht für den „Islamischen Staat im Irak und Großsyrien“.

IS

So nennt sich die Organisation selbst seit der Ausrufung ihres Kalifats 2014. Die Abkürzung steht für „Islamischer Staat“. Kritiker lehnen diese Bezeichnung ab, weil sie den Anspruch der Miliz untermauere, einen echten Staat – und noch dazu einen islamischen – geschaffen zu haben. Manche sprechen deshalb vom „sogenannten Islamischen Staat“.

Daesch oder Daisch

Als Alternative ist in den vergangenen Monaten vermehrt die Bezeichnung Daesch oder Daisch in Mode gekommen. Dies ist die arabische Abkürzung für die Bezeichnung „Islamischer Staat im Irak und al-Scham“ (Al Daula al-Islamija fi al-Irak wa al-Scham). In den Ohren von Muttersprachlern klingt sie despektierlich, der IS selbst lehnt sie ab. Das ist ein Grund mehr für Gegner der Extremisten, sie zu verwenden.

Dass der Terror relativ kostengünstig ist, erschwert das Aufdecken der Attentäter. Sie sind nicht auf Finanztransaktionen angewiesen, es fließen ihnen keine auffallend großen Beträge aus suspekten Quellen zu, die den Behörden auffallen könnten.

Nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft sollten sich zwei Attentäter im Auftrag der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) in der Düsseldorfer Altstadt in die Luft sprengen, weitere dann mit Schusswaffen und Sprengsätzen so viele Menschen wie möglich töten. Konkrete Vorbereitungen gab es nach Erkenntnissen der Ermittler noch nicht.

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