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05.02.2015

13:45 Uhr

Israel und Twitter

Netanjahu soll Botschafter rauswerfen

Öffentliche Kritik an der eigenen Regierung findet Benjamin Netanjahu offenbar blöd. Er will Diplomaten entlassen, weil sie negativ über ihn getwittert haben. Damit stößt er in Israel aber nicht überall auf Zustimmung.

Benjamin Netanjahu: Der israelische Ministerpräsident will drei Diplomaten rauswerfen, weil sie bei Twitter Kritik an seiner Regierungsführung geäußert hatten. dpa

Kein Fan von Twitter

Benjamin Netanjahu: Der israelische Ministerpräsident will drei Diplomaten rauswerfen, weil sie bei Twitter Kritik an seiner Regierungsführung geäußert hatten.

Die Twitter-Profile von drei israelischen Diplomaten sind gelöscht worden. Wenn man Jigal Caspi oder Assaf Moran in der Suche eingibt, erscheint „Sorry, diese Seite existiert nicht!“. Das ist wohl das kleinste Übel, mit dem sich der israelische Botschafter in der Schweiz auseinandersetzen muss. Ihm und zwei weiteren Diplomaten drohen wegen Kritik an der eigenen Regierung die Entlassung. Der Grund: Die Kritik erfolgte über das soziale Netzwerk Twitter, also öffentlich. Wie das Außenministerium am Donnerstag bestätigte, wurden alle drei zu disziplinarischen Anhörungen nach Jerusalem einbestellt.

Jigal Caspi, der in Bern lebt, hatte Zweifel an Ministerpräsident Benjamin Netanjahu getwittert, Anfang März eine Rede vor dem US-Kongress zu halten ohne das Weiße Haus zu berücksichtigen. Das schien Netanjahu mal gar nicht zu gefallen. „Sie wurden zu einer Anhörung vorgeladen, um zu klären, ob bestimmte Kommentare auf ihren privaten Twitter-Konten von ihnen stammen“, sagt der Ministeriumssprecher Emmanuel Nachschon der Nachrichtenagentur AFP.

Auch Assaf Moran, israelischer Botschaftsrat in Indien sei zurückbeordert worden. Bei dem dritten Beamten, dem sogar eine Entlassung bevorsteht, handele es sich um einen Diplomaten in der Forschungsabteilung des Ministeriums. Er hatte bei Twitter den rechtsradikalen Wirtschaftsminister Naftali Bennett attackiert.

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Weil die Profile der drei Diplomaten mittlerweile gelöscht wurden, sind die entsprechenden Tweets nicht mehr aufzufinden. Derzeit sieht es nicht so aus, als habe jemand die Tweets per Screenshot oder auf andere Weise für die Ewigkeit festgehalten. Ein Punkt, der Caspi und Co. wenigstens etwas beruhigen dürfte. Trotzdem: Laut der israelischen Tageszeitung „Jediot Ahronot“ hat Außenminister Avigdor Lieberman die Suspendierung aller drei Diplomaten bereits angeordnet.

Die Zeitung „Haaretz“ berichtet, dass nicht nur Jigal Kaspi die, für den 3. März geplante Rede Netanjahus vor dem US-Kongresses fraglich findet. Auch unter Israels Generalkonsuln in den Vereinigten Staaten stößt dieses Vorhaben auf starke Bedenken. Die Generalkonsuln von sechs US-Bundesstaaten hätten in einem internen Schreiben vor schwerwiegenden Folgen gewarnt, sollte Netanjahu gegen den Willen der US-Regierung vor dem Kongress sprechen, zitiert „Haaretz“ einen Beamten des Ministeriums.

Benjamin Netanjahu will vor dem Kongress vor allem die gegenwärtigen Verhandlungen über das iranische Atomprogramm kritisieren. Zudem will er für eine Verschärfung der Sanktionen gegen Teheran eintreten. Israels Botschafter in Washington, Ron Dermer, hatte diese Rede mit den republikanischen Mehrheitsführern in Senat und Repräsentantenhaus eingefädelt, ohne US-Präsident Barack Obama oder seinen Außenminister John Kerry in Kenntnis zu setzen. Das Weiße Haus, das die laufenden Atomverhandlungen nicht durch weitere Sanktionen gefährden will, reagierte auf diesen „Protokollverstoß“ nicht erfreut.

Kommentare (5)

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Herr Holger Klekar

05.02.2015, 18:55 Uhr

Benjamin Netanjahu sollte sich und seine Sara rauswerfen, auf alle Staatsgelder verzichten, Flaschenpfand zurückgeben (+) plus Zinsen, Wein selber bezahlen, ... und in die USA auswandern. [...]
Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Peter Schaak

06.02.2015, 08:25 Uhr

Netanjahu gibt sich genau so, wie man es vom Chef des letzten kolonialistischen Siedlerstaats der Welt erwartet, on in Paris, anlässlich des Todes des Jordanischen Piloten oder eben hier gegenüber den USA.
Doch was soll die Aufregung von Obama. Hatte sein Außenminister nicht hinreichend Gelegenheit, den Charakter dieses Ministerpräsidenten kennen zu lernen? Und doch zahlen die USA jährlich viele hundert Millionen an Dollar an diesen Staat, was ja nichts anderes bedeutet, als ihn u stützen und zu fördern. Wer mit solchen Leuten gemeinsame Sache macht, braucht sich über nichts zu wundern.

Herr Holger Klekar

06.02.2015, 19:20 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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