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15.07.2016

14:13 Uhr

Israelischer Anti-Terror-Berater

„Wir müssen uns an Terrorattacken gewöhnen“

Israel gilt aus traurigen Gründen als Spezialist in Sachen Terrorismus. Ein ehemaliger Anti-Terror-Berater der Regierung fordert von der westlichen Welt ein Umdenken in Sachen Menschenrechte und Sicherheit.

Auch in Australien trauern die Menschen um die Opfer von Nizza. Terrorexperte Nizan Nuriel ist überzeugt, dass solche Bilder häufiger werden dürften. AP

Gedenkstätte in Sydney

Auch in Australien trauern die Menschen um die Opfer von Nizza. Terrorexperte Nizan Nuriel ist überzeugt, dass solche Bilder häufiger werden dürften.

Tel AvivAnschläge mit Autos gibt es in Israel und dem palästinensischen Westjordanland regelmäßig. Lastwagen mit sensibler Fracht, wie Chemikalien, dürfen in Israel nur auf bestimmten Straßen fahren. Der ehemalige Direktor des israelischen Stabs zur Terrorbekämpfung im Büro des Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, Nizan Nuriel, befürchtet Nachahmer nach dem Anschlag von Nizza.

Was ist die Strategie hinter einem scheinbar wahllosen Anschlag wie in Nizza?
Ich denke, dass der „Islamische Staat“ Botschaften verbreiten will, wo immer und wann immer er kann. Die Botschaft lautet: Auch wenn wir im Irak und in Syrien Boden verlieren, sind wir immer noch stark genug, um jede Art von Terroranschlag durchzuführen. Selbst wenn ihr uns am Boden besiegt, werdet Ihr für eine lange Zeit einen hohen Preis zahlen. Und um diese Art von Attacke durchzuführen, brauchen wir keinen langen Vorbereitungsprozess.

Sehen Sie eine direkte Verbindung zwischen dem Attentäter von Nizza und dem IS?

Newsblog – Terror in Nizza: Drei Deutsche unter den Toten

Newsblog – Terror in Nizza

Drei Deutsche unter den Toten

Ein Mann rast in Nizza mit einem Lkw in eine Menschenmenge. Die Stadt Berlin bestätigt den Tod dreier Deutscher. Insgesamt sterben 84 Menschen. Die Ereignisse zum Anschlag in Nizza zum Nachlesen im Newsblog.

Du brauchst nur Menschen, die bereit sind zu sterben. Davon haben sie eine Menge. Der Fahrer hat keine besondere Anweisung von irgendwem erhalten. Er hat alles, was er braucht, um den Terroranschlag durchzuführen. Er hat die Ziele. Er hat sein eigenes Fahrzeug. Und Munition zu bekommen, ist aktuell kein großes Problem in Europa.

Aber warum wählt der Attentäter einen Lastwagen?
Die Idee, mit dem eigenen Auto Menschen zu töten, ist nichts Neues. Mit einem Fahrzeug kann man viele Opfer verursachen. In Israel sind es meistens kleine Autos. Aber wir hatten in der Vergangenheit auch schon den Fall, dass ein palästinensischer Terrorist einen israelischen Bus von der Straße in eine Schlucht gestürzt hat. Es gab 16 Tote.

Fahrzeuge als tödliche Waffe

Aufrufe des IS

Ein Fahrzeug als tödliche Waffe: Mindestens 80 Menschen hat ein Angreifer am französischen Nationalfeiertag in Nizza getötet, als er mit einem Lastwagen in eine Menschenmenge raste. Zwar waren die Motive des Mannes zunächst unklar. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hatte ihre Anhänger aber bereits aufgerufen, auch Fahrzeuge als Waffen zu nutzen. Solche Attacken gab es in der Vergangenheit bereits in Kanada und Großbritannien.

London, Mai 2013

Im Mai 2013 fahren zwei Londoner nigerianischer Abstimmung in der britischen Hauptstadt den Soldaten Lee Rigby mit einem Auto an, bevor sie ihn erstechen. Einer der Angreifer ruft kurz danach, er wolle die „von britischen Soldaten getöteten Muslime“ rächen.

Montréal, Oktober 2014

Im Oktober 2014 rast ein 25-jähriger kanadischer Konvertit in einem Vorort von Montréal mit seinem Auto auf drei Soldaten. Er tötet einen der Männer und verletzt einen weiteren. Nach einer Verfolgungsjagd wird er schließlich erschossen. Der Angreifer wollte zum Dschihad nach Syrien reisen.

Audiobotschaft im September

Schon seit Jahren rufen das Terrornetzwerk Al-Kaida und der IS ihre Anhänger auf, im Westen „Ungläubige“ zu töten - egal mit welcher Waffe. IS-Sprecher Abu Mohammed al-Adnani erklärte in einer im September 2014 verbreiteten Audiobotschaft, wenn jemand „keine Bombe zünden oder Kugel abfeuern“ könne, sei jedes andere Mittel recht. Konkret nannte al-Adnani unter anderem Messerattacken oder Angriffe mit einem Auto.

Wieso zielen die Terroristen neben Flughäfen vor allem auf sogenannte weiche Ziele?
Sie wollen Angst schaffen und so viele Opfer wie möglich haben. Das war der Grund, warum sie ein Fußballspiel angreifen wollten, das war der Grund, warum sie einen Nachtclub attackiert haben. Jeder Ort, wo Menschen anstehen oder sich Menschenmengen bilden, ist ein weiches Ziel.

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