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09.01.2006

17:18 Uhr

Israel

Scharon atmet und reagiert auf Schmerzreize

Israelische Ärzte haben am Montag damit begonnen, Ministerpräsident Ariel Scharon aus dem künstlichen Koma zu holen. Dazu wird die Dosis der Narkosemittel verringert - ein Prozess, der sich über Tage hinziehen kann. Scharons begann bereits wieder zu atmen und reagiert auf Schmerzreize.

Soll aus dem Koma geweckt werden: Israels Regierungschef Ariel Scharon. Foto: ap

Soll aus dem Koma geweckt werden: Israels Regierungschef Ariel Scharon. Foto: ap

HB JERUSALEM. Der Leiter des Hadassah-Ein-Kerem-Krankenhauses in Jerusalem, Schlomo Mor-Josef, sagte, trotzdem sei Scharon noch immer in einer kritischen Verfassung. Sein Hirnchirurg Felix Umansky sagte aber: „Dies sind in seinem Zustand sehr wichtige Zeichen.“

Mit dem Absetzen der Narkose wollen die Ärzte Aufschluss über das Ausmaß der Hirnschäden gewinnen. Dazu setzten sie am Montag gezielte Schmerzreize, nach denen Scharon rechts den Arm und das Bein bewegte. Mit dem Absetzen der Betäubungsmittel seien die Reaktionen deutlicher geworden, sagte Mor-Josef. Das Beatmungsgerät sei aber noch nicht abgeschaltet worden. Erst nach einem Aufwachen Scharons sollen Tests klären, wie viel Schaden sein Gehirn bei dem Schlaganfall am Mittwochabend und den darauf folgenden Hirnblutungen erlitten hat.

Ein israelischer Narkosearzt erklärte, das selbstständige Atmen Scharons sei zweifellos ein gutes Zeichen. „Dies beweist, dass das Stammhirn, das für die Atmung zuständig ist, noch funktioniert“, erklärte Dani Gewa, Leiter der Anästhesie des israelischen Kaplan- Krankenhauses, dem Armeesender.

Am Sonntag hatte eine neue Computertomographie Hinweise auf eine weitere leichte Besserung von Scharons Gesundheitszustand geliefert. Ärzte warnten jedoch vor zu viel Optimismus. Scharons Chirurg Jose Cohen sagte, sein Patient werde das Amt des Ministerpräsidenten nicht mehr ausüben können. Israelische Medien zitierten einen ranghohen Krankenhausmitarbeiter mit den Worten, die im Computertomographen festgestellten Verbesserungen beträfen die Struktur des Gehirns, nicht die Funktionsfähigkeit.

Auf seiner Farm in der Negev-Wüste hatte Scharon am Mittwoch plötzlich über Unwohlsein und Druck in der Brust geklagt und war ins Krankenhaus gebracht worden. Scharon hatte bereits Mitte Dezember einen leichten Schlaganfall erlitten. Seit Mittwoch hatten die Ärzte mit drei Notoperationen um das Leben des Patienten gekämpft.

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