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07.03.2011

14:47 Uhr

Islamkonferenz

Innenminister Friedrich will raschen Dialog

Nach anhaltender Kritik an seinen Äußerungen hat Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) den Wunsch nach einem Dialog mit den Muslimen in Deutschland bekräftigt. Plattform dafür könne die nächste Islamkonferenz sein.

Innenminister Friedrich will nach heftigem Gegenwind auf seine Kritiker zugehen. Quelle: dpa

Innenminister Friedrich will nach heftigem Gegenwind auf seine Kritiker zugehen.

BerlinDie erklärte sein Sprecher am Montag in Berlin. Bei den islamischen Vertretern löste Friedrichs These, es gebe keine historischen Belege für den Einfluss des Islam auf Europa, Enttäuschung aus. Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, nannte in der „Berliner Zeitung“ diese Einschätzung „total falsch“. So habe die islamische Welt die Schriften der Antike gesichert und übersetzt, die dann als Grundlage für die europäische Aufklärung gedient hätten, argumentierte Kolat.

Auch stammten viele Wörter des deutschen Sprachgebrauchs aus dem Arabischen.

Nach Ansicht der Grünen hat Friedrich mit seinen Positionen „alte Feindbilder“ bedient. „Der Nachweis, dass ihm die Fußstapfen seines besonnenen Amtsvorgängers Thomas de Maizière nicht eine Nummer zu groß sind, wird ihn nun viel Mühe kosten“, sagte Parteichefin Claudia Roth. Mit der Leugnung „der Realität“ des Islam in Deutschland werfe der neue Minister wichtige Grundwerte wie die allgemeine Religionsfreiheit leichtfertig über Bord.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, kritisierte Friedrich ebenfalls: „Durch den Glauben der Muslime in Deutschland ist auch der Islam da“, sagte er der „Frankfurter Rundschau“.

Bei konservativen Christdemokraten wie dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten Stefan Mappus kommen Friedrichs Äußerungen aber gut an. „Ich finde es gut und wichtig, dass das Thema in Deutschland angesprochen wird, egal wer Innenminister ist“, sagte Mappus der „Leipziger Volkszeitung“. Prägend für Deutschland müsse „stets das christliche Menschenbild“ sein.

Friedrich hatte direkt nach seinem Amtsantritt in der letzten Woche erklärt, die in der Bundesrepublik lebenden Menschen islamischen Glaubens gehörten zwar zu Deutschland. „Aber dass der Islam zu Deutschland gehört, ist eine Tatsache, die sich auch aus der Historie nirgends belegen lässt.“ Damit grenzte er sich von Bundespräsident Christian Wulff ab, der den Islam als einen Teil Deutschlands bezeichnet hatte.

 

Von

dpa

Kommentare (3)

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Thomas-Melber-Stuttgart

07.03.2011, 15:46 Uhr

Was gibt es eigentlich noch zu besprechen?

Account gelöscht!

07.03.2011, 17:42 Uhr

Wenn es eine Mars-Konferenz wäre für gelandete Ausserirdische, dann würde ich deren Sinnhaltigkeit ja noch verstehen, dass wir mit ihnen verhandeln, was von unserer Gesellschaft für sie gilt und was nicht.

Account gelöscht!

08.03.2011, 13:42 Uhr

Leitkultur Menschenrechte - sonst Islam-Konferenz boykottieren!

Als Deutscher bin ich sehr verärgert, dass der neue Bundesinnenminister Friedrich und auch Ministerpräsident Mappus von in Deutschland lebenden Muslimen verlangen, die so genannte christliche Leitkultur anzuerkennen.
Dies kann zweierlei bedeuten:
1. die mittelalterliche Überzeugung, dass nur das Christentum die einzig wahre Religion darstellt - und alle anderen gehörten bekehrt oder ermordet (wie es z.B. mit unzähligen Muslimen gemacht wurde) oder
2. die christliche Nächstenliebe, welche inhaltlich der Grundregel der heutigen Menschenrechte entspricht: "Behandle andere Menschen so, wie du selbst behandelt werden möchtest!"

Heutzutage gilt, dass Menschen nur dann Christen sein können, wenn sie die christliche Nächstenliebe praktizieren. Dies bedeutet, wenn Friedrich und Mappus sich als Christen bezeichnen, muss es für sie eigentlich selbstverständlich sein, sich mit Muslimen gemäß den Menschenrechten auf genau der gleichen Augenhöhe zu treffen und ihre beiden Religionen (und alle anderen der ca. 4000 religiösen und nichtreligiösen Weltanschauungen) als völlig gleichwertig zu akzeptieren.

Daher rate ich den muslimischen Verbänden, von Deutschland zu fordern, offiziell die Menschenrechte als Leitkultur zu benennen - sonst sollte die die Islam-Konferenz boykottiert werden!

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