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03.04.2015

11:40 Uhr

Islamisten-Terror

Kenia trauert um ermordete Studenten

Ganz Kenia steht unter Schock. Terroristen haben in dem ostafrikanischen Land fast 150 Studenten ermordet. Die Angst geht um – denn ein Plan zur Verteidigung gegen die Fundamentalisten aus Somalia hat derzeit niemand.

147 Tote und 80 Verletzte hat der Terrorangriff der somalischen Islamistenmiliz Al-Shabaab auf die Universität von Garissa in Kenia gefordert. Das Land steht unter Schock. dpa

Trauer in Kenia

147 Tote und 80 Verletzte hat der Terrorangriff der somalischen Islamistenmiliz Al-Shabaab auf die Universität von Garissa in Kenia gefordert. Das Land steht unter Schock.

NairobiDer verheerende Islamistenangriff auf die Universität von Garissa im Osten Kenias hat das Land in tiefe Trauer gestürzt. Mindestens vier maskierte Männer hatten die Hochschule am frühen Donnerstagmorgen gestürmt und anschließend fast 16 Stunden lang besetzt. Die militanten Islamisten töteten 147 Menschen, die meisten von ihnen waren Studenten. Sicherheitskräften gelang es, 580 weitere Studenten vor den brutalen Angreifern zu retten. Fast 80 Menschen wurden verletzt.

Zu der Tat hat sich die somalische Islamistenmiliz Al-Shabaab bekannt. Die Gruppe, die vor allem im Zentrum und Süden Somalias aktiv ist, geht auch dort mit unverminderter Härte gegen die Bevölkerung vor, um eine strenge Auslegung des islamischen Rechts Scharia durchzusetzen. Schon lange fordern die Fundamentalisten den Abzug kenianischer Truppen aus dem Nachbarland und verüben wegen des Militäreinsatzes Vergeltungsanschläge auf kenianischem Boden.

Blutiger Terror in Nigeria

Dezember 2010

Bei blutigen Angriffe auf Christen in Nigeria sterben an Heiligabend mindestens 80 Menschen. In und um die Stadt Jos im Zentrum des Landes explodieren mehrere Bomben. Dutzende Angreifer attackieren eine Kirche in Maiduguri. Am 26. Dezember gehen erneut mehrere Häuser in Flammen auf. In Jos kommt es nach den Explosionen zu Zusammenstößen.

Januar 2011

Bei Sprengstoffexplosionen werden in der Neujahrsnacht mindestens elf Menschen getötet. Für die Anschläge in einer Kirche und auf einem Kasernengelände stehen muslimische Extremisten im Verdacht.

Juni 2011

Bei mehreren Angriffen der radikalislamistischen Sekte Boko Haram innerhalb weniger Wochen sterben mehr als 30 Menschen. Ein Anschlag traf einen von Polizisten und Soldaten besetzten Biergarten. Boko Haram lehnt jeden westlichen Lebensstil ab – auch das Trinken von Alkohol.

Dezember 2011

Auch im Folgejahr kommt es am 24. Dezember zu neuen Anschlägen. In der Folgezeit werden regelmäßig christliche Gebäude bombardiert. Boko Haram hat es maßgeblich auf Kirchen abgesehen. Christen werden gezielt angegriffen und getötet.

November 2012

Bei einem Gefecht in der nordnigerianischen Stadt Maiduguri mit dem örtlichen Militär wird Ibn Saleh Ibrahim, der Anführer von Boko Haram, erschossen.

Februar 2013

Die Terrorgruppe hat es inzwischen auch gezielt auf Ausländer abgesehen. Zunächst werden sieben Mitarbeiter einer britischen Baufirma, wenige Tage später eine mehrköpfige Familie aus Frankreich entführt.

Mai 2013

Angesichts der blutigen Situation ruft Nigerias Präsident Goodluck Jonathan den Notstand aus. Experten zufolge hat die Terrorgruppe Boko Haram bis zu diesem Zeitpunkt über 4000 Menschen getötet.

Januar 2014

Fast jeden Tag gibt es Meldungen über neue Entführungen und Morde. Die Terrormiliz geht weiter ungeachtet mit größter Brutalität vor und warnt andere Staaten vor militärischer Intervention.

März 2015

Nach eigenen Angaben hat es die nigerianische Armee geschafft, das Hauptquartier von Boko Haram zu zerstören. Zahlreiche Mitglieder der Terrormiliz seien getötet worden. Erst wenige Tage zuvor hatte Boko Haram eine Gruppe von knapp 500 Frauen und Kindern entführt.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) zeigte sich bestürzt über das Blutbad. „Dieser Anschlag auf unschuldige Menschen bringt erneut zum Ausdruck, mit welcher Brutalität die Terroristen von Al-Shabaab vorgehen und dass sie in ihrer menschenverachtenden Gesinnung keinerlei Skrupel kennen“, hieß es am Freitag in einer Mitteilung. Er versicherte der kenianischen Regierung die Solidarität der Bundesregierung.

Augenzeugen sagten der Zeitung „Daily Nation“, die Angreifer hätten die Studenten aufgefordert, Verse aus dem Koran zu zitieren. „Sie standen vor den Wohnheimen und stellten Fragen über den Islam und den Propheten“, sagte der Hochschüler Hassan Abdi. Offensichtlich ermordeten die Extremisten hauptsächlich christliche Studenten, die nicht antworten konnten.

Wie die „Daily Nation“ weiter berichtete, zündeten die Angreifer zum Schluss Sprengstoffgürtel und verletzten Sicherheitspersonal. Vorher hatten sie sich stundenlang mit einer unbestimmten Zahl von Geiseln in einem Wohnheim auf dem Campus verschanzt.

 Kenia im Schockzustand: Angriff von Al-Shabaab-Miliz

Kenia im Schockzustand

Angriff von Al-Shabaab-Miliz

Kenia lebt in ständiger Angst. Islamisten aus dem Nachbarland Somalia wollen Vergeltung. Grund: Nairobi ist mit Truppen gegen die Al-Shabaab-Miliz im Einsatz. Jetzt wurde eine Universität zur Zielscheibe.

Viele Leichen wurden nach Angaben des Roten Kreuzes in die Hauptstadt Nairobi geflogen. Die Organisation bat die Angehörigen der Opfer über den Kurzmitteilungsdienst Twitter, die Toten zu identifizieren.

Die Afrikanische Union (AU) verurteilte den Angriff auf Schärfste und sprach von einer „feigen Terrorattacke“ und einem „barbarischen Akt“. AU-Chefin Nkosazana Dlamini-Zuma würdigte gleichzeitig den militärischen Einsatz Kenias in Somalia. Das Land habe „riesige Opfer gebracht, um das Nachbarland zu stabilisieren“.

Der Angriff war der blutigste in Kenia seit dem Bombenanschlag auf die US-Botschaft in Nairobi im Jahr 1998, bei dem über 200 Menschen getötet wurden. Im September 2013 hatte die Al-Shabaab ihren bisher schwersten Anschlag in Kenia verübt, als Terroristen das Einkaufszentrum Westgate stürmten. Mindestens 67 Menschen kamen bei der mehrere Tage dauernden Attacke ums Leben.

Von

dpa

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