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02.04.2015

22:49 Uhr

Islamisten töten viele Studenten

Fast 150 Tote bei Terrorangriff auf Uni in Kenia

Bei dem Anschlag der somalischen Al-Shabaab-Miliz in Kenia sind bis zu 150 Menschen ums Leben gekommen. Der Einsatz der Polizei scheint beendet – die Lage ist auch rund zwölf Stunden nach Beginn der Attacke chaotisch.

Augenzeugen berichteten, Studenten seien nach den ersten Schüssen in Panik geflohen. Die Angreifer hätten aber erbarmungslos auf die Flüchtenden geschossen. AFP

Terror und Angst

Augenzeugen berichteten, Studenten seien nach den ersten Schüssen in Panik geflohen. Die Angreifer hätten aber erbarmungslos auf die Flüchtenden geschossen.

NairobiBeim bisher blutigsten Angriff somalischer Islamisten auf kenianischem Boden sind am Donnerstag 147 überwiegend junge Menschen ums Leben gekommen. Schwer bewaffnete Männer stürmten am frühen Morgen eine Universität in der Stadt Garissa im Südosten des Landes und richteten ein Blutbad unter den Studenten an. Anschließend verschanzten sie sich mit zahlreichen Geiseln in einem Wohnheim auf dem Campus. Erst viele Stunden später gelang es Sicherheitskräften, das Drama zu beenden.

Unter den Opfern sind nach Angaben des Innenministeriums in Nairobi auch die vier Täter. Mindestens 79 Menschen wurden verletzt, 587 Studenten konnten gerettet werden. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte den Angriff scharf.

Zu der Tat bekannte sich die Islamistenmiliz Al-Shabaab aus dem Nachbarland Somalia. Ein ranghoher Sprecher der Gruppe sagte der Deutschen Presse-Agentur, es habe sich um „eine heilige Operation“ gehandelt. Weitere Details wollte der Mann, der sich in der Region Lower Juba im Süden Somalias aufhält und anonym bleiben wollte, nicht nennen. Eine offizielle Stellungnahme gab es zunächst nicht.

Zeugen berichteten, die Täter hätten am Morgen zunächst die Moschee der Universität von Garissa attackiert und das Feuer auf die Anwesenden eröffnet. Später drangen sie offenbar in die Schlafsäle vor.

Als Drahtzieher der Attacke gilt ein in Kenia geborener Islamist, der im vergangenen Jahr bereits an den Anschlägen auf Zivilisten im Bezirk Mandera im Nordosten Kenias beteiligt gewesen sein soll. Dabei waren 60 Menschen ums Leben gekommen. Die Polizei leitete eine Großfahndung nach Mohamed Kuno ein, der als einer der Top-Kommandeure der Al-Shabaab gilt. Auf die Ergreifung Kunos, der auch unter dem Namen Mohamed Dulyadin bekannt ist, wurde eine Belohnung von 20 Millionen kenianischen Schilling (198.000 Euro) ausgesetzt.

Blutiger Terror in Nigeria

Dezember 2010

Bei blutigen Angriffe auf Christen in Nigeria sterben an Heiligabend mindestens 80 Menschen. In und um die Stadt Jos im Zentrum des Landes explodieren mehrere Bomben. Dutzende Angreifer attackieren eine Kirche in Maiduguri. Am 26. Dezember gehen erneut mehrere Häuser in Flammen auf. In Jos kommt es nach den Explosionen zu Zusammenstößen.

Januar 2011

Bei Sprengstoffexplosionen werden in der Neujahrsnacht mindestens elf Menschen getötet. Für die Anschläge in einer Kirche und auf einem Kasernengelände stehen muslimische Extremisten im Verdacht.

Juni 2011

Bei mehreren Angriffen der radikalislamistischen Sekte Boko Haram innerhalb weniger Wochen sterben mehr als 30 Menschen. Ein Anschlag traf einen von Polizisten und Soldaten besetzten Biergarten. Boko Haram lehnt jeden westlichen Lebensstil ab – auch das Trinken von Alkohol.

Dezember 2011

Auch im Folgejahr kommt es am 24. Dezember zu neuen Anschlägen. In der Folgezeit werden regelmäßig christliche Gebäude bombardiert. Boko Haram hat es maßgeblich auf Kirchen abgesehen. Christen werden gezielt angegriffen und getötet.

November 2012

Bei einem Gefecht in der nordnigerianischen Stadt Maiduguri mit dem örtlichen Militär wird Ibn Saleh Ibrahim, der Anführer von Boko Haram, erschossen.

Februar 2013

Die Terrorgruppe hat es inzwischen auch gezielt auf Ausländer abgesehen. Zunächst werden sieben Mitarbeiter einer britischen Baufirma, wenige Tage später eine mehrköpfige Familie aus Frankreich entführt.

Mai 2013

Angesichts der blutigen Situation ruft Nigerias Präsident Goodluck Jonathan den Notstand aus. Experten zufolge hat die Terrorgruppe Boko Haram bis zu diesem Zeitpunkt über 4000 Menschen getötet.

Januar 2014

Fast jeden Tag gibt es Meldungen über neue Entführungen und Morde. Die Terrormiliz geht weiter ungeachtet mit größter Brutalität vor und warnt andere Staaten vor militärischer Intervention.

März 2015

Nach eigenen Angaben hat es die nigerianische Armee geschafft, das Hauptquartier von Boko Haram zu zerstören. Zahlreiche Mitglieder der Terrormiliz seien getötet worden. Erst wenige Tage zuvor hatte Boko Haram eine Gruppe von knapp 500 Frauen und Kindern entführt.

„Die Angreifer haben sich den Weg zum Haupttor der Universität Garissa gebahnt, indem sie die Sicherheitskräfte am Eingang gegen 5.30 Uhr niedergeschossen haben“, hieß es in einer Polizeimitteilung. Anschließend sei es zu schweren Schusswechseln gekommen. Stundenlang versuchte das Militär, die Geiseln aus dem Wohnheim zu befreien.

"Wir hörten Schüsse, als wir schliefen. Es muss gegen 05.00 Uhr gewesen sein, und die Jungs sprangen auf und rannten um ihr Leben", sagte einer der Studenten Reuters-TV. Nach Angaben von Innenminister Joseph Nkaissery konnten etliche der insgesamt 815 Studenten vom Campus fliehen.

„Jeder im Land ist dazu aufgerufen, wachsam zu sein, während wir unseren Feinden entgegentreten“, erklärte Präsident Uhuru Kenyatta. Der deutsche Vizebotschafter in Kenia, Friedo Sielemann, erklärte: „Deutschland verurteilt diese schreckliche Terrorattacke auf die Universität Garissa - einen Ort des Lernens und der persönlichen Entwicklung - auf das Schärfste.“

Einer Studentin der benachbarten Pädagogik-Hochschule zufolge hatte es Warnungen vor einem drohenden Anschlag gegeben. Am Montag seien sie vom Direktor informiert worden, dass verdächtige Fremde in der Stadt und sogar in der Hochschule gesehen worden seien. Die Hochschule sei daraufhin am Dienstag geschlossen worden, der Universitätscampus aber offen geblieben. Garissa hat etwa 120.000 Einwohner und liegt rund 330 Kilometer östlich der Hauptstadt Nairobi unweit der Grenze zu Somalia.

Die Al-Shabaab verübt seit Jahren immer wieder Anschläge in Kenia, weil das Land mit Truppen gegen die Extremisten im Einsatz ist. Im März musste die Gruppe aber zahlreiche Rückschläge einstecken. So wurde einer der Top-Kommandeure in Mogadischu festgenommen, während ein anderer im Südwesten des Landes bei einem Drohnenagriff getötet wurde.

In Garissa hatten die Islamisten schon mehrmals Anschläge verübt. Erst im Dezember hatten Unbekannte eine Granate in ein Café geworfen und zwei Menschen verletzt. Im April 2013 attackierten vier Männer ein Hotel in der Stadt und töteten sechs Menschen. Auch in Nairobi schlugen Terroristen bereits zu. Bei einem Angriff auf das Einkaufszentrum Westgate in der kenianischen Hauptstadt waren im September 2013 mindestens 67 Menschen ums Leben gekommen.

Der neue Anschlag dürfte auch ein Rückschlag für Kenias wichtige Tourismusbranche sein. Erst am Mittwoch hatte Präsident Uhuru Kenyatta erklärt, sein Land sei wieder ein sicheres Urlaubsziel. Zugleich kritisierte er australische Warnungen vor einem möglichen Anschlag in Nairobi und britische Reisewarnungen für die meisten Küstenregionen. Die US-Regierung verurteilte den Angriff und bot Kenia Hilfe bei der Bekämpfung von Islamisten an.

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