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21.08.2014

18:13 Uhr

Israel wappnet sich

Gaza-Krirg steht vor erneuter Eskalation

Israel wappnet sich für eine neue Eskalation im Gaza-Krieg. Zehntausend Reservisten werden an die Waffen gerufen, die Luftwaffe tötete drei Hamas-Führer. Die Palästinenser antworten mit Salve um Salve an Raketen.

Die Bombardements im Gazastreifen gehen weiter. ap

Die Bombardements im Gazastreifen gehen weiter.

Tel Aviv/GazaIsrael bereitet sich auf eine erneute Verschärfung des Gaza-Krieges vor und beruft 10 000 Reservisten ein. Zugleich setzte die Luftwaffe am Donnerstag ihre Angriffe in dem palästinensischen Gebiet am Mittelmeer fort. Dabei starben mindestens 22 Menschen, wie die palästinensische Nachrichtenagentur Maan meldete. Die israelische Armee griff nach eigenen Angaben 41 Ziele im Gazastreifen an. Militante Palästinenser schossen seit Mitternacht mindestens 55 Raketen auf Israel ab. Die Lage der Bevölkerung wurde immer verzweifelter.

Ziel der israelischen Luftschläge wurden nun auch Anführer der radikal-islamischen Hamas. Am frühen Morgen starben bei einem solchen Angriff in Rafah drei hochrangige Militärchefs der Hamas: Mohammed Abu Schimala, Raed al-Attar und Mohammed Barhum.

Der militärische Arm der Hamas, die Kassam-Brigaden, gaben sich kämpferisch: „Die Tötung unserer Führer wird uns nicht schwächen“, hieß es in einer Mitteilung. Die drei Führer hätten ihr Blut für ihr Volk geopfert. Die erneute Mobilisierung in Israel wurde als Warnsignal gedeutet, dass eine neue Bodenoffensive Israels bevorstehen könnte. Als Israel zwischen dem 17. Juli und dem 3. August mit Bodentruppen in den Gazastreifen schickte, waren 82 000 Reservisten einberufen worden.

Wie der Westen mit dem Gaza-Krieg umgeht

USA

Die USA sind hin und her gerissen. Zwar betont die Regierung ihre Unterstützung für Israel, doch mit der Konfliktdauer wuchs die Besorgnis. Den Beschuss einer UN-Schule nannte Washington „schandhaft“.
Das sind neue Töne; eine Abkehr von der Unterstützung Israels deutet sich aber nicht an. Auch die großen Medien berichten zwar in großer Aufmachung über die Opfer im Gazastreifen, stehen aber eher auf der Seite Israels.

Großbritannien

Großbritannien ist traditionell einer der engsten Verbündeten Israels. Stets betont London das Recht Israels auf Selbstverteidigung. Auch wenn Außenminister Philip Hammond kürzlich die Lage der Bevölkerung in Gaza als „untragbar“ bezeichnete: Kritik an Israel kommt nur hinter vorgehaltener Hand.
Selbst in der Konservativen Partei ist dies vielen zu einseitig. Hammonds Staatssekretärin Sayeeda Warsi legte am Dienstag ihr Amt nieder. Sie könne die Regierungspolitik zu Gaza nicht länger stützen.

Frankreich

Die Regierung steht im Nahost-Konflikt im eigenen Land unter doppelter Beobachtung: In Frankreich gibt es nicht nur die größte jüdische Gemeinde Europas, sondern auch mit die meisten Muslime. Zu Beginn der Auseinandersetzung gab es Verständnis für das Vorgehen Israels; zuletzt wurde insbesondere die Bombardierungen der UN-Schulen heftig kritisiert.

Italien

Italien übt sich in ausbalancierten Stellungnahmen. Immerhin ist Außenministerin Federica Mogherini auch die Kandidatin der Regierung für das Amt des EU-Außenbeauftragten. Außerdem hat Italien in diesem Halbjahr die EU-Ratspräsidentschaft inne. Auch die Medien im Land halten sich eher zurück.

Spanien

Die Regierung in Madrid beschloss jüngst eine Aussetzung der Waffenexporte nach Israel und setzte sich diplomatisch aktiv für einen Waffenstillstand ein. Die Medien sind eher israelkritisch orientiert. Auch Künstler sind aktiv. So veröffentlichten unter anderem mehr als 100 Schauspieler, Musiker und Schriftsteller gemeinsam eine Stellungnahme, die Israel „Völkermord“ vorwarf.

Niederlande

In der niederländischen Politik gehen die Meinungen teils weit auseinander. Der rechtsliberale Ministerpräsident Mark Rutte ergriff eindeutig für Israel Partei und äußerte Verständnis für dessen Militäreinsatz. Daraufhin forderte ihn der einstige christdemokratische Regierungschef Dries van Agt offen auf, mehr Mitgefühl für die Palästinenser zu zeigen.
Ähnlich unterschiedlich sind die Kommentare in den Medien. Während der konservative „Telegraaf“ der Hamas die Schuld am Blutvergießen zuweist, kritisieren Blätter wie die eher linksliberale „Volkskrant“ Israel.

Türkei

Die türkische Regierung gehört zu den schärfsten Kritikern Israels und fordert ein sofortiges Ende des Militäreinsatzes. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan formulierte es drastisch: „Mit seinen Gräueltaten in Gaza hat der Terrorstaat Israel Hitler übertroffen.“
Da Erdogan sich am 10. August zum Staatspräsidenten wählen lassen möchte, spielt der Konflikt im Wahlkampf eine prominente Rolle. Auch die Opposition hat Israel kritisiert. Das Verhältnis der Türkei zu Israel ist seit Jahren angespannt.

Tschechien

Die Regierung in Prag gilt als einer der wichtigsten Verbündeten Israels in Mitteleuropa, hält sich aber mit Äußerungen zum Gaza-Konflikt zurück.

Polen

Die polnische Regierung hält sich zum Gaza-Konflikt zurück. In den Medien sind die Reaktionen gespalten: Manche Journalisten betonen, Israel werde durch die Taktik der Hamas geradezu gezwungen, zivile Ziele anzugreifen, und habe wie jeder andere Staat das Recht, sich zu verteidigen.
Andere Zeitungen werfen Israel dagegen Unverhältnismäßigkeit vor.

Vereinte Nationen

Als Chef-Diplomat ist UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bemüht, sich ausgewogen zu äußern. Stets mahnt er beide Seiten im Konflikt zur Zurückhaltung. Der israelische Beschuss einer UN-Schule empörte den UN-Chef allerdings dermaßen, dass er von seiner Linie abwich und Israel eine „moralische Schandtat“ und einen „kriminellen Akt“ vorwarf.

Israels Verteidigungsminister Mosche Jaalon sagte, die drei getöteten Hamas-Führer seien verantwortlich für „schwere Angriffe auf Zivilisten und Soldaten“. Sie seien auch an der Entführung des Soldaten Gilad Schalit im Jahr 2006 beteiligt gewesen.

Regierungschef Benjamin Netanjahu lobte die Arbeit der Geheimdienste. Durch ihren Einsatz seien „tödliche Anschläge“ auf Israelis verhindert worden. Zugleich deutete er bei einer Rede am Mittwochabend jedoch auch vage die Möglichkeit einer Friedensregelung an: „Wer sagt, dass wir den Frieden aufgegeben haben?“. Ohne Einzelheiten zu nennen kündigte Netanjahu dabei einen „neuen diplomatischen Horizont“ an

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