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04.01.2012

20:44 Uhr

Israel

Religionsminister warnt vor Spaltung der Gesellschaft

Seit Wochen wachsen die Spannungen zwischen religiösen und säkularen Juden und drohen zu eskalieren. Israels Religionsminister Jakow Margi befürchtet nun, die Gesellschaft des Landes könnte gespalten werden.

Israelis protestieren gegen Gewalt durch ultraorthodoxe jüdische Extremisten. AFP

Israelis protestieren gegen Gewalt durch ultraorthodoxe jüdische Extremisten.

JerusalemDer israelische Religionsminister Jakow Margi hat angesichts wachsender Spannungen zwischen ultraorthodoxen und säkularen Juden vor einer Spaltung der Gesellschaft gewarnt. In einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters rief Margi am Mittwoch Strenggläubige zu mehr Zurückhaltung auf. Zudem mahnte er Journalisten zu mehr Umsicht bei der Berichterstattung über das Thema.

„Falls wir ein Problem in der israelischen Gesellschaft haben, dann sollten wir es durch Dialog lösen“, sagte der Minister, der auch Generalsekretär der ultraorthodoxen Schas-Partei ist. „Ich rufe alle Menschen in den Medien und Extremisten auf beiden Seiten, die verrückten Leute, dazu auf: Kommt wieder runter!“ Andernfalls befürchte er, dass der Konflikt „die israelische Gesellschaft auseinanderreißen“ werde.

In Israel nehmen die Spannungen zwischen religiösen und säkularen Juden seit Wochen zu. Rund zehn Prozent der knapp acht Millionen Israelis sind ultraorthodoxe Juden, die eine besonders strenge Auslegung religiöser Vorschriften vertreten und zunehmend gewaltsam dafür eintreten.

Für besonderes Aufsehen sorgte der Fall eines achtjährigen Mädchens, das auf dem Schulweg von ultraorthodoxen Männern angespuckt worden war, weil es angeblich nicht züchtig genug gekleidet war. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu verurteilte die Gewalt, und auch die Schas-Partei, ein ultraorthodoxer Koalitionspartner, distanzierte sich von dem Vorfall.

Auf Druck der Ultraorthodoxen gibt es inzwischen in einigen Buslinien in religiösen Vierteln getrennte Sitzplätze für Männer und Frauen. In Jerusalem haben Rabbiner zudem verlangt, Plakate mit Fotos von Frauen abzuhängen und keine Frauen in religiösen Geschäften zu beschäftigen.

In Beit Schemesch haben die Strenggläubigen durchgesetzt, dass Frauen auf Schildern aufgefordert werden, ihre Viertel zu meiden. Als Polizisten eines der Schilder abmontieren wollten, wurden sie von Orthodoxen angegriffen. In der Stadt 30 Kilometer vor Jerusalem leben viele strenggläubige Einwanderer.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Bruder-Helmut

04.01.2012, 21:26 Uhr

Schon vor viele Jahren konnte man dieses Zitat lesen:

Nach den Bombenangriffen auf Dresden sagte HERR, daß eine gewisse Glaubensgruppe , selbst wenn sie den Krieg gewinnen sollten, nichts davon haben werden, weil sie irgend wann damit anfangen werden, sich selbst zu zerfleischen.

Denn Krieg haben diese Glaubensbrüder noch immer nicht gewonnen. Gäbe es sonst noch die UN-Feindstaatenklausel gegen Deutschland?

Im zweiten Teil seiner Aussage bewies Herr allerdings geradezu hellseherische Fähigkeiten. Saß der Glaubensbruder Rupert Murdoch noch vor einigen Monaten fest im Sattel und war unangefochtener Herrscher über eines der größten Medienimperien dieser Welt, muß er jetzt mit ansehen, wie ihn seine Glaubensgenossen Stück für Stück demontieren

Und nun das auch noch direkt im Herzen dieser Glaubensbrüder, eben dem Staat Israel, von dem sich die Welt inzwischen angeekelt wegen der Massacker an der Urbevölkerung, zurückzieht.

### „Ich kann ihn nicht mehr sehen, das ist ein Lügner“, soll Sarkozy in einem Nachbarraum wenig diplomatisch über Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu erklärt haben. Obama sagte nach diesen Angaben darauf nur lakonisch: „Du bist ihn leid, aber ich habe jeden Tag mit ihm zu tun!“

Man sieht, seit den 80ziger ist die Quelle abgeschnitten worden von diesen Glaubensbrüdern und auf eigenen Beinen können sie nicht stehen


Selbst

Account gelöscht!

04.01.2012, 22:14 Uhr

Bereits in den 1990-er Jahren warfen ultraorthodoxe Israelis mit Steinen nach Autos, die am Sabbat durch ihre Stadtviertel fuhren. Bereits 1996 warnte Moshe Zimmermann in seinem Buch "Wende in Israel. Zwischen Nation und Religion" vor jener Spaltung, über die jetzt unsere Zeitungen berichten. http://www.freiburger-rundbrief.de/de/?item=499 Einige Details haben sich geändert, und einiges hat sich verschärft, aber das Problem besteht schon lange, wurde jedoch zu wenig beachtet.

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