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18.03.2014

19:12 Uhr

Islamisten-Website

Tschetschenischer Topterrorist Umarow gestorben

Laut einer Islamisten-Website ist der tschetschenische Terroristenführer Doku Umarow offenbar tot. Er gilt als Drahtzieher schwerer Bombenanschläge in Russland und wird auch von den USA international gesucht.

Der Screenshot eines Terror-Videos aus dem Jahr 2007 zeigt den Top-Terrorist Doku Umarow aus dem Nordkaukasus. dpa

Der Screenshot eines Terror-Videos aus dem Jahr 2007 zeigt den Top-Terrorist Doku Umarow aus dem Nordkaukasus.

Berlin/MoskauDer tschetschenische Terroristenführer Doku Umarow ist nach einem unbestätigten Bericht einer Islamisten-Website tot. Umarow gilt als Drahtzieher schwerer Bombenanschläge in Russland mit Dutzenden Toten. Er sei den Märtyrertod gestorben, berichtete die in Russland gesperrte Website kavkazcenter.com am Dienstag. Umarow wird auch von den USA international gesucht.

Ein Sprecher des russischen Nationalen Anti-Terror-Komitees bestätigte den Tod Umarows nicht. Es gebe immer mal wieder Meldungen über Umarows Ende, sagte der Sprecher der Staatsagentur Ria Nowosti in Moskau. Allerdings war dies der erste entsprechende Bericht auf einer Islamisten-Website.

Zuletzt hatte der kremltreue tschetschenische Republikchef Ramsan Kadyrow Umarows Tod verkündet. Darauf hätten abgehörte Telefonate von Terroristen hingedeutet. Es fehle nur noch seine Leiche, hatte Kadyrow gesagt. Auch auf diese Äußerungen hatten russische Geheimdienste zurückhaltend reagiert.

Kadyrow forderte nun die russischen Behörden auf, doch anzuerkennen, dass Umarow ausgeschaltet worden sei. Der Terrorist sei bereits vor Monaten bei einem Anti-Terror-Einsatz getötet worden, sagte er der Agentur Interfax zufolge. „Nun haben diese Ratten das selbst bestätigt. Was brauchen die Geheimdienste und Medien noch, um an den Tod zu glauben?“, sagte Kadyrow.

Terror in Russland – Bomben und Geiselnahmen

Oktober 2002

Tschetschenen überfallen ein Moskauer Musical-Theater und nehmen mehr als 800 Geiseln. Nach drei Tagen stürmt die Polizei das Gebäude. 129 Geiseln und alle 41 Terroristen sterben.

August 2004

Nahezu gleichzeitig stürzen zwei russische Passagiermaschinen ab. Alle 90 Menschen an Bord kommen ums Leben. In beiden Maschinen hatten Selbstmordattentäterinnen aus Tschetschenien Bomben gezündet.

September 2004

Bewaffnete überfallen eine Schule in Beslan (Nordossetien) und nehmen 1.100 Kinder, Eltern und Lehrer als Geiseln. Das Terrordrama endet mit 360 Toten. Als einer der Drahtzieher gilt der tschetschenische Rebellenführer Schamil Bassajew.

November 2009

Bei einem Sprengstoffanschlag auf den Schnellzug Moskau-St. Petersburg kommen mindestens 26 Menschen ums Leben. Der tschetschenische Terrorist Doku Umarow bekennt sich zu dem Anschlag und kündigt einen „Sabotagekrieg“ gegen die „blutige Besatzungspolitik“ Moskaus im Kaukasus an.

Januar 2011

Bei einem Selbstmordanschlag auf dem Moskauer Flughafen Domodedowo sterben mindestens 37 Menschen. Drahtzieher der Sprengstoffattacke ist wieder Doku Umarow, der der russischen Regierung per Video mit weiteren Anschlägen droht.

Oktober 2013

Mit einer Bombe in einem Linienbus in Wolgograd tötet eine Selbstmordattentäterin sechs Insassen und sich selbst. Mehr als 30 Menschen werden zum Teil schwer verletzt. Fahnder vermuten, dass Islamisten aus dem Nordkaukasus der Frau die Bombe übergeben haben.

Dezember 2013

Im Bahnhof der Millionenstadt Wolgograd zünden Terroristen am 29.12. eine mit Nägeln und Schrauben gefüllte Bombe. Bei dem Selbstmordanschlag sterben mindestens 17 Menschen. Nur einen Tag später sterben bei einer Explosion in einem Bus in Wolgograd weitere 14 Menschen. Auch hier gehen die Ermittler von einem Selbstmordanschlag aus.

Der russische Ministerpräsident Dmitri Medwedew hatte in der Vergangenheit diesbezüglich vor voreiligen Schlüssen gewarnt. Solange nichts erwiesen sei, müsse Umarow als lebendig angesehen werden.

Zuletzt gab es bei Terroranschlägen in Wolgograd im Dezember mehr als 30 Tote. Die Selbstmordattentäter hatten sich auf Umarow berufen. Der Terroristenführer selbst hatte gedroht, die ersten russischen Olympischen Winterspiele zu verhindern. Bei den Spielen in Sotschi blieb es im Februar allerdings ruhig.

Umarow wurde viele Jahre als „Staatsfeind Nummer eins“ in Russland bezeichnet und wird mit internationalem Haftbefehl gesucht. Sein Einfluss galt angesichts auch von Meldungen über schwere gesundheitliche Probleme und wegen Spaltungen innerhalb der islamistischen Gruppierungen aber zuletzt als geschwächt.

Über Jahre hatte Umarow dem Kreml eine „barbarische Besatzungspolitik“ im Nordkaukasus vorgeworfen. Die Islamisten streben nach einem von Moskau unabhängigen islamischen Gottesstaat („Emirat“) in dem Konfliktgebiet. In der bergigen Vielvölkerregion kommt es immer wieder zu blutigen Gefechten zwischen Extremisten und kremltreuen Einheiten.

Umarow hatte sich unter anderem zum Attentat auf die Moskauer U-Bahn 2010 und im Flughafen Domodedowo 2011 mit insgesamt fast 80 Toten bekannt. Im Sommer vorigen Jahres hatte er sich nach anderthalbjähriger Pause zurückmeldet und drohte wieder blutige Anschläge auf Zivilisten an. Dass er im Februar 2012 ein Ende der Anschläge angeordnet habe, sei ein Fehler gewesen, hatte der damals 49-Jährige gesagt. Dies sei vom Kreml „als Schwäche und nicht als Zeichen guten Willens“ wahrgenommen worden.

Von

dpa

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