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11.11.2014

19:12 Uhr

Israel und USA in Sorge

Russland und Iran planen Ausbau von Atomkraftwerk

Russland und der Iran haben vereinbart, das iranische Atomkraftwerk Buschehr um mehrere neue Reaktoren zu erweitern. Insbesondere Israel und die USA fürchten, dass Teheran in Wahrheit eine Atombombe bauen will.

Irans einziges Atomkraftwerk Buschehr. dpa

Irans einziges Atomkraftwerk Buschehr.

MoskauRussland und der Iran haben einen Ausbau des iranischen Atomkraftwerks Buschehr vereinbart. Die iranische Atomstrombehörde NPPD und die russische Firma Atomenergoproekt unterzeichneten am Dienstag in Moskau einen Vertrag über den Bau von neuen Reaktoren für das bislang einzige Atomkraftwerk Irans, wie russische Nachrichtenagenturen berichteten.

„Das Vertragswerk sieht eine Zusammenarbeit beim Bau von 8 Reaktorblöcken vor. Dies ist ein großes und langfristiges Programm, angelegt für die nächsten 10 Jahre“, sagte Sergey Kirijenko, CEO der Russischen Staatlichen Kooperation für Atomenergie Rosatom.

Bei einem Treffen in der russischen Hauptstadt unterzeichneten Vertreter beider Seiten ein Abkommen, der Preis wurde nicht genannt. Ferner vereinbarten beide Seiten Optionen für den Bau von zwei weiteren Reaktoren. Mit Hilfe Russlands wurde bereits der erste Reaktor in Buschehr mit einer Leistung von 1000 Megawatt errichtet.

Chronologie des Streits um das iranische Atomprogramm

29. März 2006

Der UN-Sicherheitsrat fordert den Iran auf, seine Urananreicherung binnen 30 Tagen einzustellen. Teheran weigert sich.

23. Dezember 2006

Der Sicherheitsrat verhängt erste Sanktionen.

9. April 2009

Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad berichtet von einer betriebsbereiten Uranfabrik in Isfahan.

7. Februar 2010

Der Iran verkündet, man habe niedrig angereichertes Uran auf 20 Prozent gebracht und sei in der Lage, es auf 80 Prozent anzureichern. Damit könnten Atomwaffen hergestellt werden.

22. Januar 2011

In Istanbul werden die Gespräche zwischen dem Iran und den fünf Vetomächten im UN-Sicherheitsrat sowie Deutschland auf unbestimmt Zeit vertagt.

17. Mai 2011

Nordkorea exportiert nach Angaben der UN für nukleare Sprengköpfe geeignete Raketen in den Iran und andere Krisengebiete.

8. November 2011

Die Atomenergiebehörde IAEA in Wien veröffentlicht einen Bericht, nach dem der Iran an der Entwicklung der Atombombe gearbeitet hat. Teheran bestreitet das.

1. Januar 2012

Nach Angaben aus Teheran haben iranische Wissenschaftler erstmals einen eigenen Kernbrennstab entwickelt.

23. Januar 2012

Die EU will ihre Öleinfuhren aus dem Iran spätestens zum 1. Juli stoppen. Die EU-Außenminister beschließen in Brüssel zudem, die Konten der iranischen Zentralbank in Europa einzufrieren.

6. Februar 2012

US-Präsident Barack Obama lässt Eigentum und Vermögenswerte der iranischen Regierung und Zentralbank in den USA blockieren. Betroffen sind auch alle iranischen Finanzinstitutionen.

20. & 21. Februar 2012

Kontrolleuren der IAEA wird der Zugang zur verdächtigen Militäranlage Parchin nahe Teheran verweigert.

31. März 2012

Obama billigt die bislang schärfsten Sanktionen gegen den Iran. Ziel ist es, die Importe von iranischem Öl weltweit so stark wie möglich zu kappen.

14. & 15. April 2012

Die Gespräche zwischen den fünf Vetomächten im UN-Sicherheitsrat plus Deutschland sowie dem Iran werden in Istanbul wieder aufgenommen. Konkrete Ergebnisse gibt es nicht.

14. Mai 2012

Die IAEA verlangt Zugang zu Irans umstrittenen Forschungsanlagen. Auf der Kontrollliste steht die Anlage in Parchin nahe Teheran ganz oben. Dort werden nach Einschätzungen westlicher Geheimdienste Tests mit Atomsprengköpfen simuliert.

21. Mai 2012

IAEA-Chef Yukio Amano spricht in Teheran mit Irans Atom-Chefunterhändler Said Dschalili über das umstrittene iranische Atomprogramm. Amano nennt seine Gespräche anschließend „nützlich“.

23. Mai 2012

Vom 23. Mai an verhandeln die fünf Veto-Mächte des Sicherheitsrates und Deutschland in Bagdad mit dem Iran über sein Atomprogramm.

30. Juli 2012

US-Präsident Barack Obama erlässt weitere Sanktionen gegen den Iran. Betroffen ist das Ölgeschäft des Landes. Im Februar 2013 verschärft das US-Finanzministerium die Maßnahmen.

3. Februar 2013

Irans Außenminister Ali-Akbar Salehi teilt auf der Sicherheitskonferenz in München mit, dass sein Land unter bestimmten Bedingungen zu Verhandlungen mit den USA bereit sei.

17. Februar 2013

Der Oberste Führer im Iran, Ajatollah Ali Chamenei, knüpft direkte Atomverhandlungen mit den USA an Bedingungen. Die Äußerungen werden versöhnlicher als üblich gewertet.

21. Februar 2013

Der jüngste Bericht der IAEA zeigt, dass der Iran bisher 280 Kilogramm höher angereicherten Urans produziert hat. Davon wurden 113 Kilogramm weiterverarbeitet und so für die mögliche Verwendung in einer Atombombe unbrauchbar gemacht.

26./27.2. 2013

Nach einer neun Monate langen Pause setzen Vertreter der 5+1-Gruppe und der Führung in Teheran in Almaty in Kasachstan ihre Gespräche fort. Ein neuer Vorschlag an Teheran soll Bewegung in den festgefahrenen Streit bringen. Angeblich hat die Gruppe angeboten, einige Sanktionen gegen den Iran zu lockern. Dafür soll Teheran Entgegenkommen signalisieren. Es wird ein weiteres Treffen für den 5./6. April verabredet.

20./21.3. 2013

US-Präsident Barack Obama unterstreicht bei einem Besuch in Israel, dass die USA notfalls auch mit Waffengewalt eine nukleare Aufrüstung des Irans verhindern wollen.

27. September

Die Internationale Atomenergiebehörde teilt mit, dass in Wien die internationalen Verhandlungen über das Atomprogramm am 27. September fortgesetzt werden sollen.

Der für das iranische Atomprogramm verantwortliche Leiter Ali Akbar Salehi war nach Moskau gereist, um das Geschäft abzuschließen. Der Vertragspartner Atomenergoproekt ist eine Baufirma des Unternehmens Atomstroïexport, das die Anlage in Buschehr errichtet hatte. „Es ist eine Wende in den Beziehungen unserer beider Länder. Der Iran entwickelt sich und wir sehen in der iranisch-russischen Zusammenarbeit bei der friedlichen Nutzung von Atomkraft große Perspektiven“, ließ Salehi mitteilen.

Die Atompolitik Teherans ist seit Jahren ein Streitpunkt zwischen dem Iran und mehreren westlichen Staaten. Der Iran dringt auf eigene Kapazitäten zur Urananreicherung, um das bisher einzige Atomkraftwerk in Buschehr und weitere geplante Akw zu betreiben. Insbesondere Israel und die USA befürchten, dass Teheran in Wahrheit den Bau einer Atombombe anstrebt.

Der Westen will verhindern, dass Teheran sein ziviles Atomprogramm für die heimliche Entwicklung von Atomwaffen missbraucht. Die Führung in Teheran beteuert dagegen, ihr Nuklearprogramm diene nur dem friedlichen Zweck der Stromgewinnung. Eine Lösung des Streits soll einem aktuellen Aktionsplan zufolge bis zum 24. November stehen.

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