Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.06.2014

09:42 Uhr

Islamisten-Vormarsch

Iran verspricht Unterstützung im Kampf gegen Isis

Unter dem Druck der Islamisten von Isis zerbricht die Macht des irakischen Ministerpräsidenten Al-Maliki. Die USA sind besorgt und Nachbar Iran verspricht „uneingeschränkte Solidarität“ im Kampf gegen den Terror.

Obama zu Isis-Gebietsgewinnen

„Keinerlei Maßnahme ausgeschlossen“

Obama zu Isis-Gebietsgewinnen: „Keinerlei Maßnahme ausgeschlossen“

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

BagdadUnter dem Druck der islamistischen Isis-Kämpfer droht der Irak zu zerbrechen. Die Regierung von Ministerpräsident Nuri al-Maliki bekam im Parlament keine Unterstützung für Notstandsmaßnahmen und im Kurdengebiet übernahmen Kurdenkämpfer regional die Kontrolle. Während die sunnitische Terrorgruppe Isis ihre Vormachtstellung in den seit Dienstag eroberten Gebieten ausbaut, prüft die US-Regierung auch militärische Optionen.

„Ich schließe nichts aus“, sagte Präsident Barack Obama am Donnerstag auf die Frage von Journalisten nach möglichen Luftschlägen. Ein Einsatz von Bodentruppen sei allerdings ausgeschlossen, erklärte das Präsidialamt. Obama sicherte der Regierung in Bagdad Hilfe zu und betonte, Islamisten dürften weder im Irak noch in Syrien dauerhaft Rückhalt gewinnen.

Die Terrorgruppe Islamischer Staat

Ziel

Die Organisation Islamischer Staat (IS), früher Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) genannt, gehört zu den radikalsten islamistischen Gruppen im Nahen Osten. Sie kämpft für einen sunnitischen Gottesstaat im arabischen Raum.

Ursprung

Der IS ging aus dem irakischen Widerstand der 2003 gegründeten Gruppe „Tawhid und Dschihad“ hervor, die sich gegen die US-Invasion im Irak wandte. Erster Anführer war der für seine Grausamkeit berüchtigte Jordanier Abu Mussab al-Sarkawi. Seit 2013 leitet der Iraker Abu Bakr al-Baghdadi den IS.

Aktivitäten

Die Gruppe griff Im Irak nicht nur US-Soldaten an, sondern verübte auch Selbstmordanschläge auf Schiiten und Christen im Land. Al-Sarkawi wurde 2006 von der US-Armee getötet. Seither führen Iraker die Organisation. Deren zweiter früherer Name „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ verdeutlicht den Anspruch, einen sunnitischen Großstaat zwischen Mittelmeer und Euphrat zu errichten.

Entwicklung

An Macht gewann der IS, als sie sich im Frühjahr 2013 in den syrischen Bürgerkrieg einmischte. Dort überwarf sie sich mit der aus syrischen Salafisten bestehenden Al-Nusra-Front, obwohl beide Gruppen damals dem Terrornetzwerk al-Qaida nahestanden.

Standorte

Vor allem im Nordosten Syriens greift der IS syrisch-kurdische Städte an und massakriert die Zivilbevölkerung. Im Irak profitiert die Miliz vom Streit der von Schiiten dominierten irakischen Regierung mit den sunnitischen Parteien des Landes. Am 29. Juni rief der IS das Kalifat in den von im kontrollierten Gebieten aus – mit al-Baghdadi als Kalif.

Finanzierung

Der IS finanzierte sich anfangs vor allem durch Spenden aus den Golfstaaten Katar und Saudi-Arabien, aber auch durch Wegzölle entlang der Grenzen zwischen Irak und Syrien. Mit den Landgewinnen nahmen die Gewinne aus illegalen Ölverkäufen der kontrollierten Felder zu.

Söldner

In den Reihen der Gruppe kämpfen internationale Brigaden, darunter Muslime aus Nordafrika und den arabischen Golfstaaten sowie Konvertiten aus Europa und Nordamerika.

Nach dem rasanten Vormarsch der Islamisten im Nordirak ziehen US-Unternehmen ihre Beschäftigten aus der Region ab. Eine Sprecherin des US-Außenministeriums erklärte am Donnerstag, die Betroffenen hätten für die irakische Regierung gearbeitet. Nun würden sie aus Sicherheitsgründen vorübergehend evakuiert. Details wollte die Sprecherin nicht nennen. Sie fügte hinzu, die US-Botschaft und die -Konsulate im Irak arbeiteten normal weiter.

Derweil hat der iranische Präsident Hassan Ruhani hat dem Irak die uneingeschränkte Solidarität im Kampf gegen Isis zugesichert. Sowohl auf regionaler als auch internationaler Ebene werde der Iran alles im Kampf gegen die Terroristen im Irak unternehmen, sagte Ruhani dem irakischen Regierungschef.

Dementsprechend beauftragte er seinen Außenminister Mohammed Dschawad Sarif, alle diplomatischen Möglichkeiten auszuschöpfen. Die Nachrichtenagentur Fars berichtete, Sarif habe bereits Kontakt mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, der Organisation für Islamische Zusammenarbeit und seinen Amtskollegen in der Türkei, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten aufgenommen. Der iranische Chefdiplomat forderte demnach gemeinsame Maßnahmen gegen die Terrorgruppe Isis im Irak.

Eine Bestätigung, dass der Iran auch Truppen in den Irak entsandt habe, gab es zunächst nicht. Nach Auffassung Teherans sind die Erfolge der Isis auch eine Konsequenz der westlichen Politik in der Syrien-Krise. Terroristen sei nicht nur Spielraum gegeben worden, man habe sie sogar ermutigt. Für das schiitische Land ist es eine Genugtuung, auch gegenüber der Türkei und Saudi-Arabien, dass deren Unterstützung für die Rebellen in Syrien zu einer Eskalation der Krise geführt habe.

Kommentare (28)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

12.06.2014, 08:25 Uhr

Wo kommen bloß die ganzen Waffen her, dass alle möglichen Gruppen bis an die Zähne bewaffnet sind und sogar ganze Länder destabilisieren können?

Wenn es so weiter geht, wird Syrien, Irak,Jordanien,Libanon
brennen und es muss Drahtzieher geben die daran ein großes Interesse haben. Jedesmal wenn westliche Politiker vom Frieden sprechen , tritt ja Tod und Elend ein. Aber es müssen noch mehr Länder die Welt anzünden wollen, anders ist das alles nicht mehr zu erklären.

Account gelöscht!

12.06.2014, 08:30 Uhr

Läuft doch alles nach NATO's Plan. Egal, ob Lybien, Syrien, Irak oder die Ukraine. Deutschland hat genauso das Blut auf den Händen.

Account gelöscht!

12.06.2014, 09:00 Uhr

NOTSTAND IM IRAK
..
Intervention der USA und deren Verwüstungen
rächen sich jetzt auf grausige art und weise.
..

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×